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A kind of magic

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ANNE JUREN UND MÅRTEN SPÅNGBERG VERZAUBERN SICH BEI "QUICK CHANGE" IM TANZQUARTIER WIEN

Von Judith Helmer


Eine junge Frau im grauen Businesskostüm, kombiniert mit feinen Highheels und leuchtend rotem Lippenstift betritt die Bühne. So gekleidet  könnte sie einer Folge der TV-Serie Ally McBeal entsprungen sein. Doch bewegt sie sich mit ihrem übertrieben aufreizenden Hüftschwung nicht durch die freakige Anwaltskanzlei, sondern wirbelt von aufpeitschender Musik begleitet über eine Showbühne und erstaunt ihr Publikum mit ihrem sehr speziellen Zaubertrick. Ein kleines rotes Tüchlein „verschwindet“ eines um das andere Mal in der Hand der schönen Frau, um an ganz anderer Stelle wieder aus der Kleidung gezogen zu werden. Soweit so bekannt. Doch die Frau strippt zu dem Trick, verbindet Zaubern mit Sichausziehen: Da kommt das Tüchlein aus dem Büstenhalter hervor, dann aus dem Slip und schlussendlich ist sie bis auf die hochhackigen Schuhe nackt und zaubert das knallrote Stoffstück aus ihrer Vagina hervor.

Zauberhaft hinters Licht geführt

„Magical“, so heißt die prägnante Arbeit von Anne Juren, die am zweiten Abend der zweiten Programminsel des Tanzquartier Wien „Quick Change“ die Zuschauer begeisterte. Juren hat zusammen mit der Kultursoziologin Brigitte Felderer diese Insel in der Spannung zwischen reflektiertem Modedesign und sozialer Choreografie angesiedelt. Sie thematisiert die Magie der Kleidung, von der wir uns wissentlich hinters Licht führen lassen und fragt, ob nur der nackte Körper als Träger des „Authentischen“ übrigbleibt. Bereitwillig hinters Licht lässt sich der Besucher auch von Jurens Stückankündigung führen. Bei dem Zauberer Loïc Azlo ist sie in die Lehre gegangen für ihre „Suche nach der Beziehung zischen Choreografie und Zauberkunst“. Kein Wort allerdings findet sich über Ursula Martinez. Dabei ist ihr im Internet kursierendes Video ebenfalls magical. Die in London lebende Performerin Ursula Martinez, eine „cult cabaret diva noted for her use of nudity“ wie es im Wikipedia-Eintrag heißt, nennt ihre fünfminütige Performance, die sie auch schon in Wien aufgeführt hat, „Hanky Panky“. Juren stellt diese als eine Art ungenanntes Readymade wieder her und erweitert Martinez’ Arbeit auf eine zwanzigminütige Show.

Ursula Martinez’ „Hanky Panky“ auf YouTube

Wer Martinez‘ Video auf YouTube sucht, findet eine gekürzte Version, die auf einem Schriftband gleich eine ganze Interpretation mitliefert: „(...) her use of onstage nudity to captivate and shock her audience is perhaps the most notable aspect of her works. Here, she can be seen in ‘Hanky Panky’, a short piece combining handkerchief magic and striptease. What is perhaps striking in ‘Hanky Panky’ is not the apparent shamelessness with which Martinez stands totally naked on stage, nor the humor of the piece which contrasts strongly with her audience's apparent discomfort ... What is striking the most is the deep ambiguity of the performance: our unease eventually finds relief in the very last conjuring of the sketch, as she pulls a string of handkerchiefs out of her vagina. The strong association between the redness of the handkerchieves and the flow of a woman`s period comes and taints the rest of the piece retrospectively. Thus, it was not simply conjuring magic we witnessed, but as Ursula Martinez pulled red handkerchieves out of her jacket, skirt, bra, and then panties, we saw blood flowing from a woman's hidden and intimate parts. We witnessed a woman wounded and marked in her heart, in her breast and in her womb. Women, Martinez is telling us, perhaps unwittingly, bear an intimate scarlet mark. And no attempt at humor or at using their sexuality in an empowering manner may hide the fact that woman bleed where men don't. Ultimately the piece fails: Martinez never manages to reconcile this deep bleeding, this vulnerability of women, with the strong image she is trying to project. Thus extrovert woman can only dissociate themselves completely for men. The chasm of their vulnerability is too great to cross, for woman to exist anywhere else then in the shadow of men." Wie gesagt, diese Interpretation entstammt einem Video, der Link, auf den es verweist, existiert nicht mehr, der Urheber ist mir unbekannt, die geäußerte Meinung muss nicht mit der der Autorin übereinstimmen.

Ein „Slowfall“ ohne Überraschung

Juren stiehlt also Martinez die Show für die Insel über (Ver-)Kleidung. Passend. Bei ihr endet der lustige Strip in immer absurderen Dimensionen. Ganze Jacken kann sie aus ihrem Körper hervorziehen, sich in diese kleiden, ihre Nacktheit verdeckend. Und auch der kesse Stripschritt wandelt sich in einen eckigen Stepptanz, der die fließenden, die weiblichen Rundungen betonenden Bewegungen konterkariert, während das zuvor immer strahlende Gesicht hinter dem Haarteppich verschwindet. Der Zuschauer findet sich in eine ungemütliche Voyeurs-Position zwischen Staunen und Schaudern versetzt. Hier ist auch der nackte Körper nicht mehr „authentisch“, sondern besetzt von Bewegungsklischees und Fantasieprojektionen.

Einen Trick wendet auch Marten Spangberg für seinen Teil des Abends an. „Slowfall magic without surprise“ nennt er seine Meditation, bei der die Überraschung darin besteht, dass es sich dabei um die so gut wie gleiche Arbeit handelt, die Spangberg schon in der vergangenen Tanzquartiersaison im Schwerpunkt „NICHTS ist aufregend. NICHTS ist sexy. NICHTS ist nicht peinlichunter dem Titel „Untitled Slowfall“ präsentiert hat. Wieder lädt er sein Publikum auf Liegedecken, damit sie wegschlafen, während er sich „östlich-spirituellen Entkörperungstechniken" hingibt. Na, gute Nacht.


http://www.ursulamartinez.com/

 

(23.10.2008)