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BARBARA KRAUS IST BESESSEN IM BRUT ZU WIEN
Von Bettina Hagen
Die jüngste Performance von Barbara Kraus beginnt bereits im kleinen, finsteren Vorraum des brut im Künstlerhaus. Da sehen sich die ZuseherInnen der Bäuerin Aloisia Schinkenmaier gegenüber, die raumfüllend alle vereinnahmt und in breitem Dialekt jeden auffordert, sich eine Farbe auszusuchen, woraus sich etwas später im Bühnenraum eine besondere Vorliebe für eines der Laster, die zu den sieben Todsünden zählen, kristallisieren wird. Dem eintreffenden Publikum wird also gleich klargemacht, dass ihm an diesem Abend eine wichtige Rolle zukommt - was bei Barbara Kraus ja nicht ungewöhnlich ist.
Ein Video zeigt Aloisia - die Figur steht einem anderen Alter Ego von Kraus, JohnPlayerSpezial, an Intensität um nichts nach - auf Streifzügen durch Wälder und bei der Begegnung mit wilden Tieren. Frau Schinkenmaiers Geschichte hat einen Bezug zu Barbara Kraus' Familie. Aloisia wurde als Kind der Teufel ausgetrieben, und nun soll sie dabei helfen, den Teufel zu identifizieren, der in Kraus’ Mutter gefahren ist. Dass diese von einem Teufel besessen wäre, behauptet eigentlich nur der Vater von Barbara Kraus, dieser liefert damit aber den Vorwand für „Auf Teufel, komm raus! Oder Aloisia Schinkenmaiers Fahrt in die Hölle“.
Herr Vukic ist der Höllenpianist
Der Bühnenraum von Nadia Lauro bereitet das Höllenszenario, das an die Unterwelt eher im übertragenen Sinn einer billigen Castingshow oder als Glückspiel erinnert. Den sieben in einem Oval angeordneten „Pokertischen“ sind Farben, jeweils ein Tier und ein Teufel sowie das Publikum zugeordnet. Auf einem kleinen Podest und in Aloisias Schultertasche befinden sich Werkzeuge und Zaubermittel zur Teufelsaustreibung sowie ein Rosmarinbüschel oder Traubenzucker. Komplettiert wird das Unterweltsteam von Herrn Vukic (Fabian Udulutsch), einem übellaunigen Keyborder, Fräulein Grün (Renate Leisten), die in Literatur zu den Todsünden und den dazugehörigen Bestrafungen vertieft ist, und einem Bären. Was nun wirklich passiert, hängt so stark von der Aloisias Präsenz ab, dass es manchmal schwer fällt, auf das Geschehen konzentriert zu bleiben, wenn sie sich gerade am anderen Raumende befindet.
Auf die Zu- und Zurechtweisung des Publikums folgt die Zuteilung der Teufel, die entsprechende Tierköpfe aus Papiermaché tragen. Zuvor hatte man sie nur im Dunkel auf dem Balkon gesehen, ein unheimlicher Anblick. Jedem Teufel, von Asmodeus und Beelzebub bis zu Satan, wird nun nahegelegt, seine Gruppe auf das Tier+Sünden-Thema einzuschwören: so entstehen etwa neidige Hunde, wollüstige Kühe und geizige Frösche - oder eben auch nicht, wenn die energetischen Verhältnisse ungünstig sind. Unterdessen wandert Zeremonien- und Dämonenmeisterin Aloisia Schinkenmaier in einem Parcours de force von Tisch zu Tisch, versucht zwischen den Teufeln und ihren Tischen zu vermitteln und wird doch mehr von dem Raum beherrscht, als es ihr lieb sein kann.
Wie tief Barbara Kraus in ihre Figuren schlüpft und wie viel Spontaneität in ihren Performances steckt, wird klar, als am Premierenabend plötzlich ein böser Zwerg von Aloisia Besitz ergreift. Dazu genügt eine Skimütze, und aus der patenten Aloisia wird eine fauchende Bestie, die von Tisch zu Tisch springt und die Teufel und zur Unterwerfung zwingen will, woraus ein tierischer Wettkampf entsteht. Den Abschluss findet das Höllencasting in einer Dompteurnummer. Dabei müssen sich die besten und bösesten Teufelsgehilfen von jedem Tisch miteinander messen. Happy End und Gewinner wird es trotzdem nicht geben - schließlich befindet man sich ja in der Hölle.
(11.11.2009)
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