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ZUR
CHOREOGRAPHIE DES ARCHITEKTONISCHEN RAUMS
Von Isa
Wortelkamp
Unter
meinen nassen Füßen warmer Stein. Schritt für Schritt hinterlasse ich meine
Spuren auf dem Boden, auf dem bereits die Fußabdrücke anderer Badender, die vor
mir diesen Raum betreten haben, die Richtung weisen. Eine breitstufige flache
Treppe führt nach unten zu den Wasserbecken. Hier nimmt die Nässe unter den
Füßen zu. Ganze Pfade von Fußspuren ziehen sich über den Boden, von denen
einzelne Wege abzweigen, sich verlaufen, im Nichts enden. Mein Körper gleitet
in das Wasser, das sich blau von den grauen Wänden des Beckens abhebt. Mauern
aus steinernen Schichten, die sich bis in die Höhe ziehen. Von oben fällt
Sonnenlicht ein. Und doch ist es hier dunkel. Ein Raum im Innern, der sich im
Anblick von Himmel und Wolken vom Außen ab- und eingegrenzt zeigt. Durch kleine
quadratische Fensterausschnitte in den Mauern des Gebäudes wird der Blick in
die Landschaft frei. In Stein gefasste Bilder vom Steilhang, von den Dächern
des Dorfes, von himmelhohen Bergen.
Wege durch die Therme
Die Therme
Vals von Peter Zumthor ist in einen Hang eingelassen. In 1250 Metern Höhe
erstreckt sich der Baukörper in seiner Längsrichtung parallel zu den Hanglinien
des Valser Tales. Solitär und Singulär ziehen sich die grauen Flächen des
Quaders in die Flanke des Berges. Ein Bergbau. Ein Steinbruch. Der Stein, aus
dem diese Architektur gebaut ist, ist dem Valser Tal entnommen und zählt zu den
Gneisen, den Metamorphiten. Das sind Gesteine, die durch Veränderung der
Temperatur und des Druckes entstanden sind. Die Geologen nennen ihn aufgrund
seiner besonderen Struktur auch Augengneis.[i]
Sichtbar
wird eine feine Faserung und Musterung der Graustufen des Gesteins. Die
einzelnen Platten schichten sich zu Wänden, die dem Gebäude außen und innen
seine Struktur geben. Das Mauerwerk spiegelt sich auf der Fläche des Wassers,
dessen Grenze sich in den Fugen wiederkehrt. Im Blick durch das Wasser
erscheint der Stein bewegt; das Wasser durch den Stein wie (an)gehalten. In den
Schichtungen und Straffuhren des Gesteins können sich die Blicke verlieren,
während der Körper vom Wasser umfasst wird, sich in und auf seine Tiefe und
Wärme einlässt. Im Schweben an der Wasseroberfläche kehren sich die Dinge um,
verkehren sich oben und unten, beginnt sich das Wasser im Himmel zu spiegeln.
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Foto von Hélène Binet, London (Herbst
2005/Sommer 2006), in: Peter Zumthor (Hg.):
Therme Vals, Zürich: Scheidegger und Spiess Verlag 2007.
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Die
Architektur der Therme Vals vermag die Bewegungen des Körpers ebenso in Gang zu
setzen, wie sie still zu stellen. Dieser Ort braucht Zeit. Zeit zu gehen, zu
stehen, zu liegen, zu schwimmen., zu schauen. Zwischen diesen Zeiten liegen
Übergänge von einem Ort zum anderen, von einer Handlung und Haltung zur anderen.
Der Gehende folgt den Wegen und Umwegen entlang dem Verlauf von Wänden, Treppen
und Geländern, wechselt Ebenen, gleitet ins und entsteigt dem Wasser, kehrt von
innen nach außen, von der Kälte in die Wärme, blickt in Tiefen und über Flächen – Übergänge, an dessen Grenzen sich der Besucher bewegt oder bewegt wird. Es
ist, als folge er auch seinen eigenen Spuren, die bereits in diesem Gebäude
eingelassen sind, in ihm enthalten sind. Blindlings und barfuß. Sichtbar werden
sie erst im Vollzug und im Nachvollzug der im Stillen und Verborgenen
angelegten Wege und Bewegungen, von denen das Gebäude scheinbar vor dem
Gehenden weiß.
Choreographie der Architektur
Erst mit
der Bewegung in und durch die Architektur werden ihre verschiedenen Räume
wahrnehmbar, erst durch das Gehen werden sie zugänglich, werden auch Um- und Abwege möglich. Dabei gestalten die
Bewegungen den Raum ebenso wie sie von ihm gestaltet werden. Die Gestaltungen
jener Räume setzen Bewegungen unseres Körpers frei und fort, be- und entgrenzen
sie, verlangsamen oder beschleunigen sie, halten sie an, kehren sie um – schreiben sie (vor). In diesem Sinne
ließe sich Architektur als Choreographie
lesen – und zwar zunächst als eine Bewegungsschrift,
die den Körpern Wege und Bewegungen nahe legt, sie vor-schreibt ohne sie festzuschreiben.
Gleichzeitig zeigt sich in dieser Erfahrung von Bewegung in und durch den
architektonischen Raum ein weiteres Potential
von Choreographie, das über ein Verständnis von Choreographie als Schrift
hinausgeht – ihr performatives Potential,
das sich allererst in der Aktualisierung und Transformation einer
zugrundeliegenden Matrix offenbart. Ich möchte diese Übertragung als ein Schreiben von Bewegung denken, als ein
Verfahren, das erst in seinem Vollzug sicht- und lesbar wird.
Diese
miteinander verbundenen Seiten von Schrift in Schreiben prägen jene Vorstellung
von Choreographie, die mir hier zur
Beschreibung der Erfahrung von Bewegung durch den architektonischen Raum
wesentlich erscheint. Bereits in der etymologischen Bedeutung von Choreographie
ist graphein an choros, den Raum des
Tanzes, gebunden.
χορóς, d. 1. ep. Reigen=, Tanz-platz
(=…). – 2. Reigen=, Chor-tanz, Tanz meist bei feierlichen Gelegenheiten zu
Ehren der Götter ausgeführt, bsd. Zur Dionysosfeier (um den Altar: …). …
Reigentanz aufführen. Meist war der Tanz mit Gesang verbunden, daher auch:
Chor-gesang, -lied, meton. tanzende und singende Schar, Chor der Tänzer und
Sänger (bsd. im Drama). […] Übh. (geordnete) Schar, Hause, Menge, Abteilung,
Trupp, Reihe, Kreis. E. wohl zu √ gher
(vgl. χορτóς) = was etwas faßt, in sich
schließt: […].[ii]
Platz, Altar und
Kreis beschreiben jene Räume, in denen die Bewegung in Erscheinung tritt und
zugleich die Zeit des Verschwindens einsetzt. Träger des Tanzes ist die
Bewegung des Körpers, die im Raum ihres Ereignisses keine Spuren hinterlässt,
ihn mit jedem Augenblick ihres Erscheinens immer auch wieder verlässt. An
dieser (Leer-)Stelle verbindet sich choros,
der Tanz und mit ihm der Raum „seiner" Bewegung, mit dem Graphein als Verfahren des Schreibens und der Verschriftung.
γραϕω
I. Akt. 1. ritzen, einritzen, eingraben […] zerschneiden. ¾ 2. in Wachs, Holz, Stein, Metall usw. Zeichen einritzen. Insb.: a)
zeichnen, malen […]; bsd. (mathem.)
etw. beschreiben = konstruieren. b) schreiben […]; insb.: a) etw. auf-, nieder-schreiben, schriftlich
aufzeichnen, (in ein Verzeichnis) eintragen, etw. verfassen; auch
beschreiben, schriftlich darstellen. νóμον
ein Gesetz schriftlich abfassen od. geben, einführen […] b) j-m etw. schriftlich melden […], brieflich mitteilen, auftragen,
vorschreiben, schriftlich festsetzen od. anordnen; insb. j-n schriftlich zu
etw. bestimmen od. als etw. bezeichnen […] g) etw. schriftlich beantragen, […] abs. einen Antrag stellen […] c) etw. beschreiben
= mit einer Inschrift versehen […] E. √ gerph einritzen, ahd. kerfan = nhd. kerben; lett. grebju,
a/e. ceorfan, engl. to carve schnitzen: […].[iii]
Dabei wird im
griechischen graphein das Schreiben
und seine vielleicht ursprünglichste Bedeutungen von Ritzen, Einritzen und
Eingraben lesbar. Und damit die Eigenschaft der zeitlichen und räumlichen Ein-
und Festschreibung von Schriftzeichen in einen Stoff und damit in Zeit und
Raum.
Choreographie – eine historische Skizze
Es ist
diese Bedeutung von graphein, die den
Begriff Choreographie in der Geschichte des Tanzes wesentlich geprägt hat.[iv]
So bleibt in der begrifflichen Verwendung bis ins 19. Jahrhundert die
fixierende und materialisierende Dimension von Schreiben im Sinne der
Inskription vorherrschend: Choreographie wird, einem heutigen Verständnis von
Notation entsprechend, mit Tanzschrift gleichgesetzt. Erstmals gegen 1588 von
Thoinot Arbeau in seinem
Tanzlehrbuch Orchésographie[v]
thematisiert, bezieht sich die choreographische Tätigkeit auf die Notierung von
kodifizierten Tanzschritten und -figuren mit Hilfe von Wortkürzeln. Auch Raoul
Auger Feuillet nennt im späten 17. Jahrhundert die systematische Tanznotation
der Schule von Charles-Louis Beauchamp, Tanzmeister am Hofe Ludwigs XIV, Chorégraphie[vi].
Im 19. und einsetzenden 20. Jahrhundert tritt der schriftliche Aspekt der
Choreographie zurück, da die Notation des Tanzes nicht mehr für zwingend
notwendig erachtet wird. Mitte des 20. Jahrhunderts entstehen Anleitungen zum
choreographischen Handwerk, die den Begriff um die Erfindung von Bewegung und
ihre Verteilung und Anordnung im Raum erweitern. Heute wird Choreographie
gemeinhin im Sinne der Komposition und Produktion von Tanzstücken verwendet,
die sich in der Aufführung aktualisiert und realisiert, während der Begriff der
Tanznotation die Systematisierung und Fixierung von Bewegungsabläufen
bezeichnet. Diese Begriffsverwendung steht im Kontext der Veränderungen der
choreographischen Verfahren innerhalb des Tanzes selbst.
Zur dritten Seite der Medaille
Den etymologischen
und historiographischen Dimensionen von Choreographie
folgend, wird auf der einen Seite eine Bewegungsschrift
im Sinne einer Notation und Partitur sichtbar und auf der anderen ein Schreiben von Bewegung im Sinne eines
prozessualen und performativen Aktes. Beide Seiten sind verbunden durch choros, in dem die Bewegung in
Erscheinung tritt, indem sie Raum einnimmt, ihn er- und anfüllt. In diesem Raum
zwischen Schrift und Schreiben möchte ich mit Michel de Certeau die Tätigkeit
der Lektüre hervorheben, die sich
nicht nur in Räumen des Textes, sondern auch in jenen von Architektur, Stadt oder Landschaft ereignet. Jener
Zwischen-Raum wäre vergleichbar mit der dritten Seite einer Medaille, ihrer
Kante, auf der die Dinge in Bewegung geraten – die Lektüre einsetzt. Es ist
jene Lektüre, die ich mit de Certeau als eine tätige verstehen möchte: als
einen prozessualen Akt und eine produktive Aktion.
Entgegen
einem durch die Tradition der Schriftkultur bedingten Konzept von Lesen als
einer passiven und rein rezeptiven Tätigkeit, hebt de Certeau in Die Kunst des Handelns die Lektüre in
ihrer Tätigkeit, als eine „dem ‚Leser' eigene Produktion"[vii]
hervor. Der Begriff Lektüre leitet
sich von lectio her, der Auswahl und
Auslese, die in der aktiven und produktiven Selektion den Status von Schrift
als fixierendes System unterläuft. Dabei wird bei de Certeau die Bewegung des
Lesens der Bewegung des Gehens gleichgesetzt, indem er beide Bewegungen als
Handlung und Umgang mit einem vorgegebenen Ort begreift. Dabei unterscheidet de
Certeau den Ort vom Raum, der erst durch die Bewegung entsteht. „Insgesamt ist der Raum ein Ort, mit dem man etwas
macht. So wird zum Beispiel die Straße, die der Urbanismus geometrisch
festlegt, durch die Gehenden in einen Raum verwandelt. Ebenso ist die Lektüre
ein Raum, der durch den praktischen Umgang mit einem Ort entsteht, den ein
Zeichensystem – etwas Geschriebenes – bildet."[viii]
Indem der
Gehende die Möglichkeiten der räumlichen Ordnung eines Ortes aktualisiert,
schafft er den Raum, den er zugleich verändert, indem er immer wieder neu auf
ihn eingeht, andere Wege geht. Der Ort, den de Certeau als Ordnung und als
„Hinweis auf eine mögliche Stabilität"[ix]
begreift, wird durch die Bewegungen des Gehenden wie des Lesenden unterlaufen:
„Die Spiele der Schritte sind Gestaltungen von Räumen […] Sie können nicht
lokalisiert werden, denn sie schaffen Raum."[x]
„Die Spiele der Schritte" vollziehen eine Lektüre, die sich im Raum ereignet
und die diesen in ihrem Sich-Ereignen allererst hervorbringt.
Körperliche und bewegte Lektüre
Im
architektonischen Raum aktualisiert und produziert die Lektüre des Gehenden
Wege und Bewegungen, die in diesem Raum angelegt sind. Dabei setzen die „Spiele
der Schritte" jene Choreographie nicht auf
direktem Wege in Bewegung um, übersetzen sie nicht, schreiben ihre Schrift
nicht nach oder ab, sondern werden selbst zwischen
Schrift und Schreiben als Ereignis der Lektüre wahrnehmbar. Die Lektüre jener
Choreographie bringt mit ihren Bewegungen durch den Raum auch Zeit in ihn. Sie
vergeht und geht vorüber, verändert und vergisst. Indem die Lektüre die in
einer Architektur enthaltene und eingetragene Schrift realisiert und
aktualisiert, legt sie zugleich jene zeitlichen Dimensionen von Choreographie
offen, die diese als ein (a)topographisches Phänomen (un)sichtbar macht. Die
Aktualisierung und Transformation der Lektüre einer Schrift in ein Schreiben
von Bewegung vollzieht sich immer in der Übertragung und im Nachtrag. Indem sie
sich in und durch die Bewegung zeigt und zeitigt, ist sie immer anders wo.
So kann
der Raum einer Architektur weder als Choreographie
im Sinne einer fest- und vorgeschriebenen Tanznotation gelesen werden, die in
mehr oder minder eindeutigen Handlungs- und Haltungsanweisungen Bewegungen des
Körpers vorgäbe, noch entwickeln sich jene Bewegungen von dieser unabhängig.
Vielmehr entstehen die Spiele der Schritte im Zwischenraum von Schrift und
Schreiben – durch eine Lektüre, die selbst choreographisch
verfährt. Und zwar indem sie Bewegungen sucht und er-findet, sie ent- und
verwirft, ihre in den Räumen vor- und angelegte Schrift liest und im Sinne von lectio ausliest und (sich) verliest.
Umwege in der Therme Vals
„In diese Linien und Zwischenräume konnte
ich meinen Körper einfügen. Aber während des Arbeitens an einer dieser Wände
habe ich plötzlich diese kleinen, fast verspielten Zeichnungen, die Maserungen
im Stein entdeckt." [xi]
Vor die
Schichtungen von Stein tritt eine Tänzerin. Zur Mauer gewandt, erfasst sie ihre
Fläche in der Spannweite ihres Körpers. Die Haltung auflösend, kehrt sie der
Wand den Rücken, tut einen Schritt und steht: auf einem Bein, den Kopf zu Boden
und das Spielbein in die Höhe weisend. Von Schulter bis zum Fuß zieht der
Körper eine Diagonale quer über die Schichtungen des Steins. Flächig und weit
nimmt sich die Tänzerin ihren Raum. Schafft Raum. Zwischen ihren Gliedmaßen und
dem Verlauf des Mauerwerks. Ein nach oben weisender Arm durchschneidet die
Liniatur der Fugen. Unter den Fingern der Hand verlaufen die feinen Faserungen
und Maserungen des Steins. Ein Tasten. Ein Spreizen. Ein Strecken. Bis der
Körper die Spannung aufgibt, entlang der Fläche der Schwerkraft nachgibt. Der
Blick geht in den Raum: kopfüber.
Der mit
dem Rücken zur Wand gekehrte Körper erweckt das Bild einer Liegenden – die Wand
wird zum Boden, der Boden durch den abwärts gerichteten Kopf zur Decke. Im Gegenüber wird der Stand des
Betrachters und Begehers des Gebäudes ungewiss und in dieser Ungewissheit
bewusst. Die Füße auf dem Boden. Der Kopf in der Höhe. Es geht auch anders.
„Umwege"
der Schweizer Choreographin und Tänzerin Anna Huber und dem Schweizer
Klangkomponisten Fritz Hauser, uraufgeführt am 1. August 2002 in der Therme
Vals, führen vor Augen oder besser, halten offen, was ihr Titel „verspricht":
Umwege und damit die Möglichkeit vom Weg abzukommen, andere und eigene Wege zu
gehen.
In der
Therme Vals findet die erste Aufführung der Reihe Umwege von Anna Huber statt, und setzt sich in den folgenden Jahren
an Orten wie dem U-Bahnhof Potsdamer Platz und der der Akademie der Künste
(Berlin 2002), der Maison des Arts (Créteil 2003), dem Kultur- und
Kongresszentrum Luzern (Luzern 2003), dem ehemaligen Feuerwehrhaus der Vitra
GmbH (Weil/Rhein 2003), dem Kunstmuseum (Stuttgart 2006), dem Parchi di Nervi
(Genova 2007) fort. Dabei entwickelt
sich der Tanz von Anna Huber gemeinsam mit der Klangkomposition Fritz Hausers
vor Ort und greift seine jeweiligen Strukturen, Elemente und Rhythmen auf und
bearbeitet sie. Oder, dem Gedanken dieses Ansatzes folgend: Die in die
Architektur eingetragene und in ihr enthaltene Choreographie wird durch die
körperliche und bewegte Lektüre aktualisiert und transformiert – die Schrift in
ein Schreiben von Bewegung übertragen.
Durch die
Umkehrung und Umwendung gängiger Wege und Muster, durch die Neu- und
Umfunktionalisierung von Alltagsräumen verweist der Tanz von Anna Huber auf ein
Potential von architektonischen Räumen, das ich als ihr choreographisches Potential verstehe. Tanz, der jenes Potential zum
Motor seiner Bewegung werden lässt, vermag zu einer Sensibilisierung der Sinne
beizutragen: jener kinetischen Sinne,
durch die ein Raum als Möglichkeitsraum von Bewegung wahrnehmbar wird.
Fußnoten:
[i] Vgl. Peter Zumthor (Hg): Therme Vals.
Zürich: Scheidegger und Spiess Verlag 2007, S. 28.
[ii] Menge-Güthling: Griechisches
Wörterbuch. Berlin-Schöneberg: Langenscheidtsche Buchdruckerei 1913.
[iii] Ebd.
[iv] Vgl. Claudia Jeschke, Tanz als BewegungsText, in: Dies. und Hans-Peter
Bayerdörfer (Hg.): Bewegung im Blick.
Berlin: Vorwerk 8 2000.
[v] Thoinot Arbeau: Orchésographie. Réimpression précédée d`une
notice sur les danses du XVIe siècle par Laure Fonta. Paris: E. Bouillon et
E. Vieweg 1888.
[vi] Raoul Auger Feuillet: Chorégraphie ou l'art de décrire la danse
par caractères, figures et signes démonstratifs. Hildesheim / New York:
Olms 1979.
[vii] Michel de Certeau: Kunst des
Handelns. Berlin; Merve 1988, S. 307.
[viii] Ebd., S. 218.
[ix] Ebd.
[x] Ebd., S.
188.
[xi] Anna Huber im Interview „Raum nehmen | Raum geben – ein Gespräch zwischen Anna Huber und Isa
Wortelkamp über das Projekt umwege",
in: Transversale, München 2009 (im
Erscheinen).
(15.03.2009)
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