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Eisbär auf der Suche

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ELEANOR BAUER ZEIGTE
"(BIG GIRLS DO BIG THINGS)" BEI IMPULSTANZ 2010

Von Sabina Holzer



Ich möchte ein Eisbär sein im kalten Polar,
da müsste ich nicht mehr schreien, alles wär' so klar.

Grauzone

Die junge, aus den USA stammende und in Brüssel arbeitende Choreografin Eleanor Bauer schlüpft in ein sehr grosses Eisbärenkostüm, in dem sie sich selbst herumbewegen kann, so gross ist es. In kürzester Zeit verwandelt sie sich in einen süssen Eisbären, der die Welt entdeckt (in diesem Fall den Bühnenraum). Aus diesem Kostüm schlüpft sie heraus, mit tiefer, verfremdeter Stimme, weil sie „Etwas über sich erzählen will“, wie sie sagt. Und übt beziehungsweise zitiert im Auf- und Abgehen unterschiedliche Typkategorien: Catwalk, Hip Hop-Gesten, Voguing blitzen auf. Das Eisbärenkostüm wird in verschiedenen Arten um den Körper drapiert.

Die bärige Tänzerin singt ein Lied. Sie hat eine beeindruckende Stimme. Es ist ein kurzer Song über eine enttäuschte Liebe. Sie wiederholt ihn und steigt langsam auf eine Leiter. Mit jeder Sprosse singt sie das Lied in höherer Stimmlage, bis ihre Stimme, als die letzte Sprosse erreicht ist, kippt und verzerrt ist und auch die Tänzerin sich selbst verzerren muss, um ihrer Aufgabe gerecht zu werden.

Sterbender Schwan

Dort, hoch oben dann, stellt sie fest, wie alleine sie ist, „It’s lonly at the top“, und deklamiert eine lange Liste der Suche nach dem bestimmten Etwas in ihrem Leben. Zum Beispiel ist sie auf die Uni gegangen, hat Barack Obama unterstützt, Drogen genommen, Männer und Frauen geliebt – „but nothing happened“. Sie stürzt sich wie eine Trapezkünstlerin von der Leiter, um dann eine Variation des sterbenden Schwans zu tanzen und in einem kurzen Martha-Graham-Zitat hinter dem Bühnenvorhang zu verschwinden.

Eleanor Bauer ist eine starke Performerin und nützt bekannt Bilder auf ihre ganz eigene Weise. Sie streift ein beachtliches Register an divenhaften Frauenfiguren, deren Schablonen sie zuweilen mit einem – ebenfalls divenhaften – Habitus der Unwirschheit bricht. Das ist sympathisch und witzig. Sie performt eine praktische Funktionalität, durch die sich imaginäre, populäre Räume eröffnen. Damit dies an Substanz gewinnt und nicht im Narrativ der Bilder stecken bleibt (selbst wenn das schlussendlich eine ästhetische Entscheidung ist), könnte es um Einiges weiter getrieben werden.


Bonustrack: Dresden Dolls „Eisbär“ Live in Hamburg




(17.8.2010)