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DIE ERÖFFNUNG VON IMAGETANZ 09 MIT EWA BANKOWSKA UND VALYA
Von Judith Helmer
„Performance must go ->" durch die Mittel der Darstellung und abseits der durch Zeit und
Raum limitierten Darstellung, fordern Andrea Maurer und Thomas Brandstätter / studio 5 mit dem Titel
ihres Parcours. So verspricht es auch das Programm des Wiener Festivals imagetanz 09, in
dem diese Performance zu sehen sein wird. Einen Bericht
über imagetanz mit einem Blick in die Zukunft zu beginnen, kann nicht falsch
sein. Ist doch der Blick nach vorn mit der Förderung der jungen
choreografischen Szene seit einigen Jahren Programm. Präsentationsorte des von Bettina Kogler programmierte Festivals, das nun sein 20. Jubiläum feiert und neben Tanzquartier und ImPulsTanz einen wichtigen Baustein der Wiener Tanzszene darstellt, sind die beiden brut-Theater.
Tanzen zu Liedern
„Dance must go on" hätte die Forderung des Eröffnungsabends
im gesteckt vollen brut Konzerthaus sein können. Denn Ewa Bankowaska /
Densegroup hat mit ihrem charmanten Tanzstück „dancing to songs“ eine kleine
Liebeserklärung an das vermeintlich altmodische oder private Tanzen zu Liedern geschaffen.
Gemeinsam mit Tanja Boppart, Radek Hewelt, Amanda Piña und Dominique Richards
switcht sie durch das Universum an Möglichkeiten, die diese vermeintlich
einfache Grundanordnung birgt. Die Musikstile sind dabei bunt gemischt: von
Countrygitarre bis Countertenor, von Hardrock bis Hymne und als Zugabe noch der
Popknüller „Listen to your heart“ von Roxette. Der Tanz sucht sich immer neue
Verhältnisse zur Musik von wortgetreuer Interpretation und pantomimischer
Aufladung mit neuem Inhalt bis zu minimalistischem Augenrollen oder einem Solo
für das Hinterteil.
Wie Musik sich innerhalb ihrer Genregrenzen oft erwartbar im
Aufbau präsentiert, hält sich auch Bankowska in der Struktur an die
dramaturgische Form der Parade. Beginnend mit Solos wächst das Stück über
Duette und ein Trio bis zum großen Finale mit allen fünf Tänzern. Das gibt Raum für individuelle, witzige, intensive und augenzwickernde Song-Interpretationen.
Mal bereichert der Tanz die Musik, dann wieder wirkt die Musik unterstützend
auf den Ausdruck des Tanzes. Ohne eine Entwicklung linear nachzuvollziehen wird
doch die lange Beziehungshistorie zwischen den beiden Kunstformen praktisch
aufgerollt. Verankert ist die Bewegungssprache und Ästhetik aber deutlich im
Zeitgenössischen - also kein Musical der Popgeschichte wie Jérôme Bels „The
Show Must Go On!“, denn hier werden nicht bekannte Körperbilder erinnert und als
gemeinschaftsstiftende Identifikationsmodelle angeboten, sondern widerständige,
überraschende und gegenläufige Gesten zur Musik gefunden.
Die Röhre dreht auf
Valya nennt sich die Zwei-Personen-Band von Magda Chowaniec
und Oleg Soulimenko, mit der die beiden Musiker formerly known as Performer und
Choreografen wüste Konzerteinlagen liefern. So auch am image-Eröffnungsabend
(mit Gastgitarrist auf eine Dreierformation aufgestockt). Musik von Valya fühle
sich an wie „Ohrlöcherstechen ohne Erlaubnis“, meinen die Musiker selbst. Dabei spielen
sie guten, urtümlichen Rock mit schroffen Gitarrenklängen (Soulimenko) und wilden
Vocals (Chowaniec), der an Zeiten erinnert, als Ekstasen noch greifbarer und Musik
noch nicht hauptsächlich Business war. Gefühlvoll die Ballade, in der Chowaniec auf Polnisch singt, was sie mit
16 Jahren ihrer damaligen großen Liebe in einem Gedicht schrieb. „He didn't give
a shit. But, you know, time passes by, he lives in London. Now, I‘m fine“, beruhigt
sie ihr Publikum und singt dann herzerwärmend melancholisch ihr polnisches Teenie-Poem.
Sonst krachen die Gitarren in einem härteren Sound und die Rockröhre dreht auf.
(05.03.09)
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