CPA09: Ein Fazit

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DIE ÖSTERREICHISCHE PLATTFORM "ERSTMALS IN ENTSPRECHENDER GRÖSSENORDNUNG"

Von Judith Helmer


Es war schon ein großer Schritt, den die Choreographic Platform Austria von ihrer vergangenen Ausgabe im Jahr 2006 in Linz zu der diesjährigen in Graz gemacht hat. Das Budget ist deutlich erhöht worden, und auch das Interesse beim Fachpublikum ist merklich gewachsen: 149 Vertreter von Veranstaltern aus 22 Ländern reisten in die steirische Landeshauptstadt und ließen sich auf das straffe Programm von 15 Stücken an drei Tagen ein. Organisiert und durchgeführt hat die Plattform der steirische herbst, der erstmals an der kooperativen Struktur teilnahm.

Vor zwei Jahren war die „Arbeitsgemeinschaft Tanz und Performance“ als Netzwerk jener wichtigen österreichischen Tanz- und Performanceinstitutionen, die gemeinsam die Plattform tragen, gegründet worden. Im Auswahlgremium für 2009 saßen Sigrid Gareis und Martina Hochmuth (Tanzquartier Wien), Veronica Kaup-Hasler und Florian Malzacher (steirischer herbst), Bettina Kogler (imagetanz/brut), Esther Linley (choreographiccentrelinz), Rio Rutzinger und Christa Spatt (ImPulsTanz Wien), Bertie Ambach und Michael Stolhofer (Szene Salzburg) sowie Nicole Haitzinger (corpus).

„Diese Kooperative ist sehr richtig und gut. Eine gewisse Bandbreite ist alleine schon durch die verschiedenen Veranstalter und ihre Blickwinkel gewährleistet“, reflektiert Veronica Kaup-Hasler. Wichtig seien auch die Perspektiven der verschiedenen Bundesländer mit ihren eigenen, teils isolierten Szenen.

Eine bundesweite Pflicht

Kaup-Hasler, die als Intendantin des steirischen herbstes quasi die Gastgeberin in der Helmut-List-Halle war, hatte sich beim Land Steiermark erfolgreich für eine Aufstockung der Subvention der Plattform zusätzlich zu den Mitteln des Bundes stark gemacht und konnte schließlich über ein Budget von 190.000 Euro verfügen - wesentlich mehr als in den Jahren zuvor. „Verglichen aber mit den 480.000 Euro, die das deutsche Pendant für eine Präsentation gleichen Ausmaßes zur Verfügung hat, kein üppiges Budget“, relativiert sie die Zahl. Mancher Wunsch habe offen bleiben müssen. So konnten etwa keinem ausländischen Gast die Reisekosten erstattet werden. „Alle sind auf eigene Rechnung angereist, und es gab Interessierte, die aus Kostengründen auf den Besuch der Plattform verzichtet haben“, erklärt Kaup-Hasler.

Wichtig sei das Verständnis auf Bundesebene für die Bedeutung der Einrichtung: „Ich halte es für eine bundesweite Pflicht, die reichhaltige österreichische Tanz- und Performanceszene, die in den letzten Jahren derart erblüht ist, in ihrem Bemühen, sich auch internationalen Veranstaltern zu präsentieren, entsprechend zu unterstützen. Das sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Und das internationale Interesse an den Arbeiten aus Österreich legitimiert die Budgeterhöhung. Die Plattform konnte heuer erstmals in entsprechender Größenordnung durchgeführt werden.“ Dabei musste man sich auch heuer nach der Decke strecken. Sechs der vorgestellten 15 Arbeiten waren Solos und zum Teil mit einfachsten technischen Mitteln realisiert. Kaup-Hasler gibt zu bedenken, dass „Ästhetik und finanzielle Möglichkeiten teilweise in einem engen Zusammenhang stehen. Manches Gruppenstück oder Arbeiten, die technisch oder räumlich aufwendiger sind, konnten wir einfach nicht einladen.“ Auch solche Aspekte sind also mitzudenken, wenn man die Kuratierung betrachtet.

Take Away und Talk About

Zwei große Neuerungen brachte die Plattform in Graz: erstmals bemühten sich die Veranstalter um eine Sammlung von DVDs mit rezenten Arbeiten. Über 200 DVDs wurden von Künstlern eingeschickt und waren als  „DVtake des österreichischen Tanzes“ während der Plattform verfügbar. Auf vier Bildschirmen konnten die Besucher in die Aufnahmen hineinschauen und sich bei Interesse die DVD kopieren lassen. Wohlgemerkt, es wurde hier keine Auswahl getroffen, vielmehr war die gesamte Sparte eingeladen, ihre künstlerischen Positionen beizutragen. Dieses einzigartige Archiv wird auch nach der Plattform in zwei Ausfertigungen verfügbar bleiben: eine in Graz bei der sich dort in Planung befindenden Tanzebene, eine weitere im Tanzquartier Wien. Gedacht ist auch daran, diesen Grundstock jeweils anläßlich der kommenden Plattformen zu ergänzen. Da dieses Service überaus dankbar angenommen wurde und mehr als 150 Bestellungen für Kopien eingingen, spricht einiges dafür, ein ähnliches Angebot 2011 zu wiederholen.

Dass sich die CPA nicht nur als Leistungsschau für das Fachpublikum versteht, sondern auch an „normale“ Zuschauer wendet, wurde im Vermittlungsansatz deutlich. Bereits im Vorfeld lud man zu einem Crashkurs in Zeitgenossenschaft unter dem Titel: „Warum ist das Tanz?“ Die Künstler Frans Poelstra und Robert Steijn, Anne Juren und der Tanzkritiker Helmut Ploebst sowie das Künstler-Dramaturgenduo Daniel Aschwanden und Peter Stamer sprachen „so leichtfüßig wie profund“ (Kaup-Hasler) über die Entwicklung ihrer Sparte. Die Vorträge bei freiem Eintritt waren ebenso gut besucht wie die Workshops für Künstler mit Philippe Riéra von Superamas und Anne Juren. Das Zugehen auf das Publikum in der Stadt hat sich gelohnt: alle Vorstellungen fanden bei ausverkauftem Haus statt.

2011 soll die nächste Choreographic Platform Austria in Wien stattfinden. Man kann dem Projekt nur wünschen, dass seine Bedeutung als konzentrierter Treffpunkt, als Möglichkeit zum Austausch und zum Kontakt mit internationalen Veranstaltern in den entscheidenden Stellen wahrgenommen wird. Der Nutzen für die Szene ist enorm.


(15.02.2009)