Dance (Inside Paper):Session4

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ABC
Der Tanz ahmt das noch unentschiedene Denken nach. (Alain Badiou, Kleines Handbuch zur Inästhetik)

Composed by Captain Carey in collaboration with the media.

B: Es gibt eine Geschichte der Körper. Eine Geschichte der Energie. Der Erschöpfung.
Ich kann immer über den Körper sprechen. Über Emotion. Über Fleisch. Das ist sehr konkret für mich, auch wenn es für die anderen abstrakt ist. Ich liebe diesen Satz: Wir spüren, wie unser Blut kocht. Schlussendlich, was gibt es Konkreteres, als zu spüren, dass das Blut kocht? Dieser Satz ist dem Leben nahe. Unendlich nahe. Für mich ist in diesem einen Satz ein Universum bereits. Das ist wie eine Bewegung. Ein Zusammentreffen. Es gibt ein Verlangen. Es gibt ein Begehren. Es gibt keine Person. Ich brauche eigentlich keine Geschichte. Es soll Tanz sein. Eine Bewegung, in der die Fantasie hineinreicht. Es geht sehr stark um Empfindung. Eine Frage, die ich mir oft stelle, ist, verbotene Bewegungen in Stücke einzubauen. Bewegungen, die man als zeitgenössischer Künstler nicht machen darf, weil sie veraltet sind. Oder verbrauchte Bewegungen. Und das ist vielleicht etwas Geschichtsloses, dass ich Bewegungen immer wieder heranhole und plötzlich diese klischierte Bewegung in meine Bewegungssprache einbaue. Das ist das Geschichtslose. Es hat keine Zeit. Und außerdem will ich einen Schock herbeiführen. Eine Irritation. Du kannst etwas, das aus einem Guss ist, sehr schön betrachten. Diesen Guss möchte ich zerstören. Er muss aus unzähligen Güssen bestehen. Man spricht nicht über eine Bewegung – über einen Stil. Man spricht über den Körper – den Tanz. Tanz besteht aus vielen Nuancen. Er besteht aus Gehen und auch aus Drehen. Fallen und Heben. Tanz ist das verbotene Haus. Du darfst nicht hineingehen und schleichst herum und denkst dir Wege aus, wie. Du traust dich nicht, spielst aber total mit dem Gedanken, hinein zu gehen. Die anderen gehen hinein. Ich gehe nicht. Ich animiere die anderen zu gehen. Diese lange Vorbereitung, bis sich die Körper trauen, in gewisse Formen zu gehen. So lange zu improvisieren, bis die Formen entstehen, die du im Kopf hast. Du musst Umwege nehmen, bis du Körper zum Tanzen bringst. Es gibt so viele Ideen über Tanz. So viele Vorstellungen. Ich suche einen Tanz, der uns alle vereint. Wo man Formen vergisst. Bewusst machen und bewusstlos tanzen. In eine Bewegung hineingehen. Das ist überhaupt nichts Selbstverständliches. Wie das verbotene Haus.
Ich liebe es, bei anderen verbotene Bewegungen zu sehen. Ich liebe dieses Material. Ich liebe auch das Wort Material. Ich liebe diese Spannung, etwas neu lesen zu können.

pftanz

A: Ist die Behauptung des Tanzes die Geschichtslosigkeit?

C: Nein. Das glaube ich überhaupt nicht. Man erzählt immer eine Geschichte. Es gibt auf dieser Welt nichts ohne Geschichte. Sogar wenn es abstrakt ist, dann ist es eben die abstrakte Geschichte. Es gibt wohl etwas, das mir nichts erzählt, aber das hat mehr damit zu tun, dass es nicht kommuniziert.

A: Welche Geschichte erzählen die tanzenden Flammen eines Lagerfeuers?

C: Mir fällt sofort Country & Western ein. Ich beziehe das Lagerfeuer auf Cowboy oder auf die Christbaumjagd. Wir haben bei uns am Platz Feuer gemacht mit gestohlenen Christbäumen. Es gibt bei mir schnell Assoziationen. Oder auch Emotionen. Der Körper macht etwas. Wenn ich zurück schaue auf meinen Anfang, dann gab es einige Momente, die wie abstrakter Tanz aussahen, für mich jedoch gab es immer eine Geschichte. Ich habe damals z.B. einen Tanz in einem Studio gemacht mit Einkaufsmusik und einem imaginären Einkaufswagen. Ich war beschäftigt mit der Geschichte und meinen physischen Bedingungen – den Muskeln. Jetzt hier in diesem Turnsaal mache ich diese Bewegungen, diese Clichés des Modern Dance und des Postmodern Dance. Ich mache sie seriös, aber ich habe gleichzeitig Gedanken darüber, was ich in der Schule gelernt habe. Also auch eine Geschichte.