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ZOE KNIGHTS’ "DREAMING IN HAIKU_PART 1" BEIM SALZBURGER FESTIVAL TANZ_HOUSE 06
Von Cornelia Anhaus
„Der alte Teich
ein Frosch springt hinein
vom Wasser ein Geräusch"
(Matsuo Basho)
Haiku ist eine japanische Gedichtform, deren Worte von der Beobachtung der Natur inspiriert wurden. Entstanden im 13. Jahrhundert, ist dieser Versform nach wie vor immanent, dass sie in drei Zeilen der präzisen Anordnung von 5:7:5 Silben folgt. Der erste Eindruck erscheint spielerisch, aber wenn man über diese alten Haikus nachdenkt, spürt man die metaphysische Tiefe, die sie besitzen.
Eine ähnliche Wirkung entfaltete der letzte Vorstellungsabend des „tanz_house festivals 06“ in Salzburg am 22. Oktober mit der Premiere von „Dreaming in Haiku_part 2" der australischen Choreografin Zoe Knights. Wie schon der erste Teil ist auch das Sequel von diesen sinnlichen Augenblicken der Lautmalerei inspiriert. Doch anders als in „part 1“ kommt den Stimmen der drei Tänzerinnen, Mirjam Klebel, Agnieszka Obuchowicz und Zoe Knights, tatsächlich eine tragende Rolle zu, die gleichzeitig auch den Bruch zwischen den beiden Choreografien ausmacht.
Beinahe gleich geblieben sind die ersten 45 Minuten des Stücks, in denen nach dem 5:7:5-Prinzip musikalische Phrasen und choreografische Formen sich fortlaufend in einem zyklischen Muster bewegen. Langsam, beinahe schwebend bewegen sich die drei Darstellerinnen auf dem weißen Tanzboden, dessen Strahlen durch die geschlitzte weiße Videoleinwand im Rücken und den Kontrast der roten Kimono-Kostüme der Tänzerinnen noch verstärkt wird.
Abseits sich aufdrängender Klischeebilder von japanischen Geisha-Filmen in tief verschneiten Landschaften entfaltet sich die meditative Sogwirkung dieses Stücks, die durch eine starke Reduktion im Bewegungsrepertoire unterstrichen wird. Das Lichtdesign, das die Tänzerinnen auf diesem weißen Korridor begleitet wie ein Bewusstseinsstrom, der sich nach und nach im Dunkeln auflöst, und eine plätschernde bis bedrohlich donnernde Tonkulisse verstärken diesen Eindruck noch – zusammen mit schemenhafte Videoprojektionen, in welche die Darstellerinnen als abstrakte Hüllen projiziert werden. Die beeindruckende bildliche Umsetzung von Vergänglichkeit und zugleich einer dauerhaften Einzigartigkeit des Augenblicks ist einer der großen Momente dieser Arbeit.
Dunkel, Stille, plötzliche Geschäftigkeit und Bewegung, das Anpassen der Körper an den neuen und hörbar schnelleren Rhythmus, Tick-Tack bis zum Stillstand. Tanz braucht kein Licht. Ein Siegesschrei gellt durch den Raum, der in Lautmalereien der drei Darstellerinnen übergeht. Das kühne Haiku-Bild soll das Klangerlebnis körperlich und dreidimensional spürbar machen. Was aber nur bedingt funktioniert, da die Stimmen der Tänzerinnen diese Last (noch) nicht zu tragen vermögen. Die Stimmung kippt und kann auch durch den unterstützend hinzu kommenden Beatbox-Act nicht aufgefangen werden.
Zu beliebig und offensichtlich löst sich „Dreaming in Haiku_part 2" wild zuckend in den Bässen der schlagzeugartigen Töne auf. Zurück bleibt zwar das Gefühl, eine großartige Produktion gesehen zu haben, anderseits aber auch der schale Nachgeschmack jenes Schicksals, zu dem fast alle Sequels verdammt sind: Es wird kaum je einen besseren Teil geben können als den ersten, wozu also noch einen drauf setzen?
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