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AB IN DIE KELLER UNSERER VERGANGENHEIT. "OPERATION ORLAC" VON ZOON/THOMAS DESI IN DER EXTERNEN SPIELSTÄTTE DES WIENER BRUT.
Der Grusel-Kriminalist aus den 1970er Jahren besucht eine angewandte Theaterarchäologie.
So, dieses Zimmer stelle ich jetzt als Schallplatte dar. (Hausmeister 23 im Programmheft zur performativen Installation „Immer jagte er Blondinen“ von Aschwanden/Hauser/Juren, 2003)
X-Ray DAVIS ist Spezialagent der Psychoanalytischen Spezialabteilung (PSA). Geleitet wird sie von David McCallum und der Leserin, die ihren Agenten nur als Stimmen bekannt sind. In einem unterirdischen Komplex unter dem Lokal TAVERN ON THE GREEN im New Yorker Central Park befindet sich die Zentrale der PSA. Eine 1970er Version gibt es in den Kellerräumen eines Internats im Waldviertel. Geheime Ein- und Ausgänge um den ganzen Erdball und durch die Zeiten. Neben den Gyptern einer phantastischen Literatur und zahlreichen erfundenen Agenten verfügt die PSA über leistungsstarke Archivlabyrinthe. Ab den 60er Jahren werden im Zauberkreis Verlag insgesamt 213 Groschenromane von Pseudonym Dan Shocker verfasst und der 14-jährige Christoph Schlingensief verfilmt 1974 den Roman DAS TOTENHAUS DER LADY FLORENCE als Amateurfilm.
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11. Oktober 2008. Wien. X-Ray DAVIS im Einsatz. Stumme Lippenbewegungen bilden den gesprochenen Text. Ein Medientransfer. Eine Stummfilmerweckung ins reale Theaterleben. In der BRUTSTÄTTE oder im Kellerlokal BRUTSTÄTTE in der Wiener Zieglergasse findet die OPERATION ORLAC statt. ZOON/Thomas Desi/Theaterarchäologische Rekonstruktion des Stummfilms „Orlacs Hände“ von Robert Wiene. X-Ray DAVIS zückt die Smith & Wesson LESERIN und beginnt mit seiner Lektüre: Schwerer Theaternebel aus 1980er Serapionszeiten steigen dem Agenten vor die Augen. Ein symphatischer Taschenlampenmann gibt Orientierung. Ein Perforationsgerüst ist angerichtet und schickt ihre Lichtzeilen. Keine leichten Zombies hier zwischen den düsteren Kulissen. Die Methode: Schatten der Leinwand werden zur grotesken Darstellung gebracht.
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Der Vortrag: Zu Beginn der Industrialisierung beginnt alles grossartig zu werden und gleichzeitig schief zu gehen. X-Ray DAVIS erinnert sich an einen früheren Fall. 2000: Dort die Dreharbeiten zu NOSFERATU als Spielfilm. John Malkovich als F. W. Murnau, wie er mit einem echten Vampir als Max Schreck, sein Name ist Willem Defoe als Graf Orlock filmt und unter der Regie von Elias Merhige aktuell als SHADOW OF THE VAMPIRE ins Popcornkino kommt. 2008: Hier ein automatisches Klavier als Hauptdarsteller. Umringt oder besser begleitet von stimmengetrieben Besessenen. Die Akteure des Direktors Thomas Desi tanzen mit einem Gespenst: das YAMAHA Disklavier. Dieses hämmert ohne Pianistenhände an der Tastatur auf ihre Saiten und echte Klavierklänge bewegen sich durch die Luft des Operationskellers. (Schnitt) Dank einer feinen Nähe zur eigenen Groschenheftexistenz und der Erinnerung an den Making-of NOSFERATU-Spielfilm ereignet sich vor unserem Spezialagenten eine mediale Ausgrabung mit zärtlich-brut(al)en Phantomschmerzen. Diese reichen in das geträumte Alfred-Jarry-Theater des Antonin Artaud, zum Unsterblichkeitsverbrecher Fantomas Band 3, Le Mort qui tue und in die geniale Kasperlphilosophie des Sci-Fi-Films BLADE RUNNER. Besuch beim Vater-Arzt-Schöpfer. (Schrei) Ein Stummfilmklassiker wird auf Stimme ausgegraben und in die Theatervitrine inszeniert. Aber auch ...
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His Master´s Voice. Stimmenhören. Stimmen. Stimmt. Schatten nach wie vor an der Wand. Der Lichtmann ist mit seinen zwei Taschenlampen tapfer im Kellergewölbe tätig. Nein, liebe Leserin, er steckt in keinem INDIANA JONES-Kostüm. Er stellt nichts dar. Er gehört zu den Verschwindenden. Zu uns. Übrigens, liebe Leserin. Was können wir sehen? Was können wir wiedersehen? Soeben läutet es an der Tür, und der Postbote überreicht der Leserin ein Paket mit Michael Taussigs MIMESIS UND ALTERITÄT (eine eigenwillige Geschichte der Sinne) als eva/wissenschaft, 1997 Hamburg: 8. Kapitel Mimetische Welten, unsichtbare Gegenwelten Wie lebt es sich also in einer Welt, die wir verloren haben, einer mimetischen Welt, in der die Dinge Geisterabbilder besaßen, die Natur unseren Blick erwidern und zu uns durch Träume und Omen sprechen konnte; wo die Natur nicht beherrscht werden musste, sondern verführte, magisch wirkte und magisch beschworen wurde, und wo Menschen - wie Darwins Feuerländer - „geborene Mimen“ waren? Diese rhetorische, gar boshafte Frage scheint bei der Selbstgewissheit, mit der sie gestellt wird, in einem utopischen Begehren nach einer Theorie von ikonenhafter Bedeutung zu greifen, nach einer Theorie, in der die Triebe in sympathetischen Ketten miteinander korrespondieren. Eine solche Frage stellen heisst, einen anderen Wissenskörper zu eröffnen, in anderes, körperliches Wissen überzutreten. (16.10.2008)
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