Die Reize des B-Dance

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blason_27x30_violet ZOË KNIGHTS UND LES SLOVAKS DANCE COLLECTIVE

Von Luce Yfaire


Sie tanzten getrennt und waren einander doch nah. Die fünf Nymphen in Zoë Knights' Stück „Death in the count of 9“ auf ihrem Countdown hin zum Tod und die fünf Faune des Les Slovaks Dance Collective in deren „Opening Night“ als gymnastisches Spiel um sich selbst.

In Knights’ Arbeit steigt, während Tänzerinnen durch die Zeit schlenkern, ein Dunst aus dem Boden. Theaterrauch wird offenbar wieder wichtig in der zeitgenössischen Choreografie, von Alice Chauchats „Crystalll" (2005) bis hin zu Anne Teresa De Keersmaekers „Keeping Still" (2007). Hinter den Tänzerinnen steht eine Säule, an die Scheinwerfer so übereinander montiert sind, daß sie, hintereinander eingeschaltet, den aufsteigenden Dunst in ansteigende Lichtoberflächen teilt.

Nebelsee 

Langsam verschwinden die Nymphen so in diesem stimmungsvollen Nebelsee, ertrinken in ihrem Leben, das ihnen zu Kopf steigt und über denselben wächst, bis sie, mit ihrer Vergangenheit verfließend, von Beethoven-Musik umspült werden, um schließlich in einem schlagartig aufblitzenden Lichttor (ein Stargate im Performancemaßstab) zu verschwinden.

Die Brüsseler Jung-Folkloristen des Slovaks Collective brauchten weder Rauch noch Tor, um zu verschwinden. Fünf sympathische junge Männer, jeder hatte seine Hose mit einem andersfärbigen Klebestreifen bepickt, führten vor, wie leer der Tanz sein kann, wenn die Tanzenden nichts damit anzufangen wissen. Diese Leere ist verführerisch, denn sie verlangt uns nichts ab.

Sie ähnelt jener in der Fernsehwerbung und an deren virtuosen Umgang mit gar nichts, das über mehrere Schritte in etwas ganz Wichtiges transformiert werden muß. Aber auch unter diesem Aspekt wirkt die von charmanten Gags gehaltene Improvisations-Show so hohl, daß sie ihre Darsteller sofort verschlingt. Die Ästhetik der Slovaks ist veraltet, die Musik spekulativ, das Licht ist patschert, und sie wissen sichtlich nicht, was sie auf der Bühne sollen. Also versuchen sie, komisch oder stimmungsvoll zu wirken.

Hohltanz 

Ein wichtiger Beitrag des Festivals – als Negativbeispiel auf der Suche nach Worst Case-Szenarien. Wäre der zeitgenössische Tanz so simpel, wie ihn Les Slovaks vorführen, hätte er sicherlich mehr Publikum. Es gibt weite Sektoren auf der großen Entertainmentebene im Gegenwartstanz, die mit ähnlichen Strategien operieren. Man erinnert sich an die beklatschten Platitüden der Cie. Hervé-Montalvo oder auch an die kindlichen Tricks eines Sidi Larbi Cherkaoui.

Die Salzburger Nymphen von Zoë Knights und die slowakischen Faune aus Brüssel bedienen sich unterschiedlicher Qualitäten. Knights präsentiert einen ausgezeichnet inszenierten, minimalistischen B-Dance als atmosphärischen Konzeptualismus. Les Slovaks dagegen bringen leider nur Amateurtanz mit professionell sein sollenden Mitteln zustande.


(12.7.2008)