Die unsichtbare Grenze zwischen Spielen und Arbeiten

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VIER MENSCHEN ZWISCHEN UNTER 10 UND ÜBER 40 VERFASSEN EINEN KOLLABORATIVEN TEXT: ARBEIT IST KEIN KINDERSPIEL. KINDERSPIEL IST KEINE ARBEIT. UND WAS ES HEISST, FREUDE BEIM LERNEN ZU HABEN.

Von Elke Krasny


Arbeit ist Arbeit. Und Spiel ist Spiel. Die unsichtbar zwischen den beiden verlaufende Demarkationslinie kommt einem Selbstzensur gebietenden Verbot gleich, das eine als das andere zu denken oder gar beides zu mischen. Zumindest bei den meisten erwachsenen Menschen ist dies der mit Nachdruck verinnerlichte Fall, und die vielen ethisch konnotierten Begleitdiskursmöglichkeiten reichen von Max Weberscher Analyseprofundheit bis zur leichtverdaulichen Alltagsschonkost der zeitmanagenden Lebensvereinfachung. In romantisierender Bewegtheit wird die eigene Kindheit oft als der ferne und exotische, anstrebenswerte und gepriesene Ort beschworen, an dem die Dinge noch ganz anders waren und das Spiel als Arbeit zählte.

Dass es nie so einfach ist, wie es sich normativ verhalten sollte, das erzählt die Hybridität des ganz normalen Alltags. In mehreren, intensiven Gesprächsminiaturen mit drei jungen Menschen unter der magischen Altersgrenze von zehn Jahren kristallisiert sich mit bedrängender Deutlichkeit vor allem eines heraus: Arbeit oder Spiel, Spiel oder Arbeit, das ist zwar auf der ersten spontanen Ebene von Zuordnungen und Sondierungen sonnenklar, bei näherer Betrachtung jedoch gar nicht so einfach auseinanderzudividieren. Dazwischen meint der eine, der nun bald acht Jahre werden wird, gibt es dann noch das „einfach Tun“, das „einfach Machen“. Was dieses einfach Tun sei, das lässt sich so nicht sagen, meinte er, aber es hat eine andere Qualität als Arbeiten und es ist mit Sicherheit nicht Spielen. Vor dem Computer, obwohl es ja in Wirklichkeit Computer spielen heißt, hat er schon immer wieder den Eindruck, dass es sich ab irgendeinem Zeitpunkt nur mehr um das Tun handelt, jenseits von Arbeiten oder Spielen.

„Ist es für Dich Arbeit, für dieses Interview etwas zu erzählen?“

„Es ist lustig. Lustig heißt, dass es keine Arbeit sein kann. Das ist aber wirklich eine schwierige Frage.“ Zwei Schlußfolgerungen werden es schließlich sein, die den Kindern in diesen gesprächsweisen Begegnungen in der Umzirkelung von Arbeiten und Spielen im Kindergarten, in der Schule und Zuhause ganz klar werden. Für diese Interviews zur Verfügung gestanden zu haben, das war definitiv „auf keinen Fall“ Arbeit, denn es „machte viel zu viel Spaß“, „war viel zu lustig“, als dass es sich dabei ihrer Einschätzung nach um Arbeit hätte handeln können. Die zweite, ebenso klare und ganz und gar nicht ambivalent in Frage gestellte Schlußfolgerung ist die, dass es sich ab dem Schulalter beim Lernen nicht um Spielen handeln könne, da Lernen schließlich viel zu ernsthaft sei, als dass es mit Spielen verwechselt werden dürfe.

Dieser Text ist eine Kollaboration zwischen drei Kindern und einer Erwachsenen. Interessanterweise gibt es in unserer Sprache das überzeugende Wortangebot der Zusammenarbeit, der Kollaboration. Von einer Kollusion (von lat. collusio, das wiederum von colludere = „unter einer Decke stecken“, aber auch „zusammen spielen“, kommt: „sittenwidrige Absprache“, „Verdunkelung“) spricht die Sprache weniger fein. Vielmehr verschlingt das mächtige semantische Hoheitsgebiet der Zusammenarbeit das Zusammenspiel, lässt es effizienzgleitend und arbeitswelterfrischend zur Kooperation, zum Zusammenwirken werden. Kräfte, Ideen, Vorstellungen, die sich zu einem größeren, sinnhaften Ganzen verbinden, sind Zeugnisse des Zusammenspiels. Zeugnisse des Zusammenspielens sind unserer wörtlichen Erfahrung nach ephemer, flüchtig, im Moment des Spielens schon wieder vorbei. Das sagt schon einiges über unser kulturell kodiertes Verhältnis zu Arbeit und Spiel, zu den normativ kodierten Vorstellungen von Arbeiten und Spielen als oppositionelle Tätigkeiten. Dringt das Spielen in das (Selbst-)Management ein, so dient es dazu, die Arbeit ertragreicher werden zu lassen, ist also ein Leistungssteigerungsingrediens. Der folgende Text ist auch der Versuch eines Zusammen-Spielens zwischen einer Erwachsenen und drei Kindern mit den Mitteln des Textes zu den Fragen von Arbeit, Spiel und Lernen.

Im folgenden begegnen wir den Meinungen und Aussagen von drei jungen Menschen im Alter von 9, 7 und 5, die sich diese Fragen nicht gestellt hätten, wenn ich sie ihnen nicht gestellt hätte. Sich mit Arbeit oder Spielen als Frage auseinanderzusetzen, war ihnen dennoch nicht fremd. Selbstverständlich durchzieht es ihren ganz normalen Alltag. Kaum ein Tag ist heißer ersehnt, aufgeregter erwartet als der erste Schultag. Doch bald stellt sich heraus, dass dieser vielversprechende, allzu vieles versprochen habende Zustand, endlich ein Schulkind zu sein, nicht das ersehnte Land der Träume ist. Der Druck der Zeit nimmt zu. Die Angst, am Nachmittag nicht mehr genug Zeit nur für das Spielen zu haben, ist vor allem in den ersten Jahren hoch. Doch nicht nur nach, auch bereits vor dem in unserer Gesellschaft allzu überbetonten Ritus des Übergangs vom Vorschulalter in das Schuldasein, gibt es ausgeprägte Meinungsvielfalt zum Thema Spielen oder Arbeit und was das eine oder das andere mit Freude, Spaß und Abenteuer zu tun hat.

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Yaron, 5 Jahre

Ist Lernen Arbeit?
Aus dem vorschulischen Erfahrungshaushalt eines Fünfjährigen.

„Hast du diese Zeichnung gemacht?“ – „Ja, das war sehr viel Arbeit. Ich habe hier unten zu arbeiten begonnen, mit dem Wasser. Dann habe ich dort oben weiter gemacht mit dem kleinen Mann und dem grünen Roboter. Dazwischen sind orange Augen, orange Gesichter, kleine Käfer, die habe ich dann übermalt. Das war wirklich viel Arbeit. Aber ich mag Zeichnen sehr gerne, weil es Spaß macht.“ Diese Beschreibung eines Fünfjährigen zeugt vom hohen Grad des Arbeitsbewusstseins, sobald der Stift zur Hand genommen wird. In der Differenzierung zwischen Arbeit und Spiel gibt es kein Zögern, wenn es gilt, zwischen der Spielzeugküche, dem Schreiben des eigenen Namens und den Legosteinen zu unterscheiden. „Mit den Bauklötzen?“ – „Das ist Arbeiten“. „Mit den Wasserfarben?“ – „Das ist Arbeiten“. „Mit den Ölkreiden?“ – „Das ist Arbeiten“. „Mit den Brettspielen?“ – „Das ist Spielen“. „Mit dem Quartett?“ – „Das ist Spielen“. „Mit dem Bleistift schreiben?“ – „Das ist Arbeiten“. „Mit dem Computer?“ – „Das ist Spielen“. „Mit der Schaukel?“ – „Das ist Spielen“. „In der Sandkiste?“ – „Das ist Spielen“. „Mit den Legosteinen“ – „Das ist irgendwie beides, Arbeiten und Spielen“. „Lernen?“ – „Das ist Arbeiten. [Pause] Nein, das ist irgendwie auch beides.“ Einige Jahre später in der Schulzeit wird sich diese Einschätzung, wie sich bei den beiden älteren Geschwistern manifestiert, bereits radikal geändert haben.

Obwohl im Kindergarten niemand das Wort arbeiten verwendet, um die unterschiedlichen Tätigkeiten oder Aktivitäten zu beschreiben, gibt es eindeutig in der ritualisiert wiederkehrenden Tagesabfolge Einheiten, die von dem Fünfjährigen als solche identifiziert werden. „Wenn ich in der Früh in den Kindergarten komme, dann müssen wir uns hinsetzen und unsere Namen schreiben oder etwas anderes schreiben. Das ist Arbeit. Dann haben wir Spielzeit. Das ist wirklich gut, denn beim Spielen lernt man, mit seinen Freunden zu sein. Beim Spielen ist man mit anderen Menschen zusammen, das ist gut. Und Spielen ist auch deshalb gut, weil man dabei lernt, mit anderen zu teilen. Dann haben wir Circle Time. Das ist Arbeit, denn da lernen wir gemeinsam. Jetzt lernen wir über Spinnen. Dann waschen wir unsere Hände vor dem Mittagessen. Das ist weder Arbeiten noch Spielen.“

„Show and Tell?“ – „Das ist wirklich schwierig. Da müssen wir oft raten. Das ist schon eher Arbeit. Manches ist sehr schwierig zu raten. Das ist mehr Arbeiten, nicht wirklich Spielen. Es kann nicht Arbeit sein, aber es ist auch nicht Spielen. Es muss etwas anderes sein. Aber was?“ Diese Frage bringt den Fünfjährigen zu angestrengtem Stirnrunzeln und zur dringlichen Bestürmung um die Erlaubnis, jetzt gehen zu dürfen. Doch eine Frage habe ich dann später doch noch stellen können. „Was möchtest Du arbeiten, wenn Du einmal groß bist?“ - „Ich weiß nicht, was ich werden möchte. Aber ich weiß, dass ich auf dem Computer arbeiten möchte. Ich möchte lernen, E-Mails zu schreiben. Das möchte ich machen. Und ich möchte Computer Games entwickeln. Ich glaube schon, dass das wirkliche Arbeit ist. Aber ich glaube, es wird auch viel Spaß machen.“ „Kann Arbeit Spaß sein?“ – „Vielleicht, manchmal schon.“ „Ist Spielen mehr Spaß?“ – „Ja, auf jeden Fall.“

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Yona, 7 Jahre

Mathe und Schreiben, das ist Arbeit!
Aus dem Erfahrungshaushalt eines Siebenjährigen

„Sie sagen zu allem wie Mathe und Englisch oder Schreiben arbeiten. Das nennen sie immer arbeiten. Werken ist auch Arbeiten. Das finde ich aber am schönsten. Das ist mein Lieblingsfach. Weil man basteln kann und kreativ sein kann.“ In der Schule ist es klar, die Arbeit wird von den Lehrerinnen als solche bezeichnet. Bei den Spielen, die einen zu Hause umgeben, herrscht Nachdenkbedarf. Die Antworten kommen nicht mehr so aus der Pistole geschossen wie beim Fünfjährigen. „Mit den Legosteinen?“ – „Hmmm, das könnte man als Arbeit bezeichnen, aber eigentlich auch als Spielen. Das kommt darauf an, was man baut. Arbeiten wäre wie Häuser bauen oder neue Erfindungen hineinbauen. Spielen wäre, wenn man einfach nur Spaß hat und ein paar Dinge ausprobiert, egal was, kann auch nur aus der Phantasie kommen.“ „Wenn man auf dem Klavier spielt?“ – „Das ist schon ein bißchen mehr Arbeit als Spielen, aber wenn man Spaß daran hat, kann man auch Spielen dazu sagen.“ „Wenn man eine Geschichte schreibt?“ – „Das ist finde ich wie spielen, weil man schreiben kann, was man will und wie man will, weil man seine Phantasie herauslassen kann.“ „Wenn man aufräumt?“ – „Das nenne ich auf jeden Fall Arbeit, weil man da etwas tun muss, was meistens überhaupt keinen Spaß macht. Wenn es Spaß machen würde, dann könnte es fast wie spielen sein. Einmal, wie beim Bodenaufwischen, als wir den Boogie Woogie mit den Füßen auf dem Wischtuch getanzt haben, dann könnte man es auch Spielen nennen. Wenn es immer so Spaß machen würde, dann wäre es Spielen.“ „Und das Essenkochen?“ – „Das ist Spielen und gleichzeitig Arbeiten.“ „Und Computerspielen?“ – „Das ist Spielen. Erstens hat man daran Spaß und zweitens heißt es ja auch so.“ „Und zum Tanzen Gehen?“ – „Das ist für mich spielen und ganz, ganz, ganz wenig Arbeit.“ „Auf der Schaukel, im Sandkasten?“ – „Das nenne ich auf jeden Fall spielen, da kann man herumtoben und sich austoben.“

Die Skala ist eindeutiger geworden, die Konnotiertheit mit Spaß hat sich auf die Seite des Spielens geschoben. Eine Tätigkeit, die dem Bereich der Arbeit zugeschrieben wird, erscheint dann hybrid oder auch als Spiel, wenn sie sich in Spaß verwandeln lässt, wenn man es schafft, sie umzudrehen, zu verändern, anzueignen, mit Freude zu erfüllen, so wie wenn das Wischtuch unter den Füßen über den Boden tanzt und diesen dabei trocken zaubert.

„Kann man bei Spielen etwas lernen?“, so frage ich schließlich weiter. „Viele Dinge, wenn man im Garten spielt, kann man über Pflanzen lernen, wenn man Gärtner spielt. Beim Computerspielen lernt man, was alle Tasten bedeuten, wie man von einer Website zur anderen kommt. Aber von einer Website zur anderen kommen ist für mich keines von beidem, es ist einfach was machen, was tun, wo man immer so weiter tun kann.“ Und dann stellt sich auch ihm noch die unvermeidliche Frage nach der eigenen Arbeit, wenn er einmal groß geworden sein wird. „Ich werde Tänzer und Zauberer werden. Ich werde jeden Vormittag eine halbe Stunde Show machen. Zuerst werde ich meine Kinder in die Schule bringen. Dann miete ich die Staatsoper an, die steht am Vormittag ohnehin immer leer. Das Publikum darf hinein. Dann sperren wir die Türen zu. Falls ich zu spät kommen sollte, kann das Publikum so nicht weg laufen, denn ich komme ja von hinten auf die Bühne. Dann mache ich jeden Vormittag meine Show und fahre meine Kinder wieder abholen von der Schule. Das ist wie Spielen, aber ich werde damit Geld verdienen. Das wird mein Vormittagsberuf sein. Am Nachmittag werde ich Tänzer und Schauspieler sein. Am Nachmittag werden meine Kinder mit meiner Frau sein oder bei ihren Freunden oder Freundinnen. Am Abend werde ich nicht arbeiten, da werde ich zu Hause sein. Was ich machen werde, wird beides sein: Arbeiten und Spielen. Spielen macht mehr Spaß.“

Lesen und Zeichnen, das ist nicht wie Arbeit! Und vom Abenteuer Arbeit in der Zukunft.
Aus dem Erfahrungshaushalt einer Neunjährigen

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Yamna, 9 Jahre

„Rechnen, Schreiben in Deutsch und Englisch, das ist alles Arbeit. Aber ich schreibe gerne Geschichten. Schulübungen schreiben ist viel Arbeit. Lesen und Zeichnen, dazu sagt meine Lehrerin nicht, dass es Arbeit ist. Und da hat sie recht, das ist auch nicht wie Arbeit.“ In der Schule gibt es eindeutige Distinktionen zwischen harter Arbeit und Spaß, zwischen Fächern, die Arbeit bedeuten, und Ausflügen in die Welt zwischen Museen und Kraftwerken, die keine Arbeit sind. Wenn in der Stunde geblödelt wird, dann muss die Pause durchgearbeitet werden. „Ausflüge sind nie Arbeit, unsere Lehrerin sucht nie Dinge aus, die wirklich langweilig sind. Langweilige Dinge sind mehr wie Arbeit als lustige Dinge, weil es dann auch wenn es Arbeit wäre, einem nicht so vorkommen würde. Museum, Kraftwerk, in den Park, in die Schokoladefabrik. Nein, das ist nie Arbeit, das ist interessant und man kann mehr Dinge machen als wenn man nur da sitzt und Rechnungen macht. Bei unserem Lehrer machen wir auch immer lustige Dinge, wir drehen einen Film oder wir arbeiten an den Plakaten. Das ist wirklich gut. Auch wenn wir hart arbeiten, das heißt, für mich wäre das, wie Buchstabieren Lernen oder Interpunktion Üben, macht unser Lehrer jede Woche lustige Dinge, man freut sich auf etwas, also kommen einem die anderen Dinge weniger wie Arbeit vor. Denn wenn man sich auf etwas freut, dann macht man die anderen Dinge schneller.“

„Ist das Schreiben für dich Arbeiten oder Spielen?“ – „Jemand in meiner Klasse wollte eine Geschichte schreiben. Wir mussten eine Geschichte über einen Hut schreiben. Unsere Lehrerin hat gesagt, der Hut kann lebendig werden, für sich allein um die Welt fliegen oder weg fliegen. Dann wollte ein Junge schreiben, dass der Hut in eine andere Dimension fliegt, und auch andere Kinder wollten, dass Hexen, Feen oder Zwerge vorkommen, aber unsere Lehrerin hat gesagt, dass wir Märchen später schreiben. Aber das ist doch kein Märchen? Schreiben kann wirklich beides sein, Spielen und Arbeiten.

Manchmal schreibe ich für mich selber Geschichten. Es ist einfach lustiger, weil man da frei und phantasievoll sein kann, aber bei Bildgeschichten oder wenn man in der Schule eine Personenbeschreibung machen muss, dann ist es nicht so lustig. Die Geschichten in der Schule müssen immer ein bestimmtes Thema behandeln, einen Rahmen haben, und zu Hause kann man sich irgendetwas ausdenken und es dann so schreiben wie man selbst will. Deshalb finde ich es lustiger, Phantasiegeschichten zu schreiben als Bildgeschichten. Die sind zwar auch phantasievoll aber man hat es sich nicht selbst ausgedacht und das ist nicht so toll.“ – „Ist Hausübung Arbeit?“ – „Ja, meistens, aber manchmal ist es auch Lustarbeit.“

Auch das mit den beiden anderen Probanden bereits bewährte Kurzabfragespiel zu Arbeiten oder Spielen wird mit der Neunjährigen getestet. Das voranschreitende Alter ändert die Einschätzungen und Ergebnisse. Zeichnen, Malen, das ist Spiel geworden. Nur beim Legobauen herrscht bei allen überraschende Einigkeit: es muss sich um beides handeln, um eine Tätigkeit, die Arbeiten und Spielen sein kann.

„Mit den Bauklötzen?“ – „Das ist Spielen“. „Mit den Wasserfarben?“ – „Das finde ich auch, dass das Malen Spielen ist“. „Mit den Ölkreiden?“ – „Das ist auch Spielen“. „Mit den Brettspielen?“ – „Spielen steckt ja schon drinnen in dem Wort“. „Mit dem Quartett?“ – „Das ist auch Spielen“. „Mit dem Bleistift schreiben?“ – „Das ist auch Spielen, man kann immer ein paar Dinge schreiben, das ist lustig“. „Mit dem Computer?“ – „Kommt darauf an, was man macht. Wenn man einen irrsinnig langen Text schreibt, wie du immer, dann ist das was anderes.“ „Mit der Schaukel?“ – „Das ist sehr lustiges Spielen, natürlich.“ „In der Sandkiste?“ – „Das ist Spielen“. „Mit den Legosteinen?“ – „Das ist auch Spielen, aber man muss schon dazu sagen, dass man fast echte Häuser bauen kann, wie wir auch in der Ausstellung gesehen haben. Gary Chang hat so eine Art Skizzen mit Lego gemacht, also kann man auch mit Lego arbeiten.“ „Lernen?“ – „Also,das kommt darauf an.“ „Aufräumen?“ – „Das ist Arbeit, harte Arbeit.“ „Klavier spielen?“ – „Wenn man ein Stück spielt, das man schon kennt, dann ist es lustiger, als wenn man eines neu lernen muß.“ „Kann man beim Spielen etwas lernen?“ – „Ja, natürlich, bei diesen Lernspielen, du weißt schon, wie bei denen mit der Maus, die einem sagt, ob man es richtig oder falsch gemacht hat.“

Die letzte Frage gilt der Vorstellung der eigenen zukünftigen Arbeit. „Was wirst Du arbeiten, wenn Du groß bist?“ – „Als ich jünger war, vor zwei Jahren, hatte ich eine Idee für meine Zukunft. Ich wollte Modemacherin werden, ich wollte Gewand designen. Das ist mir nicht wie Arbeit vorgekommen, sondern als etwas Lustiges. Ich hatte eine wirklich gute Idee. Wenn man Schuluniformen macht, da gibt es wirklich viele, wenn es für alle Schulen in einem Land wäre, dann könnte man Tausende verkaufen. Und das wäre dann nicht so, als würde man nur einen einzigen Pullover designen. Da könnte ich eine Uniform entwerfen, und dann ganz viel Geld verdienen. Man könnte vier Uniformen fürs Jahr entwerfen, für jede Jahreszeit eine. Aber wenn du das jetzt schreibst, dann stiehlt vielleicht jemand meine Idee und tut es selbst. Deshalb ist es gefährlich, so etwas zu schreiben. Die Uniformen designen, wäre wie ein Spiel. Denn ich zeichne gerne, ich mag das sehr gerne. Das ist wie ein Abenteuer. Ich möchte eine Designerin werden, vielleicht eine Graphikdesignerin, vielleicht eine Designerin, die anderes entwirft. Wenn ich groß bin, möchte ich mit meinen Kindern spielen, und zeichnen und lesen, das ist auch wie Spielen. Arbeit könnte wie Spiel sein, ein Beruf, wo man zeichnet und denkt, also das könnte schon wie Spielen sein.“


(26.5.2009)