Donaufestival 07/1: Mit Spielen

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Das Donaufestival 2007 bringt "unprotected games" nach Krems

Das für sieben Spieltage (verteilt auf zwei verlängerte Wochenenden) zwischen dem 19. und 30. April 2007 überaus umfangreiche Programm des von Thomas Zierhofer-Kin kuratierten Festivals ist heuer ganz auf die Spielstruktur ausgerichtet. Interaktives trifft Politisches - und das in vielen verschiedenen Genres.


Hier auf corpus finden sich drei Berichte vom Eröffnungsabend. Statement #1: Artytainment und Statement #3: Inside the artwork von Judith Helmer, sowie Statement #2: Peppen mit Pop von Helmut Ploebst.
Ein Überblick von Chris Standfest über das Festival aus der Perspektive der Beziehungen zwischen Körper und Sound wird folgen, wenn die letzten “unprotected games" gespielt sind.


Statement #1: Artytainment

Von Judith Helmer

Kunst ist schon lange keine werbefreie Zone mehr. Sponsoren drucken ihre Logos in Programmhefte, verteilen Give-Aways und werden in Eröffnungsansprachen meist „last but not least" höflich erwähnt. Die öffentliche Hand allein könne Kunst nicht mehr finanzieren, heißt es bei solchen Gelegenheiten. Wohin das führen kann, zeigte die Eröffnung des Donaufestivals in Krems am 19. April 2007. Zwischen all den Bannern, Logos, Terminals und zahlreichem Promotionpersonal waren die Kunstwerke nur noch schwer zu orten. Zumal Kunst und Werbung mit ähnlichen Mitteln arbeiten. Bei der englischen Gruppe Blast Theory kann man am Internetterminal an einem interaktiven Performance-Spiel teilnehmen, und nebenan beim Club der Raiffeisen-Bank Videobotschaften via E-mail versenden.

Von vier Videoleinwänden in der Haupthalle werden zwei für die Visuals zum Line-Up von Ryoichi Kurokawa, Priesterbird, Fennesz, The Notwist und Addicitive TV gebraucht, die beiden anderen dienen der Logopräsentation. Werbeträger ist auch jeder Zuschauer, weil er sich ein firmennamenbedrucktes Eintrittsbändchen um das Handgelenk schnallen lassen muss. Alles durchaus üblich bei kommerziellen Pop-Konzerten. Und in dieser Liga will das Donaufestival ja mitspielen, mit „aktuellen künstlerische Positionen im Spannungsfeld zwischen Performance- und Klangkunst, Experiment sowie Sub- und Popkultur".

Unnötiger Kampf mit eindeutigem Ausgang

Was also passiert, wenn Sub- und Popkultur „unprotected" aufeinander losgelassen werden? In Krems gibt es einen klaren Verlierer: das „Sub". Eine zarte, audiotaktile Installation wie die von Lynn Pook und Julien Clauss, bei der den in Klangliegen gebetteten Besuchern akustischen Wellen über die Haut geschickt werden, hat trotz Einsatz von Ohrstöpseln und Schallschutzkopfhörern keine Chance gegen die lauten Beats aus der Haupthalle. Es bräuchte eben Stille, um die musikalischen Reize nicht mit den Ohren, sondern mit der Haut als sensibler körperlicher Membran zu empfangen.
Dreizehn verschiedene Acts, von DJs und Konzerten über Interventionen und Installationen bis hin zu ortsspezifischen Performances, listet das volle Programm des Eröffnungsabends - 105 Veranstaltungen sollen es insgesamt werden innerhalb von sieben Tagen. Die Fülle führt aber nicht zu einem Mehr, sondern zu einem Weniger, da die Dinge einander wie oben beschrieben verunmöglichen und gleichzeitig alles um Aufmerksamkeit buhlt. Und gegenüber den Künstlern ist das nicht wirklich fair. Wenn aus einer intensiven Aufführung scharenweise Zuschauer gehen, weil sie das währenddessen beginnende Konzert mehr interessiert, liegt der Fehler im System.

Artfremde Begehrlichkeiten

So haben bestimmte, an sich spannende und durchdachte Kunstaktionen in diesem Kontext eher den Eindruck von Ausstaffierungsmaßnahmen eines Events hinterlassen. Besonders bitter wurde das bei God's Entertainments Arbeit „Krems ist anders?" deutlich. Bei dieser Aktion prügelt ein weißer Mann im öffentlichen Raum auf einen schwarz angemalten ein - und zwar immer dann, wenn jemand aus dem Publikum eine Münze in den nach Straßenkünstlermanier aufgestellten Hut geworden hat. So werden alle Passanten zu unfreiwillig Beteiligten eines aggressiven sozialen Beziehungssystems. Zur Festivaleröffnung zielten stets zahlreiche Fernsehkameras auf die Akteure, und die Fernsehleute, lüstern nach spektakulären Bildern, warfen Münzen in den Hut, damit die Schlägerei weitergehe. Wie schon bei den Sponsoren, wünschte man sich auch seitens der Medien einen deutlich anderen Umgang, der die Kunst vor den Begehrlichkeiten des Infotainment schützt.
„Gastrotainment" nennt der Getränke- und Speisenverkäufer auf dem Kremser Messegelände sein Geschäft. „Artytainment" könnte das Donaufestival seine Tätigkeit treffend beschreiben. Das hochkarätig besetzte musikalische Line-Up hätte die Performancekunst als Drumherum nicht nötig gehabt. Die Performances hätten es aber eindeutig verdient, von dem Veranstalter mit mehr Respekt behandelt zu werden.


Statement #2: Peppen mit Pop
Bericht über eine Langeweile, einige Security-Männer und so etwas wie Hintergrundrauschen mit Gob Squad

Von Helmut Ploebst

Performances im Tanz-, Theater oder Kunstkontext, könnte man annehmen, sind mit den jenen von Musikgruppen verwandt. Das stimmt sicher auch, wobei sich schon ab und zu die Frage stellt, warum so gut wie jede Band grundsätzlich auf einer Frontalbühne werkt. Natürlich stellt sich eine solche Frage nur, wer unter lästigen Anfällen von Langeweile leidet, denn die Antwort ist ohnehin klar. Das Publikum soll die Musikerreger möglichst gut sehen können, und die Frontalbühne ist auch repekteinflößend. [Man könnte auch daran erinnern, daß Frontalität im Tanz und Theater ebenso als Politikum diskutiert wurde wie in der bildenden Kunst die Zentralperspektive.] Der Gestus und die Vorstellung des Predigens sind dem Politiker, dem Priester und dem Popsänger gemeinsam.

Meet and greet

Krems im schönen Niederösterreich. Der Abend ist lau. An einem bestimmten Punkt des Donaufestival-Eröffnungsevents sagt der Wiener Regisseur Thomas Jelinek: „Das ist eben die Popkultur." Er nimmt die aggressive Werbepräsenz (siehe oben unter „Artytainment") gelassen. Das Kremser Messegelände ist zu einem Kunstareal umgewidmet worden. So etwas ist einfach. Das Zauberwort heißt „Einmietung". Festivalleiter Thomas Zierhofer-Kin hat das Kunstevent in dem Messegelände mit „Parkhotel", „Stadthalle", „Lounge" und einer „Halle 1" eingenistet. Und zwar so, daß die Anlage - jedenfalls zur Eröffnung - immer größer bleibt als das Geschehen darin.
Johan Lorbeers „Proletarisches Wandbild" etwa war in der Eingangsgasse des Areals so angebracht, daß man zurückblicken mußte, um es überhaupt zu entdecken. Die Stilleben-Performance zeigte einen Müllmann, der, auf seinen Besen gestützt, auf einer Hauswand stand. Aber nicht etwa oben am Dachfirst, sondern um 90 Grad gekippt an der Fassade. Die Besucher waren heiter, viele schienen einander zu kennen. Man grüßte sich gerne, machte ein wenig Konversation, der Müllman diente dabei als Wandverzierung. Eine angenehme Atmosphäre, die sich auch über eine Szene spannte, die gar nicht gemütlich erschien.

Schlägerkunst von „God's Entertainment"

Schlug doch ein junger Mann mit einem Prügel auf einen anderen ein, dessen Haut mit dunkler Schminke auf Schwarzafrikanisch gefaked war. Auf dem Asphalt stand ein Hut, und immer, wenn jemand eine Münze in den Hut warf, ging die Prügelei für zehn Sekunden weiter. Wir dachten erst an Ku-Klux-Klan und Minstrelman, aber dann doch an das Wiener Wort „Negerant", das Leute bezeichnet, die chronisch pleite sind. Oder an den zu trauriger Bekanntheit geratenen Namen des Marcus Omofuma, der 1999 im Zuge einer Abschiebung aus dem Garten Österreich eines unnatürlichen Todes gestorben war.
Die Schlägerkunst stammte von dem Künstlerkollektiv „God's Entertainment". Das Prinzip, nach dem diese Performance funktionierte, nennen die Künstler „Coin Operated Racism" - eine intelligente Übersetzung der meist eher schlichten Darstellungen der gemeinen Straßenpantomime. Die vorgeführte Gewalt tat weh. Ein paar Zuschauer versuchten durch ihr Lachen zu zeigen, daß sie es schon wissen: der Prügel bestand nicht aus Holz, sondern aus Schaumstoff. Kameras wurden aufgestellt, denn es war der Eröffnungstag, und da wollten auch die Medien ihre Bilder. Das Windelweichhauen und sein Kamerahintergrund gingen eine performative Kameradschaft auf dem sicheren Kunstgelände ein.

Als ein Kameramann eine Münze in den Hut warf, damit es schneller weiterging, brach er symbolisch und real ein Tabu, das Medien davon abhalten soll, Ereignisse zu inszenieren oder zu stimulieren, um die eigene Performance aufzupeppen. Mit auffälliger Diskretion sahen einige bullige Herren des vom Festival angeheuerten Securitydienstes zu. Kleinkarierte Sakkos, darunter mafiaschwarze Shirts mit schicken Stehkragen. Glatte Rasur. Pokerfaces. Ihre Präsenz war wirklicher als die der Performance, ihr Blick ein anderer als unserer. Eine Darstellerin begann an dem Prügler zu zerren. Sie trug auch einen Knüppel in der Hand, aber sie setzte ihn nicht ein. Der so Irritierte verlor seine Waffe, und eine Frau aus dem Publikum versteckte sie hinter ihrem Rücken. Hat sie das einzig Richtige getan?

Künstlicher Leerraum

Erst jetzt, nach dieser Vorbereitung, gab es nichts mehr zu tun als ins Innere des Messegebäudes zu gehen, wo in der Lounge diverses Kunstzeug irgendwie untergestellt worden war. Die audiotaktile Installation „Pause" von Pynn Pook und Julien Clauss wurde zum Messestand für Wellness-Kunst. Ein häßliches rotes Schmusemonster hatte per Projektion dümmere Antworten auf dumme Fragen, die das Publikum via Tastatur eingeben konnte. Das besagte: alles „Wissen" ist Trash. Die englische Gruppe Blast Theory vermittelte in ihrem etwas schlichten Videospiel „Can You See Me Now?" Erlebnisse von der Verlorenheit des Einzelnen im Gruppenspiel. Der beachtliche Rest der Lounge blieb Leerraum. Der Witz an dieser zusammengeklempnerten Installationsversammlung war, daß sie kuratorisches Easygoing vermittelte, ein Häppchen Politspiel und ein Quentchen Luxus: Man hatte Kunst zwar herbeigebeten, aber sie wurde wie zufälliges Mobilar in den Raum geworfen - ein bißchen fad, ein bißchen lustig.

Angst vor der Anarchie des Banalen

So ähnlich verhielt sich die Stimmung auch in „Gob Squad's Kitchen - You've Never Had It So Good", einer Live-Film-Performance des entdeckungsfreudigen Kollektivs, die am 30. März 2007 an der Volksbühne im Prater, Berlin, uraufgeführt worden war. Es geht um das freie Nachspielen dreier früher Filme von Andy Warhol aus der ersten Hälfte der 60er Jahre. Eine schöne Idee und nebenbei ein weiterer Beitrag zu der laufenden Rekonstruktions-Debatte in der darstellenden Kunst. Aber können Schauspieler so tun, als würden sie nicht schauspielern, sondern einfach in einer Küche abhängen? Die Performer von Gob Squad schafften es jedenfalls nicht, weil sie im Gegensatz zu Warhol nicht riskieren wollten, die Anarchie des Banalen regieren zu lassen.

Das Stück atmet ein Flair, das man schon von deutschen oder österreichischen Nachahmungen amerikanischer Sitcoms kennt. Die wenigen guten Gags wirken geborgt, der Rest ist Betulichkeit und bemühte Coolness. Endgültig scheitert „Gob Squad's Kitchen", sobald Zuschauer eingebunden werden. Denn was „Authentizität" nachliefern soll, kommt im Theater daher wie ein Sichlustigmachen über die unvorbereiteten Opfer. Auch hier werden dumme Fragen gestellt, diesmal von den Akteuren und die Gäste von der Tribünenseite werden per Funk ferngesteuert. Sie wirken niedlich, ausgeliefert - und sind dennoch Helden, weil sie sich auf dieses schwindlige Spiel eingelassen haben. Wenn Gob Squad den Ruf genießt, innovativ zu sein, so löst es sein Versprechen zumindest in dieser Arbeit nicht ein. Die Künstler kleben an der Idee der Live-Projektion und an der Gerissenheit von Warhol, bleiben aber im Übrigen uninspiriert. Am Ende sind alle Möglichkeiten verspielt, einem Ende, das nur die Hälfte der Zeit in Anspruch genommen hat, die laut Vorprogramm vorgesehen war. Vielleicht wäre es gut gewesen, wirklich drei Stunden lang durchzuhalten und das Publikum durch wilde Langeweile zu provozieren anstatt sicherheitshalber ödes Theater abzuliefern.

Die Popkultur ist ein Hybrid, ein Laissez-faire. Darin bildet sie auch schon lange eine Konvention, derer sich alle möglichen Interessengruppen beliebig bedienen, und einen ganz gewöhnlichen Kommerz. Als politisches Konzept verstärkt sie heute mehr denn je die konservativen Kräfte als die progressiven. Das Hintergrundrauschen des Kremser Events bestätigt diese Annahme.


Statement #3: Inside The Artwork
Als ganz normaler Superstar in Gob Squads „Kitchen"

Von Judith Helmer

Ich war ein Replacement. Ersatz für Berit, die nicht schlafen konnte. Dabei konnte ich auch nicht schlafen. Aber ich gab mir alle Mühe, so zu tun als ob. Schließlich war ich das Replacement einer Kopie eines Superstars in dem neuen Live-Film-Projekt des deutsch-englischen Künstlerkollektivs Gob Squad „Kitchen - You've Never Had It So Good", dem Highlight der Eröffnung des Donaufestivals in Krems.

Oder halt, eigentlich sollte hier auf jede Wertung verzichten werden, schließlich habe ich die Hälfte der Geschichte verschlafen, oder jedenfalls so getan. Und das kam so:

Gob Squads „Kitchen" ist eine ironische, lebhafte, sentimentale und intelligente Rekonstruktion einer Arbeitstechnik von Andy Warhol. Dieser filmte ab 1963 mit seiner 16mm-Kamera Alltagaktivitäten „ganz normaler Leute". Der erste Film dieser Reihe war „Sleep", eine 8-Stunden-Realtime-Dokumentation des gesegneten Schlafs von Warhols Freund. Es folgten „Eat", „Drink", „Kiss", „Haircut" und u.a. eben „Kitchen" - alle nach dem gleichen simplen und dabei revolutionären Konzept.

Improvisierte Doubles

Der Untertitel der Arbeit, „You Never Had It So Good", bezieht sich auf die Herangehensweise von Gob Squad: Die Performer wissen um die Geschichtsträchtigkeit der Kultfilme und um die unüberbrückbare historische Distanz, die sie selbst von der New Yorker Künstlerszene der 1960er Jahre trennt. Über diese Distanz funktioniert die Rekonstruktion. Gob Squad versucht gar nicht erst, die Filme in Besitz zu nehmen, sondern lässt sich von ihnen in Besitz nehmen. Doch wie Warhol mit weißen Perücken ausgestatte Doubles seiner selbst ins wirkliche Leben vorschickte, suchen sich auch die Performer nach und nach Ersatzdarsteller ihrer selbst aus dem Publikum - auf der Suche nach dem besseren Ich - bis sie nur noch von außen als Einflüsterer via Mikrophon auf ihre eigene Performance einwirken. Die Illusion von der Möglichkeit eines sich nicht irgendwie darstellenden Menschen, die das Konzept der Warholschen Filme so reizvoll macht, ist ja eh längst viel bespielte Geschichte.

„Auf die Frage, ob das, was in seinen Filmen zu sehen sei, denn alles echt sei, die Menschen, und das, was sie tun, antwortete schon Warhol: „No, they're faking it, until it becomes real", heißt es im Programmheft zu der ganzen Repräsentationsproblematik. Nicht-Spielen-Faken, hier hatte diese ganze Reality-TV-Kiste also ihren Ursprung. Was ist schon echt? Echt sind höchstens die Versuche der Superstar-Replacements, sich nicht lächerlich zu machen bei ihrem Bemühen, die pseudonatürlichen Situationen auszufüllen.

Souverän schlafen

In meinem Fall, als die Gob Squad-Darstellerin Berit ersetzende Zuschauerin, versuche ich also hinter der Leinwand, die das dreigeteilte, auf der Bühne aufgebaute Filmset (für „Kitchen", „Screen Test" und „Sleep") einerseits vor den Blicken der Zuschauer verbirgt, nur um andererseits als großflächige Projektionsfläche der im Set entstehenden und in Realtime gezeigten Filme zu dienen, in dem dort aufgestellten Bett möglichst souverän zu schlafen. Möglichst souverän schlafen? Wie meinte Warhol: „Faking it, until it becomes real." Und einer seiner „Superstars", Edie Sedgwick, sagte: „Auch ich lebe meine Rolle - nur dass ich nicht genau weiß, was meine Rolle in diesem Film eigentlich ist." Da ging es mir als Einspringerin ähnlich. Vom Rest des Films bekomme ich nämlich recht wenig mit. Keine Ahnung, was da passiert in der Filmset-Sixties-Küche nebenan. Wie das so sympathisch hilflose, überdrehte Suchen nach dem Lebensgefühl von damals, „als alles begann, Avantgarde, Rock'n' Roll, Sex, Drogen, Feminismus und Atomkraft" weitergeht.

Fernsehkompartibel konditioniert

Zu mir kommt nur Berit. Sie fragt, was Berit noch so vom Leben zu erwarten hätte. Ich bin ein schlechtes Orakel. Und eine schlecht informierte Ersatzberit: Ich glaube zum Beispiel, keine Kinder zu haben - Fehlglaube, werde ich aufgeklärt. Für das Publikum muss mein Straucheln immerhin ein verlässlicher Hinweis darauf sein, dass wir Replacements keinesfalls vorinformiert sind. Erstaunlich, wie gut dieses Ersetzen der Darsteller durch ahnungslose und unsichere Zuschauer funktioniert. Sind wir alle schon so weit konditioniert, dass wir jederzeit vor der Kamera seelenruhig so tun können, als sei gar nichts dabei, sich öffentlich zu präsentieren?

Dabei funktioniert die Kamera natürlich wie der nackte Bilderrahmen im Museum, und sie macht aus Alltagsaktivitäten aussagekräftige Kunstprodukte, wenn der Einsatz stimmt. Das war bei Warhol 1963 so, und das ist bei Gob Squads „Kitchen" so. Glaube ich zumindest. Ich war ja dabei, ich kann es also nicht sagen, so verdreht ist die Geschichte.

 

(22.4.2007)