Editorial: HELLO 2012!

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Mit einem Feuerwerk an neuen Texten, einem höllischen Thema, einer Residency und neuen Besprechungen tanzt das corpusKollektiv ins frische Jahr. So können wir am besten zeigen, warum corpus vom österreichischen bmukk und dem Kulturamt der Stadt Wien ausgelöscht werden soll: Erstens, weil die Website aus der zeitgenössischen Choreografie und dem Tanz einen Diskursraum erschließt, der alles andere als harmlos ist. Und zweitens, weil das corpusKollektiv als Betreiber eines kritischen, öffentlichen Mediums nicht daran denkt, bei Administrationen, die meinen, ihr Amt zur Kunstlenkung nutzen zu sollen, um „good will“ zu ersuchen.

Beamte in den diversen Kunstabteilungen und -sektionen haben auch ihren Kunstgeschmack. Und eine Idee davon, was „gut“ im Sinn von förderungswürdig ist und was weniger. Die Kulturpolitik setzt Beiräte und Kuratorien ein, deren Entscheidungen von Beamten und Kulturpolitikern geprüft und gegebenenfalls auch gekippt werden. Genauso wie die jeweiligen Beiräte und Kuratorien nach Gutdünken ausgetauscht werden können. Im Fall von corpus wurden erst vom bmukk und dann vom Kulturamt der Stadt Wien jeweils nach einer Kuratoriumsumbildung mit empfindlichen ästhetisch-politischen Konsequenzen für viele KünstlerInnen die Förderungen „aus Einsparungsgründen“ gestrichen.

Weil corpus aber nach fünf Jahren Unangepasstheit erstens ein auch international renommiertes Medium ist und zweitens durch die Einstellung der Förderung unserer mit geringsten Mitteln unterstützten Website kein Budget saniert werden kann, muss es wohl andere Gründe dafür geben, corpus loswerden zu wollen. Wir glauben nicht daran, dass Intransparenz oder Zensur über Förderungsverweigerung der richtige Weg ist, in einem demokratischen Land wie Österreich Kulturpolitik zu betreiben.

Das corpusKollektiv glaubt aber sehr wohl daran, dass es möglich ist, die Website ab 2012 auch ohne Zuwendungen der Abteilungen für Darstellende Kunst des bmukk und der Wiener MA7 weiterzubetreiben. Schon sind auf unseren dringenden Aufruf im November hin die ersten Spenden aus dem In- und Ausland eingelangt. Das macht Mut, und wir bedanken uns sehr für diese fairen und großzügigen Gesten. Wenn möglichst viele unserer LeserInnen und FreundInnen auch nur geringe Beträge in corpus investieren, dann wird die Website – wenigstens zum Teil – auch über diese gemeinschaftliche Finanzierung weiterexistieren und weiterentwickelt werden können.

Und genau das wollen wir: auch auf dieser sehr praktischen Ebene spüren und zeigen, wie sehr corpus gebraucht wird. (corpusRed)

(29.12.2011)