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Gegeben sei: 1. Die Täuschung, 2. Die Wahrheit

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MARKUS SCHINWALD GIBT VANISHING LESSONS IM KUNSTHAUS BREGENZ

Von Jack Hauser


VORGABE

Von 1946 bis 1966 arbeitete der amerikanisch-französische Künstler Marcel Duchamp geheim in seinem Studio in Greenwich Village an seinem unbekannten Meisterwerk.
Étant donnés: 1° la chute d'eau / 2° le gaz d'éclairage (Gegeben sei: 1. Der Wasserfall, 2. Das Leuchtgas) besteht aus einer eingemauerten Holztüre mit zwei Gucklöchern, durch die man auf einen nackten Frauenkörper mit geöffneten Beinen sieht, die mit einer Hand eine Gaslampe in die Luft hält. Der Frauentorso ohne sichtbares Gesicht mit blonden Haaren liegt auf einem Reisigbett, während im Hintergrund ein elektrisch betriebener Wasserfall leuchtet.
Dieses Werk ist nur zu sehen und nicht begehbar, obwohl seine Anlage auch einen Besuch und nicht nur einen Blick gestatten würde. Es ist seit 1969 im Philadelphia Museum of Art dem Publikum zugängig.

AUFGABE

Vom 14. Februar bis zum 13. April 2009 veröffentlicht Markus Schinwald sein nicht abgeschlossenes Werk in statu nascendi in den drei Stockwerken des Kunsthauses Bregenz. Was die Museumsräume betrifft, so erzeugt Vanishing Lessons einen Ort, der gleichsam mit den Räumen des Museums zum Ausdruck kommt, um diese jedoch zum Verschwinden zu bringen.
Das Museum ist ein Filmstudio.
Das Studioenvironment ist bildende Kunst.
Das Gehen durch die Ausstellung ist Tanz.
Als Blaupause seiner Zauberkunst dient ihm das Format der amerikanischen situational comedy, kurz Sitcom. Die klassische Studiosituation mit einer Publikumstribüne, drei Flatscreens, drei Studiokameras und einem Bühnenhintergrund wird in allen drei Stockwerken wiederholt, wobei der Bühnenhintergrund und die Verhandlungen unterschiedlich gestaltet wurden:

1. Stockwerk (Akteure: Schauspieler & Sprache): Das Wohnzimmer

1.1 1.2

 


2. Stockwerk (Akteure: Tänzer & Musik): Die Garage

2.1 2.2

 


3. Stockwerk (Akteure: Turner & Geräusche): Das Gym

3.1 3.2


Es ist unheimlich, wie schnell man sich in den gebauten Räumen von Markus Schinwald heimisch fühlt. Und sich von der Inszenierung choreographiert durch die Installation bewegt. Der Eindruck einer unausweichlichen Nähe der Objekte und des Publikums zur Katastrophe und ein Gefühl des Verlusts entsteht. Eine selbstverständliche Auslieferung aller Besucher als der Einsatz zu unserem tödlichen Spiel. Aus der gezimmerten Notwendigkeit der Sitcom-Studios scheint die Wahrheit der Vanishing Lessons lesbar zu werden: Es gibt kein Entkommen.

ZUGABE

lp
At the turn of the century
Lived a Mr. Houdini
Shrouded in a mystery
He fooled all humanity

Why is it a mystery
The very thing that seems to me
Explains itself so easily
The love of wealth brings misery

Things we acquire means fuel for the fire
The feeling is gone, then our soul we will pawn
Things we acquire means fuel for the fire
The feeling is gone, then our soul we will pawn



Weblink: Kunsthaus Bregenz/Vanishing Lessons

(17.02.2009)