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Gescheitert an der Seifenoper

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ALEXANDRA BACHZETSIS MIT "DREAM SEASON" IM TANZQUARTIER WIEN

Von Helmut Ploebst


Das Fernsehformat der Soap Opera ist die perfekte Herausforderung für eine Bühnenarbeit. Es paralysiert weltweit Massen von Zuschauern und beweist schlagend, daß das Schlechteste gerade gut genug ist, wenn es darum geht, breitenwirksam zu unterhalten. Dabei ist der reinigende Trostwert nicht zu unterschätzen. Soaps wie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten" oder „Anna und die Liebe“ lindern den Lebensschmerz. Ja, das ist sicher so. Und sie erzeugen Rezeptionsbiografien. Wer zum Beispiel mit der ersten deutschen Seifenoper Lindenstraße" (Start: 1985) lebt, tut das nun im 25. Jahr. Das hinterläßt auch Spuren, schafft Erinnerungen.

Weißt du noch, damals, als Kylie Minogue aus der australischen Soap „Nachbarn" knallte wie das Pop aus dem Corn und zum Popstar wurde? Wie Jessica Biel trotz ihres Ausstiegs aus der amerikanischen Provinzsoap „Eine himmlische Familie“ doch nur sexy Action-Tussis spielen durfte und wie sich Alyssa Milano von „Wer ist hier der Boss?“ über ein paar Softpornos zu „Charmed - Zauberhafte Hexen“ manövrierte? Wer das erlebt hat, weiß, das alles wohl irgendwie einen höheren Sinn haben muß.

Die Seife, die süchtig macht

Oder wer beispielsweise als Kind die gute alte TV-Serie - die als Format der Vorläufer der Soap ist - „Die verbotene Tür“ („L'âge heureux“, Frankreich 1966) miterlitten hat, wird das Schicksal der kleinen Spitzentanz-Elevin Delphine nicht vergessen. Und das Ballett auch nicht. Die sentimentale Soap - nicht zu verwechseln mit der satirischen Sitcom - macht süchtig wie das Computerspiel, und sie ist nicht minder bedenklich, weil stets didaktisch und immer ein Service für die emotionalen Defizite ihrer KonsumentInnen, die sie aber nicht ausgleicht, sondern kalkuliert verlängert und vertieft.

Das ist, subjektiv vereinfacht, das Feld, das die Seifenoper auf- und ausmacht. Wenn sich die zeitgenössische Choreografie da hinein begibt, findet sie sich mit zwei diskursiven Rampensäuen konfrontiert, die die Soap bereits so richtig filettiert haben: die Franko-Österreicher Superamas in ihrer „Big“-Trilogie und New Yorker Big Art Group, etwa bei „Shelf Life“ oder „Flicker“. Da sind messerscharfe und pointierte Arbeiten entstanden, die Phänomene wie Medialität und Erzählung, Konsumismus und Körper, Wiederholung und Variation, Projektion und Liveness, Serialität und Perversion mit hervorragenden DarstellerInnen und dramaturgischer Originalität dargestellt haben.

Natürlich ist neben Superamas und Big Art noch jede Menge Platz - etwa für eine Aufarbeitung des Verhältnisses zwischen den Figuren und ihren Fans, für das Entflechten von Charakteren, für Reenactments oder für die Darstellung der Wertekataloge, wie sie in Soaps hergestellt werden. Nichts von dem und auch sonst keinen relevanten Ansatz enthält das Stück „Dream Season“ der Schweizer Choreografin Alexandra Bachzetsis, in dem das Thema der Soap noch einmal aufgegriffen ist.

Wo waren da die zauberhaften Hexen?

Bachzetsis stellt einfach eine erfundene Soap in drei Folgen auf die Bühne, macht ein bißchen Zauber mit zwei Kameras und zwei Monitoren. Sie drapiert ein paar Charaktere, die eine irgendwie verzerrte Pseudohandlung durchstehen müssen. Es gibt ein wenig mehr Gevögle als in einer typischen Vorabend-Soap, und Anspielungen auf Herrentröster wie Lesbenlolita-Imitationen. Das war's.

Auch die Darsteller haben es schwer. Gabriel Schenker, der in Doris Stelzers „Gender Jungle“ noch einigermaßen gut gesetzt war, stürzt bei Bachzetsis vollends ins Klischee des tumben Schönlings ab. Und Nic Lloyd, der die einzig gelungene Passage in Simone Aughterlonys und Isabelle Schads Stück „Sweet dreams are made“ zu verantworten hatte (wobei half, daß Aughterlonys Textpassage für diese Passage exzellent war), verliert seine darstellerische Glaubwürdigkeit während der Schweizer „Dream Season“ in ödestem Geplapper.

Es ist leider nicht so gekommen, daß Bachzetsis erfolgreich die Seichtheit der Soap darstellt, sondern vielmehr so, daß die Art ihrer kritischen Annäherung an diesen TV-Irrsinn künstlerisch wesentlich oberflächlicher ist als im Vergleich selbst die denkbar oberflächlichste Seifenoper auf ihrer Ebene. Ach, hätten ihr bloß Piper, Paige und Phoebe beigestanden...


(22.2.2010)