CORPUS Suche


Griffige Genitalarbeit

Drucken
PIETER AMPE UND GUILHERME GARRIDO BEI [8:TENSION] / IMPULSTANZ 2010

Von Luzie Ferrara




Die beiden jungen Männer werfen sich ins Publikum, ohne die Tribüne jemals zu betreten. Sie wenden sich oft direkt an ihre Zuschauer. Sie zeigen: Das alles passiert jetzt für Euch! Und sie haben einige Tricks auf Lager, die wirklich gut funktionieren – vor allem, wenn, wie bei der Wiener Aufführung von „Still Standing You“ bei ImPulsTanz, ganz viele kinästhetisch besonders sensible TänzerInnen im Publikum sitzen. Die sich mit Peter Ampe und Guilherme Garrido auch identifizieren und so richtig mitleiden, sobald ein Ledergürtel auf nackte Haut klatscht und grellrote Striemen hinterlässt, oder die beiden ihre Vorhäute dehnen, oder einer dem anderen auf die Knöchel springt.

Vor allem Frauenstimmen werden im Auditorium vernehmbar, gerade bei den präputialakrobatischen Szenen. In einer Mischung aus Lust- und Schreckensschreien. Die Schwerarbeit am Darstellen einer leidenschaftlichen Männerfreundschaft packt das weibliche Publikum bei ihrer Empathie. Sehr interessant. Am Ende des zum Teil wirklich lustigen Stücks ist trotzdem klar, dass es zu lange gedauert hat, dass Ampe und Garrido sich an Gags abgearbeitet haben. Und dass die beiden in die Kiste gegriffen haben, aus der sich auch Zirkusartisten bedienen – da fehlte nur noch das Trapez oder die ganz, ganz gefährliche Tigerkatze.

Herausragend bei „Still Standing You“ ist letztlich die Genitalarbeit der beiden Komödianten, die im Tanz mit solch unpathetischer Offenherzigkeit wohl noch nicht zu sehen war. Bravo! Das Duett ist temperamentvolles Entertainment mit Griff und Zug. Mehr aber leider auch nicht.

(10.8.2010)