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THERAPIE & KiD-ÜBUNGEN FÜR KÖRPERLICHE BEWEGUNGSFREIHEIT UND SCHMERZFREIHEIT
Von Kurt Mosetter
Traditionelle Muskelbehandlungen
Die Muskulatur des Menschen wird in der angewandten Medizin häufig zu wenig oder zu einseitig berücksichtigt. Auch bei den unterschiedlichsten Trainings- und Therapieformen werden in der Regel einzelne Muskeln oder Muskelpartien berücksichgtigt. Muskeln können bei Bedarf trainiert und gestärkt werden; bei starken Verletzungen können sie operativ behandelt werden; einzelne Muskeln können aber auch gedehnt oder einfach nur massiert und eingerieben werden.
All diese Möglichkeiten haben gemeinsam, daß sie stets nur eine bestimmte Muskelmuskelgruppe trainieren und diese isoliert betrachten. In vielen Fällen und insbesondere bei komplexen, vielschichtigen Bewegungskonzepten jedoch zeigt es sich, dass Trainingsideen, die sich jeweils nur auf einzelne Körperpartien konzentrieren, die individuellen Möglichkeiten nicht erfassen können.
Die Grundlagen
Der lebendige Organismus ist in biomechanischer Hinsicht so gebaut, daß er den physikalischen Kraftgesetzen folgt. Der Gesamtzustand eines solchen Biomechanismus ist dann gesund, wenn die verschiedenen Kräfte harmonisch und ausbalanciert miteinander wirken und arbeiten. Jeder Verstoß und jede Mißachtung dieser Balance (in Form von mangelnder oder einseitiger Bewegung, Überlastung, Unfällen etc.) zieht entsprechende Einschränkungen oder Schädigungen nach sich. Die körperliche Meldung eines solchen Verstoßes (die Bewußtwerdung) geschieht durch Schmerz. Schmerzen können als Ausdruck eines gestörten Gesamtgleichgewichts der Bewegung und Körperdynamik betrachtet werden. (Ohne diese Schmerzsignale würden viele Verstöße und Fehlbelastungen nicht bemerkt werden - unabänderliche Schädigungen und Verletzungen des Organismus wären die Folge.)
Wichtig ist nun, daß bei solchen Schmerzen nicht nur die betroffene Stelle des Körpers behandelt wird. Die jeweilige Problemstelle darf nicht von dem biomechanischen Gesamtnetz des Organismus isoliert und abgesondert werden. Schmerzbereich Schmerzursache befinden sich meist verschiedenen Körperstellen.
Ein therapeutischer Zugang über das Nervensystem
Der menschliche Organismus ist ein sich selbst regulierendes System, das man indirekt, also über seine verschiedenen Messfühler und Sinne, beeinflussen und behandeln kann: Die Myoreflextherapie arbeitet an den Druck-, Muskel- und Sehnenfühlern. Indirekt erreicht sie über diese Fühler (Sensoren) die inneren Schaltzentralen des Patienten, sein zentrales Nervensystem und sein Gehirn. Durch einen allmählichen manuellen Druckanstieg am Muskel-Sehnen-Knochen-Übergang werden über die Muskelfühler muskuläre Spannungen erzeugt. Um der eigenen Körperlichkeit wieder gewahr zu werden, werden die Messwerte dabei sanft übersteuert.
Wie der Name Myo-Reflex-Therapie sagt, geht es bei diesem Therapie- und Übungs-Konzept primär um die Muskulatur (griechisch: myo) des Menschen. Zum einen werden diese über körpereigene Reflexe in ihrer Grundanspannung reguliert. Überdies meint der Begriff Myo-Reflex, dass der Patient in der Therapie und über die Übungen eine Spürhilfe bekommt. So wird dem Organismus sein eigener körperlicher, neuromuskulärer Zustand vermittelt, also gespiegelt und reflektiert und damit der Selbstregulation (wieder) zugänglich gemacht. Es geht also in erster Linie um die Auflösung der zu hohen körperlichen Anspannung im Muskel-Nerven-System.
Die KiD-Übungen (Kraftentfaltung in Dehnungspositionen) lösen an den Messfühlern und Ansätzen der Muskulatur dieselben Regulationsvorgänge aus, wie sie durch die Myoreflextherapie hervorgerufen werden. Was in der Myoreflextherapie der Fingerdruck des Therapeuten leistet, nämlich die gezielte, systemische, sinnvoll kombinierte Stimulation der Muskelfühler, das leistet bei den KiD-Übungen die aktive Körperbewegung des Patienten und die ausgewogene Inanspruchnahme und Berührung der verschiedenen Muskel- und Bewegungslinien. Ist diese gewährleistet, sind vielschichtige, komplexe Bewegungen mit mehr körperlicher Leichtigkeit und Unfallsicherheit möglich.
Weitere Informationen unter: www.myoreflextherapie.de
Copyright Vesalius Konstanz, mit freundlicher Genehmigung.
Literatur:
Mosetter, Kurt / Mosetter, Reiner, „Myoreflextherapie: Muskelfunktion und Schmerz.“, Vesalius, Konstanz 2001.
Mosetter, Kurt / Mosetter, Reiner, „Kraft in der Dehnung“, Walter, Düsseldorf, Zürich 2003.
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