Übersetzung des Beginns aus dem Französischen von Werner Rappl.
Réfutation de tous les jugements, tant élogieux qu'hostiles, qui ont été jusqu'ici portés sur le film "la société du spectacle"
["Zurückweisung aller Kommentare, sowohl der lobenden wie auch der ablehnenden, die bisher zum Film 'Die Gesellschaft des Spektakels' vorgebracht wurden"]
SW 30 Minuten
Drehbuch und Regie: Guy Debord
Oktober 1975
Montage: Martine Barraqué
Assistant-monteur: Paul Griboff
Mixage: Paul Bertauld
Copyright: Simar Films
Zwischentext
"Es gibt Zeiten, in denen man die Verachtung nur sparsam zuteil werden lassen darf, da es so viele gibt, die ihrer bedürfen." Chateaubriand
Die Organisation der gegenwärtigen Klassengesellschaft als Spektakel hat zwei überall erkennbare Folgen: einerseits die allgemeine Fälschung der Produkte und der Überlegungen; andererseits den Zwang, dem sich alle ausgesetzt sehen, die in dieser Gesellschaft ihr Glück finden wollen, sich immer in großer Entfernung von dem zu halten, was sie vorgeben zu lieben - da sie nie über die intellektuellen oder anderen Mittel verfügen, eine direkte und tiefergehende Kenntnis, eine vollständige praktische Erfahrung und einen authentischen Geschmack davon zu erhalten.
Was bereits offensichtlich ist, wenn es sich um das Wohnen, den Wein, den Kulturkonsum oder die Lockerung der Sitten handelt, muß freilich noch offensichtlicher sein, wenn es um die revolutionäre Theorie und den furchtbaren Ton geht, in dem sie über eine verdammte Welt spricht.
Diese naive Fälschung und diese unbedarfte Zustimmung, die gleichsam den spezifischen Geruch des Spektakels ausmachen, illustrieren also auch die verschiedenen verständnislosen Kommentare, die auf den Film "Die Gesellschaft des Spektakels" antworteten.
Das Unverständnis ist in diesem Fall noch einige Zeit geboten. Das Spektakelist eher ein Elend denn eine Verschwörung. Und diejenigen, die in den Zeitungen unserer Zeit schreiben verbargen uns ihre Intelligenz keineswegs: sie setzen alles davon ein, was sie haben.
Die Zuschauer finden nicht was sie begehren; sie begehren das, was sie finden.
Das Spektakel erniedrigt die Menschen nicht, bis sie es lieben; aber viele werden bezahlt, um sich den Anschein zu geben. Da sie jetzt nicht mehr so weit gehen können, zu versichern, diese Gesellschaft sichere ihre volle Zufriedenheit, beeilen sie sich, ihre Unzufriedenheit mit aller bestehenden Kritik kundzutun. Alle Unzufriedenen meinen, daß sie Besseres verdienten. Aber glauben sie, daß man sie überzeugen will? Meinen sie es wäre noch Zeit für sie, sich einer solchen Kritik anzuschließen, wenn sie plötzlich ihre Zustimmung fände? Glauben sie, sprechen zu können und vergessen zu lassen, von welchem Ort aus sie sprechen, sie, die dürftig untergebrachten Mieter des Hoheitsgebiets der Zustimmung?
Die hartnäckigsten dieser bankrotten Lügner geben überdies vor, sich zu fragen, ob die Gesellschaft des Spektakels wirklich existiert oder ob sie nicht vielleicht von mir erfunden wird. Aber seit einigen Jahren hat sich der Wald der Geschichte gegen ihr gezinktes Kartenschloß in Bewegung gesetzt und ist in diesem Augenblick eben dabei, die Umzingelung enger zusammenzuziehen. Nahezu alle Kommentatoren besitzen gegenwärtig die Infamie, die Vorzüge meines Buches zu loben, so als wären sie in der Lage, es zu verstehen und als hätten sie es 1967 mit solchem Respekt aufgenommen. Aber sie finden im allgemeinen, daß ich ihre Geduld mißbrauche, indem ich das Buch auf die Leinwand brachte. Und das ist ihnen umso unangenehmer, als sie sich nicht vorstellen konnten, daß eine solche Überschreitung möglich wäre. Ihre Wut bestätigt, daß das Auftauchen einer solchen Kritik im Kino sie mehr beunruhigt als in einem Buch.
Lyotard, Castoriadis - ramasse-miettes à la traîne. Krümelbesen/Schleppnetzfischer
Die Linke kritisierte den Film einhellig als schlechtes Kino, aber: ihre scharfe Ablehnung rührt daher, daß:
der Film ist die exakte Kritik der Gesellschaft, die sie nicht zu bekämpfen verstehen und ein erstes Beispiel für das Kino, das sie nicht zu machen verstehen.
Die Bilderfolge ähnelt Debords früheren Filmen und ist auch ohne Text amüsant. Weniger genau konstruierte dialektische Spannung Bild-Text.
Der Text ist ein allgemeiner Kommentar zur Kritik an seinem Werk und an einigen wenigen Stellen auch konkret an der Kritik am Film.
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Trauerzug
Autoauffahrunfall: Alle fahren auf. Nur das letzte Auto weicht rechtzeitig aus, fährt vorbei und blickt zurück.
Strip Tease + Verkehrsstaumeldungen
Nelkenrevolution
Front Populaire: Rhetorik des Faschismus von Robert Salengro
Entgegnung der Kritik, einen Ghettofilm gemacht zu haben: Ich bleibe lieber bei den Massen
Jesuitischer Vorwurf, sich durch den Film am Spektakel beteiligt zu haben
Werbefilm: Die Südstaaten, Kavallerie zieht in den Krieg. Sie lassen ihre Häuser, ihre Feste. Wer das nicht kennenlernen durfte, kennt das süße Leben nicht. Ihre Welt ist untergegangen und dann die Schlußfolgerung mit hegelianischer Brutalität : was geblieben ist, ist Ice Tea.
Abschluß: Begräbnis, Trauerzug (Kritik wird zu Grabe getragen)
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