:Politische Parallaxe

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DANIEL ASCHWANDEN, CECILIA BENGOLEA, MARCO BERRETTINI, BOYZIE CEKWANA, FRANÇOIS CHAIGNAUD, IVO DIMCHEV, JAN FABRE, MARLENE FREITAS, DEABORAH HAY, TRAJAL HARRELL, MARIA HASSABI, CLEMENT LAYES, MICHAEL O’CONNOR, ESZTER SALAMON, ROBERT STEIJN UND WIM VANDEKEYBUS

Das corpusKollektiv hat nie einen Unterschied zwischen ästhetischer, publizistischer und politischer Praxis gemacht. Bei allem Bewusstsein gegenüber den Abgründen zwischen diesen drei Aktionsfeldern erscheinen uns ihre dichten Verbindungsstrukturen als genau das, woran es sich zu arbeiten und worüber es sich laut und öffentlich zu denken lohnt.

Und weil corpus ein permanentes Forschungsprojekt ist, arbeitet das Kollektiv auch nicht an abschließenden Affirmationen oder zynischen Relativierungen, sondern stellt Gewissheiten in Frage, ohne dabei die Haltung preisgeben zu müssen, dass über die asymmetrischen Logiken von Kunst Welthaltigkeiten auch dort zu entdecken sind, wo sie sich nicht anpreisen.

Daher folgt corpus auch in seiner inneren Dynamik keiner Symmetrie, sondern einer Art von Gesetzlosigkeit, die uns durchlässig genug macht, um manchem Irrwitz, der uns entgegenkreischt, begegnen zu können. Das ist unsere Politik. Was ist das Politische im Tanz?, haben wir uns gefragt, als wir uns daran machten zu überlegen, wonach wir das diesjährige Impulstanz-Festival durchsuchen könnten.

Also ersuchten wir einige AutorInnen, eine kleine Auswahl unter den Arbeiten, die bei Impulstanz 2011 zu sehen waren, unter dem Aspekt ihrer politischen Perspektiven zu reflektieren. Wir wollten so die Parallaxen zwischen dem vermessen, was den Stücken an Politischem eingeschrieben ist, und den unterschiedlichen Herangehensweisen emanzipierter Lektüren.

Wenn wir diese ganz unterschiedlichen Strategien folgenden Lesarten nun hier zur Lektüre anbieten, dann mit der Absicht, den LeserInnen von corpus das Vergnügen zu bereiten, diese Verschiebungen aus den unterschiedlichen Texten auf sich wirken zu lassen. Darin eröffnet sich ein politisch-ästhetischer Raum, den nur eine bestimmte Parallaxe – wie der Abstand zwischen unseren beiden Augen das dreidimensionale Sehen ermöglicht – erlebbar macht. Die Selbstverständlichkeit des Formats der Besprechung einer künstlerischen Arbeit und die der eingehenden Analyse relativieren sich im publizistischen Hybrid.

Zusätzlich enthält diese elfteilige Textsammlung Lektüren von KünstlerInnen (Julius Deutschbauer, Jack Hauser, Andrea Salzmann, Mario Sud, Heidi Wilm) und theorieorientierten AutorInnen (Astrid Peterle, Helmut Ploebst). Wobei die Ungesehene Aufführung von Deutschbauer ungefragt redaktionell „eingemeindet“ wurde, als fröhliches methodisches Alien, das die Asymmetrie dieses Projekts noch verstärkt. (corpusRedaktion, 26.8.2011)


INHALTSÜBERSICHT :POLITISCHE PARALLAXE


Eszter Salamon: Dance for Nothing und Dance #2
:This story makes no money
Von Mario Sud

Jan Fabre Prometheus – Landscape II und Wim Vandekeybus Oedipus / Bêt noir
:Das Baby als Bild
Von Helmut Ploebst

Trajal Harrell, Cecilia Bengolea, François Chaignaud & Marlene Freitas: (M)imosa
:A YES like that
Von Andrea Salzmann

Michael O’Connor / Deborah Hay: News
:Politik des Scheiterns
Von Astrid Peterle

Maria Hassabi & Robert Steijn: Robert and Maria
:Differenz und Teilhabe
Von Mario Sud

Marco Berrettinis Si, viaggiare
:Is anybody out there?
Von Heidi Wilm

Boyzie Cekwanas Influx Controls: I wanna be wanna be
:Rache ist möglich
Von Andrea Salzmann

Clement Layes: Allege
:Die Mechanik
Von Astrid Peterle

Ivo Dimchev: We.art.dog.come
:Auf den Hund gekommen
Von Mario Sud

Wim Vandekeybus’ Monkey Sandwich und Daniel Aschwandens Parcours II
:Eintragungen eines bizarren Liebhabers
Von Jack Hauser

Ivo Dimchev: I-ON
:Ungesehene Aufführungen (18)
Von Julius Deutschbauer