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30 POSITIONEN ÖSTERREICHISCHER GEGENWARTSKUNST
Von Helmut Ploebst
Das
Wiener autonome Kulturzentrum WUK (Werkstätten- und Kulturhaus) ist ein
geradezu idealer Präsentationsort für interdisziplinäre zeitgenössische
Kunst.
Mit seinem „Großen Saal", dessen geräumigem Foyer, dem Studio „Im_flieger", einem kleinen Kino, dem „Projektraum" und zahlreichen anderen Möglichkeiten wie einer Fotogalerie und der Kunsthalle Exnergasse könnte das WUK der Brennpunkt für aktuelles Kunstschaffen in der österreichischen Hauptstadt sein. Darauf hat jedenfalls die „Plattform für künstlerische Positionen im Dazwischen" mit dem Titel „Crossbreeds" vom 30. Jänner bis zum 2. Februar 2007 aufmerksam gemacht. Ein Zeichen, das das Kulturzentrum auch wirklich nötig hatte.
Ein Kunst-Generator
Denn durch Geldmangel, seine zähe basisdemokratische Struktur und teilweisen Mangel an Ideen und Engagement ist das WUK während der vergangenen fünf Jahre in einen Dornröschen-Halbschlaf verfallen, aus dem sich auch bei angestrengtem Horchen kaum noch Impulse für die Stadt vernehmen ließen. Mit „Crossbreeds" erinnerten nun die beiden Künstlerkuratorinnen Anita Kaya und Katherina Bauer daran, was in der ehemaligen Lokomotivenfabrik so alles möglich ist. Kaya, die künstlerische Leiterin des im Haus integrierten Projekts „Im_flieger" hat damit nicht zum ersten Mal bemerkenswerte Initiative bewiesen. Das tat sie bereits mit der Gründung von „Im_flieger" als offenen Ort für performative Äußerungen. Und vor zwei Jahren mit dem österreichisch-rumänisch-französischen Künstlerprojekt „Terrains fertiles", das prompt auch den Innovationspreis der IG Kultur erhielt.
„Crossbreeds" nutzte das immer noch herausfordernde Format des Parcours, das dem Publikum Gelegenheit gibt, künstlerische Arbeiten an verschiedenen Orten eines architektonischen Komplexes zu erleben und nicht in ein und derselben Raumschachtel verbleiben zu müssen. Dabei war wieder einmal zu erleben, daß das WUK wie geschaffen für diese Präsentationsform ist. Gezeigt wurden Performances, Choreografien, Workstations, Installationen und Videos von überwiegend lokalen Kunstschaffenden. Das Motto des Hybrids klingt nicht besonders einfallsreich, schließlich haben Kunstwerke in „der Verschränkung von Tanz, Performance und Neuen Medien" bereits eine beachtliche Tradition. Aber Kaya und Bauer ging es eigentlich um keine spezifische kuratorische Stoßrichtung, sondern vielmehr um das Vergnügen an der Vielfalt von Kunst auf diesem Feld. Das Publikum konnte so seine eigenen Querverbindungen ziehen.
Machacek „Am Apparat“
Ein Teil der Wiener Choreografie-Szene zeigte aktuelle Annäherungen, darunter solche von Lisa Hinterreithner und Mariella Greil. Jan Machacek, der im Schnittbereich von bildender Kunst und Choreografie arbeitet, präsentierte seine bereits vor dreieinhalb Jahren entstandene Performance „Am Apparat", ein so hochintelligentes wie ironisches Ineinanderfalten von analoger Körperpräsenz und digitaler Projektion, voll von überraschenden Perspektivwechseln. Georg Blaschke tanzte mit einer fabelhaft wandlungsfähigen Sabile Rasiti light, clever und easy „12manandawomanwaltzes". Das neben dem Machaceks vielleicht wichtigste Statement war „Pièce touchée No.1" von Kenji Ouellet mit Katharina Weinhuber, eine ausschließlich haptische Choreografie. Ganz im Sinn der für die zeitgenössische Livekunst immer wichtiger werdende Face-to-Face-Performance luden Ouellet und Weinhuber je eine bis zwei Personen pro Set in einen Raum. Die Augen der BesucherInnen wurden abgeklebt, die Performance sprach vor allem den Tastsinn an.
Unter den im Installationsbereich ausgestellten Videos stachen vor allem Lisa Truttmanns 17-Sekunden-Clip „Showtime" mit der leider viel zu selten in Erscheinung tretenden Tänzerin Eva Hagedorn und Christina Gillingers Beckett-Spiel „CLOV performt nicht" hervor. Das intime WUK-Kino offerierte drei Programme mit unter anderem einem „Raumzeittanz" von K arl Kühn, der sehr an Martin Reinharts tx-transform-Technik erinnerte, allerdings in allzu schrottiger Videoqualität gezeigt wurde. Margit Nobis extrapolierte für „Defragged" ein Monster aus einem Videospiel, und Gina Battistich & TimTom versuchten eine irritierende „Studie Null". Steve Carson arbeitete die Tänzerin Marina Losin in atopische, virtuelle Architektur- und Städtebauverfremdungen ein. Oleg Soulimenko überraschte mit dem satirischen Minimal „Cheglakov.Seasons.Winter", Machfeld/Sabine Maier schickten Sabina Holzer und Katarina Mojzisova in das Wrack eines Schwimmbades, und Stephan Richter verbannte die in einen Fechtanzug gehüllte Tänzerin Julia Mach in einen weißen Unraum.
Zusammen mit den Installationen und den Liveperformances eröffneten diese Videos eine heterotopische Kunstwelt mit starken Diskurslandschaften. „Crossbreeds" war ein künstlerischer wie kuratorischer Erfolg und konnte nachweisen, daß Formate wie dieses noch lange nicht ausgereizt sind.
(5.2.2007)
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