Robbie Williams und das Bolschoi |
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ANDREI ANDRIANOV & OLEG SOULIMENKO MIT “MADE FOR RUSSIA” IM WIENER BRUT
Von Astrid Peterle
Fortsetzungen von Publikumserfolgen werden häufig sehnsüchtig erwartet und sind deshalb mit dem großen Risiko verbunden, Erwartungshaltungen des Publikums schließlich zu enttäuschen. Das russische Duo Andrei Andrianov und Oleg Soulimenko hat dieses Risiko auf sich genommen und zu ihrer erfolgreichen, amüsanten wie scharfsinnigen Performance Made in Russia eine Fortsetzung entwickelt.
In Made in Russia konstruierten Soulimenko, der seit mehr als einem Jahrzehnt in Wien bzw. dem „Westen“ lebt und arbeitet und Andrianov, dessen Arbeitsmittelpunkt in Moskau liegt, ihre fiktiven Lebensläufe. Dabei spielten sie mit „westlichen“ Klischees von Russland, lustvollem Dilettantismus, beruflichen Vorbildern und dem alltäglichen Kampf als Performance-Künstler um Anerkennung und finanzielle Förderung. Bereits hier spielten einzelne Stars eine wichtige Rolle – so tauchten als „westliche“ und „östliche“ Idole und verehrte GroßmeisterInnen Jean-Luc Godard und die Primaballerina Maja Plissezkaja auf.
In ihrer Fortsetzungs-Performance Made for Russia, die am 29. Juni im Brut uraufgeführt wurde, treiben Andrianov und Soulimenko den Starkult unserer Tage auf die Spitze: Die Performance besteht aus einer Aneinanderreihung von gescheiterten Versuchen, absurde Starpaarungen als Performance-PartnerInnen für das Duo Andrianov & Soulimenko auf die Bühne zu bringen. In Russisch (ein Simultandolmetscher für die Übersetzung ins Englische war hinter einem roten Vorhang auf der rechten Seite der Blackbox-Bühne versteckt) entspinnt sich der immer wieder gleiche Dialog zwischen dem Duo: „Stellen Sie sich vor, XYZ würde heute mit uns auf der Bühne stehen...“
XYZ steht für 16 Paare, bestehend jeweils aus einem russischen oder ehemals sowjetischen Celebrity-Idol und einer „westlichen“ Kultfigur: So wurde vom Performer-Duo die Möglichkeit durchgespielt, u.a. Fjodor Dostojewski und Julia Roberts, David Lynch, den Meister des mysteriösen Grauens und die gruseligen Popsternchen t.A.T.u. oder Robbie Williams und das gesamte Bolschoi Ballett auf die Bühne zu bringen. Das Scheitern stand im Fokus der Performance, die dramaturgisch betrachtet das Thema Repetitivität bis zum Äußersten ausreizte. Jeder der 16 Versuche musste scheitern, wobei das Performer-Duo sowohl die eingeschränkten finanziellen Ressourcen für ein Engagement der Stars als auch die Sinnhaftigkeit der absurden Konstellationen als Gründe anführte.
Fortsetzung gelungen
Gepaart wurde die im Vergleich zu ihrer Vorgängerin deutlich textlastigere Performance mit slapstickhaften Bewegungsabläufen, die sich auf zwei Formen von Auf- und Abtritten mit Variationen beschränkten. Was vielleicht bei ZuschauerInnen, die sich selten Performances im zeitgenössischen Tanz-Bereich ansehen, eine gewisse Fadesse entfaltete (wie aus einigen Publikumsreaktionen nach der Performance geschlossen werden konnte), bot für geübte ZuschauerInnen vielschichtige Bezugspunkte zu anderen ChoreographInnen beziehungsweise Diskursen innerhalb der zeitgenössischen Choreographie.
So spielte Made for Russia mit Elementen, die etwa Jérôme Bel in den letzten 15 Jahren auf prominente Weise ins Performance-Geschehen einbrachte: das Zelebrieren und Dekonstruieren von Auf- und Abtritten, die verbale Reflexion des Performanceprozesses auf der Bühne, das Benennen und Eingestehen des Scheiterns, der Verweis auf „Kultfiguren“ als Projektionsfläche von Sehnsüchten, das Spiel mit Absenz und Präsenz, die Dekonstruktion von tänzerischen Konventionen und Normen. Als weitere Referenz kann die „selbst“-reflektive Form bezeichnet werden: Die Frage „Wie soll meine/unsere Performance aussehen?“ und die Suche nach einer zündenden Idee hat in Wien etwa erst vor kurzem Xavier Le Roy in seiner Lecture-Performance im Rahmen der Festwochen-Reihe „Alles anders?“ thematisiert.
Andrianov und Soulimenko ist eine Fortsetzung gelungen, die in ihrer Form nicht ganz an die Vielschichtigkeit der Vorgänger-Performance heranreicht, aber, wenn sich die ZuschauerInnen darauf einlassen (können), zahlreiche Anknüpfungspunkte zur Reflexion gegenwärtiger Performance-Formen und -Tendenzen bietet. Und nicht zuletzt verweist das Stück – Tragik in amüsanter Verpackung – auf eine brennende und äußerst prekäre Problematik, von denen viele freischaffende, darstellende KünstlerInnen (national und international) betroffen sind: Die finanzielle Unterstützung rasselt mehr und mehr in den Keller – und davon sind auch „Stars“ betroffen.
(2.7.2010)
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