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EIN "YOUDREAM" DER SUPERAMAS IM TANZQUARTIER WIEN
Von Astrid Peterle
Nach dem Motto „sharing is caring“ stellte das französisch-österreichische Künstlerkollektiv Superamas im Tanzquartier sein neuestes, nach eigenen Angaben „multilayered“ Performance-Projekt Youdream vor. In gekonnt souveräner Weise verschachtelte Superamas verschiedene mediale Ebenen, um sich so vordergründig dem Thema Traum anzunähern. Als Annex an den www.you-Hype der vergangenen Jahre konzipierte das Kollektiv eine Internet-Plattform, in deren simuliertem Chatroom die KünstlerInnen über Träume diskutieren und jedermann einen Video-Podcast über seinen Traum hochladen kann.
Mit diesem auf eine Leinwand projizierten Chatroom nahm auch die Performance ihren Anfang – und brachte zweierlei Überraschungen für die ZuschauerInnen. Nichts ist, wie es scheint: Nach einigen Minuten offenbart sich, dass die Videos aus dem Chatroom tatsächlich live hinter dem Vorhang produziert werden. Und was sich als Traumintrospektion ausgibt, ist vielmehr eine Satire über den Traum eines vereinten Europa, in der die ProtagonistInnen einander beim Verkörpern von Länder- und Geschlechter-Klischees überbieten. Philippe Riéra, der als charmant-unheimlicher Conférencier durch den Abend führte, leitete zur nächsten Ebene der Performance über, in der das Publikum zum Mitmachen animiert wurde.
Der Rocker strippt und kiss, kiss
Einige ZuschauerInnen kamen so in den Genuss, ihre geschilderten Träume vom Kollektiv reenacted bzw. interpretiert zu bekommen. Aus einem Traum über verfolgende Monster wurde dabei ein Langhaar-Rocker-Striptease und aus dem Traum eines Vaters über seine zu beschützende Tochter eine Kuss-Szene mit Britney-Spears-Melodie-Untermalung – ein gelungenes Auf-die-Schippe-Nehmen von Traumanalysen und dem Glauben an die Authentizität von Live-Performances (waren etwa die Handlungen der PerformerInnen wirklich improvisiert?).
Virtuos schließlich der Übergang zur nächsten medialen Ebene der Performance – dem Höhepunkt von Youdream: In einem Film wurden politik-, film- und Superamas-historische Referenzen zu einem packenden Mini-Thriller verwoben, in dem Nazis, Napoleon und Maria Walewska (ein Zitat aus Superamas’ Vorgängerstück Empire) sowie eine queere Country-Music-Performance für Spannung sorgten. Der verschiedenen Ebenen war mit diesem Film aber noch nicht genug. Während sich die Tänzerin Agata Maszkiewicz plötzlich anstatt auf der Leinwand live in die Rolle der Geliebten Napoleons, Maria Walewska, versenkt, betreten seltsame Gestalten die Bühne, die an allerlei Kinofilme der letzten Jahre erinnern: vom Coen-Brothers-Cowboy, dem American-Psycho-Telefonieren im Duschhandtuch bis zum Pole-Dancing à la Sofia Coppolas „Somewhere“. Wie so oft in Träumen kippt die Handlung mehr und mehr ins Absurde – der Weg vom Kettensägenmassaker zum Regenbogen ist zumindest im Traum nicht weit.
Superamas haben sich mit dieser Gratwanderung zwischen den Medien, dem Realen und Fiktionalen wieder einmal selbst übertroffen. Und erneut bewiesen, dass man das Übel – hier in Form einer aus den Rudern gelaufenen Unterhaltungsindustrie – am besten mit dessen eigenen Waffen schlägt.
(2.2.2011)
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