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Staubsauger am Nabel

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MICHAEL O’CONNOR MIT "YOU ARE THE SUBJECT OF MY SEEING" IM TANZQUARTIER WIEN

Von Andreas Fleck




Nach seiner ersten Soloarbeit a waiting dog dies und Auftritten als Performer u.a. in Willi Dorners Bühnenproduktion Dolly and me brachte der junge amerikanische Performer und Choreograf Michael O'Connor seine zweite Soloperformance You are the subject of my seeing in den Tanzquartier Studios zur Uraufführung.

„Am I in control of the image being made of me“, steht in schwarzen Großbuchstaben an der weißen Wand des Bühnenraums, darunter ist mit schwarzem Edding-Stift ein Rahmen gezeichnet. Den Bühnenraum bildet ein auf die Ecke eines White Cube reduzierter Bereich, die Antwort auf diese Frage ohne Fragezeichen sollen Körperbilder geben, die durch muskuläre Anstrengung, Schmerz, Verrenkung, extreme Dehnung oder Repetition von Bewegungen ge(kenn)zeichnet sind. Ein in die Waagrechte gestrecktes Bein kämpft mit zuckenden Muskeln gegen die Schwerkraft, der übrige dazugehörende Körper gegen den Verlust des Gleichgewichts. Beide scheitern, die Übung ist zu Ende, die Kontrolle verloren, nächstes Bild.

Ästhetisch gelungene Momente, in denen O'Connor u.a. mit Hilfe eines Staubsaugers die Silhouette eines Menschen aus einem Flecken aus auf Boden verstreutem Sand „zeichnet“, die zu „Crimson & Clover“ von Tommy James & The Shondells zunächst zum Leichenumriss des Performers und schließlich, nur durch eine Körperdrehung um 180 Grad in der Horizontalen, zum Partner beim Liebesspiel wird, wechseln sich mit weniger gelungenen Momenten ab, in denen O'Conner zum Beispiel zeigt, dass der Kontakt des davor noch gekonnt zum Einsatz gebrachten Staubsaugers mit einem menschlichen Nabel lustige Geräusche ergibt. Insgesamt wirkt You are the subjekt of my seeing etwas roh und unkonkret, dramaturgisch lose und in der Wahl der einzelnen Elemente beliebig.

Das Wissen des Publikums

Wer entscheidet nun aber über das Bild, das dem Zuschauer (von) dieser Performance bleibt? Der Künstler, der die Bewegungen im Jetzt ausführt, Gedanken aufgreift, zum Ausdruck bringt, diese verkörpert? Oder das Wissen des Publikums über Bewegungen, Gedanken und Ausdrücke, das als Teil der Erfahrung die Wahrnehmung der Geschehnisse im Jetzt beeinflusst? Natürlich wird das Bild des sich abarbeitenden Körpers der Gegenwart durch bereits existierende ähnliche Körperbilder verzerrt und transformiert, wodurch zumindest eine Teilantwort auf die Frage, die da so aufdringlich an der Wand geschrieben steht, gegeben wird. Viele der von O’Connor verkörperten Akte erinnern an bereits unternommene Zerreißproben, Kollisionen mit Mauerwerken und ähnlichen Bildern der Performancegeschichte.

Und klar verändern diese die Rezeption gegenwärtiger Ereignisse, die in Bezug und dadurch in einem ständigen Spannungsverhältnis mit diesen stehen. Dennoch kommt O'Connors Arbeit nicht über eine scheinbar wahllose Aneinanderreihung von Momenten des Kontrollverlusts durch Ausdauer, Anatomie, Reflexe und Belastbarkeit des menschlichen Körpers hinaus. So bleiben diese Momente Zitate, die kaum Einfluss auf die unmittelbare, konkrete Gegenwart ausüben können, und des weiteren nur allzu oft ein Spiel mit verschiedenen Formen der Bildgestaltung und deren Rahmung. „Am I in control of the image being made of me“ (?) – Ja und nein...


(17.2.2011)