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Tragödie der Kunstproduktion

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JAN MACHACEK MIT “CLOSEUPLAND” IM FRANKFURTER MOUSONTURM

Von Esther Boldt



Er scheint eine dankbare Inspirationsquelle für junge Theatermacher zu sein: Michelangelo Antonionis Film „Blowup“ von 1966. Darin wird die Kamera eines Modefotografen im Park zufällig Zeugin eines Mordes, der auf den Fotos erst in der Vergrößerung sichtbar wird – und dort fast wieder in der Körnigkeit verschwindet. 2006 bearbeitete Andrea Bozic vier Minuten Bewegungsmaterial des Films in ihrer Performance „Still Life with Man and Woman“, gezeigt beim Nachwuchsfestival Plateaux am Frankfurter Künstlerhaus Mousonturm. Die Live-Performance fungierte bei ihr als Filmset, per Kamera wurden die Performer in einen virtuell manipulierten Raum projiziert, die Handlungen und ihre Projektion in einen nicht auflösbaren Konflikt gebracht.

Ähnlich stößt sich beim diesjährigen Plateaux Jan Machacek an Antonionis Film an und ab. Der Medienkünstler und Performer spielt in „Closeupland“ mit der Bühnenperformance und ihrer medialen Reproduktion per Video: Auf einem grünen Kunstrasenquadrat, in dessen Mitte ein noch grüneres Kunstrasenquadrat liegt, werden zwei Performerinnen (Mariella Greil und Anat Stainberg) abwechselnd von einer Kamera verfolgt. Diese läuft über ihren Köpfen über ein Traversengestell, kann sich aber auch an einem beweglichen Arm zu ihnen herab bewegen. So schauen die Performerinnen ihr furchtlos ins Linsenauge, werfen sich vor der Kamera auf den grünen, grünen Kunstrasen oder heben ihn an einer Ecke an, um kokett einen roten Fleck auf der Unterseite zu finden.

„I felt really important“

Die Komplementärfarbe wird hier auch in Kostüm und Requisite gern gebraucht, und sie fügt sich dekorativ ins designt wirkende Bühnenbild – allein, es fehlt der Nutzen, und die imposante technische Einrichtung verkommt bald zum Selbstzweck. Die aufgenommenen Bilder werden später mit vorproduzierten Videos verschnitten, sodass die erinnerte oder noch aktuelle Bühnenhandlung und ihr vorgebliches Abbild irreduzible Abweichungen produzieren. Dass es manipulative Spielräume und Leerstellen gibt zwischen einem Gegenstand und seinem Abbild, ist weidlich bekannt – dieser Erkenntnis wird hier nichts hinzugefügt. Mit dem Bildermachen soll aber auch das Künstlersein zur Disposition gestellt werden: Da steht zu Beginn Andrei Andrianov am rechten Bühnenrand, die Stirn an eine Säule gelehnt, und erinnert sich, wie er in den Park ging, um das ultimative Bild und mit ihm einen Haufen Geld zu machen: „I felt really important.“ Später begegnet er seinem eigenen Gespenst, wenn ihm der Text noch einmal vom Tonband entgegentönt.

Mit einem Blatt Papier vor der Stirn gesichtslos gemacht, fällt sich Andrianov selbst immer wieder ins Wort und ätzt gegen sein Gerede von gestern: „Stop this bullshit. Stop drinking, begin thinking.“  Und ermahnt sich weiterhin: „You are an artist. Be more conceptual.” Die Ironie wird mit Ironie totgeschlagen, und was herauskommt, wirkt belanglos bis zynisch. So wünscht man sich am Schluss von „Closeupland“, die Künstler würden endlich darüber hinwegkommen, dass sie Kunst machen, um sich dann interessanteren Gegenständen widmen zu können.


(10.5.2010)