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Ungesehene Aufführungen (4)

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Schon wieder eine Aufführung, die ich nicht gesehen habe

"DER EINSAME SCHLUCKER. EIN SINGLEVERGNÜGUNGSPARK VON JULIUS DEUTSCHBAUER" BEIM DONAUFESTIVAL 2008 IN KREMS

Ein liederlicher Text von Julius Deutschbauer


Hätte ich mich endlich einmal von außen betrachten können, ich Eigenbrötler, wäre ich dieses Jahr zum Donaufestival Krems eingeladen gewesen?
Nur nach langen Überlegungen und Träumen... und auch, weil ich sehr viel an mich denken müsste.

Wäre ich dann endlich grenzenlos mit jemandem zusammen, ich Kompostbirne?
Und spräche bestimmt auch ständig über mich - was ich glaub eh immer zu tun -, obwohl vieles eher an dich gerichtet ist.

Was würde aus mir geworden sein, wenn ich nicht vom Intendanten des Donaufestivals nicht wieder ausgeladen worden wäre, ich Rückwärtsler?
Das wollte ich grad versuchen zu schreiben, indem ich versuchte, mir einen Brief zu schreiben (nur nicht an mich richtete).

Wie oft hätte ich mich nur mit den Augen dieses Fremden betrachtet, ich 28-Minutenei?
Was mich momentan echt zerrisse und scheinbar auch nicht zu einer Lösung brächte.

Und wenn dem so gewesen wäre, was hätte das besagt, ich bedauerlicher Sturz?
Ich glaub im übrigen nicht, dass es dies oder jenes besagte.

Welche Gesellschaft könnte man in einem abgesagten Singlevergnügungspark vorfinden, ich Interimsbrösel?
Es wäre schon komisch, mir gingen da so verschiedene Gedanken durch den Kopf.

Lustwandelte ich gerade als Single im Kremser Stadtpark, Verlustler? - Ungestraft?
Als was und wie auch immer. Und was ich dir noch alles sagen wollte, jetzt, wo...

Könnte ich mich nicht gleich ins nächste fremde Bett legen, ich Steissdecke?
Jetzt, wo ich einsam in Wien sitze, scheint alles wie weggewischt zu sein.

Besäße ich als Eremit inmitten all dieser Donaufestivalisten wenigstens Charisma, ich Warteschleife?
Um wenigstens meinen ganzen Zorn gegen mich (auch gegen mich) und alles und so weiter auf einen Punkt zu bringen und zu analysieren.

In der Zeitung wird manchmal über Fälle berichtet, in denen ein unschuldiger Intendant von einem unachtsamen Künstler überfahren wird. Wie sollte man zu einer solchen Tat stehen, Federtütchen?
Was ja meine Art wäre.

Wie hörte es sich an, wenn ich über wen meckerte, Ortskernspucker?
Was jetzt ja wirklich passiert.

Für wen öffnete ich mich, wäre ich jetzt auch in Krems, ich Gleitmittel?
Und sofort wünschte ich, dass es so wäre, wie es war, auch wenn dem nicht so ist.

Und was, wenn ich danach mit mir endgültig fertig wäre, ich Abläufer? Überträfe ich mich dann nicht selbst?
Dass ich mich überträfe, mich dabei selber träfe, Spaß hätte und mich stundenlang mit mir selbst unterhielte über alle möglichen Sachen, was ich sicher sehr genossen hätte - ja danach wäre ich endgültig fertig mit mir.

Gäbe es einen idealen Singlevergnügungsparkverlustler? Wie sieht er aus? Wie ich, ich Heularsch?
Scheinbar ist das irgendwie für mich nicht mehr möglich, obwohl ich mich sehr nach mir sehne.

Kann ich mir denn nicht mal drei Gründe nennen, warum ich hier allein bin und nicht am Donaufestival, ich Heimseminar?
Trotz aller Treffen, die mich immer wieder irgendwo rausgeholt haben.

Wenn jemand meine Einladung zum Donaufestival als Mythos oder Märchen bezeichnete, was sagte ich darauf,  ich Partnerdorf?
Wie bei allem, was einen eigentlich sehr gestärkt haben könnte, nicht?

Wie viel Einsamkeit steckt in Dir, Julius, dass du bei so einem Festival unbedingt dabei sein wolltest, Austrokoffer?
Aber mir auch seit jeher sehr vertraut: auf eine sehr spezielle Art und Weise.

Auf welche Weise markiert mich diese Absage, Wasgehtnochler?
Vielleicht ist das ja ein Punkt: geplatzt wie ein heißer Ballon.

Wäre es überhaupt möglich, im nüchternen Zustand am Donaufestival einsam zu sein, nasser Boden ich?
Vielleicht fühlte ich mich in meinem Vertrauen zu mir, zu meiner Einsamkeit, nur irgendwie betrogen.

Könntest ich denn nicht endlich aufhören, so herumzujammern, Mogelpackung?
In diesem Vertrauen, dass ich versuchte mir öfters zu erklären, warum ich  scheinbar nicht verstehe, nichts verstehe, nichts verstehen will, nichts besitze.

Wie werde ich in Künstlerkreisen jetzt wohl genannt, ich Niemand? - im Rotlichtmilieu oder - bei den anonymen Ausgeladenen?
Nach langen Gesprächen, Nacktkoch, Nacktkochenaktionist. Und warum forderte  ich das nur heraus, hätte ich es herausgefordert, ja vielleicht wäre es ein Test gewesen, wie weit ich nicht gehen würde.

Was würde aus mir, wenn es nie mehr eine Einladung zu irgendwas für mich gäbe, Faulschwemme?
Jede / jeder wüsste doch, wie sehr ich es liebte, Grenzen zu überschreiten, Wahrnehmungsgrenzen zu unterschreiten. Dass ich es liebte!

Was würde aus mir, wenn sich nie mehr eine IntendantIn nach mir sehnte, ich Chlorbleicher?
Trotzdem nicht glauben könnte, dass das jemand mit mir machte.

Wie nennt man Looser wie mich im Volksmund? Nebelkanne?
Das Schlimmere wäre dann wohl für mich, dass das jedermann zu mir gesagt haben würde.

Wie könnte ich wohl in einem Märchen über mich sprechen, Grimm? In etwa wie: Es war einmal ein Singlekönig, der ging bei Krems in die Donau und hatte tausendundkein Festival hinter sich...
Nur dass ich mich verletzt hätte, während ich mit mir wieder rumspielte.

Gäbe es irgendein Mittel, so zu tun, als gäbe es ein Donaufestival und all die anderen gar nicht, Mistelbauer ich - als wäre ich endlich allein?
Wo ich mich vielleicht nur selbst aufzöge und meinen Spaß hätte, mir aber wiederum jegliche Aussicht genommen hätte, ja, ja, das Vertrauen.

Was bedeutete es für mich, mich auf ein solches Festival einzulassen, und zwar absichtlich, ich trübes Plagiat?
Wovon ich hier redete, da ginge es wirklich nicht um den großen Pakt quasi füreinanderich, aber es wäre doch schon so eine Art Grundvoraussetzung.

Wie viel Absolut Water bräuchte ich wohl, um mich aus jedermanns Gedächtnis zu löschen, unbemannter Dreck?
Jedermanns, der mich mag oder möge oder sich mit mir einließe.

Vielleicht ertränke ich als einsamer Schlucker in der Donau, Teilvisage? - alle anderen natürlich gerettet und zweisam, nur ich mit dem Einzelzimmerschlauch in der Einsamkeitsau vergraben!
Was ich auch so fände, was wunderbar aufbauen könnte ich, aber was dann scheinbar doch gar nicht so da wäre.

Oder ist das alles ganz anders, Spendensieger?
Was natürlich einen unheimlichen Reiz ausübte.

Wonach könnte ich denn Ausschau halten, während ich mir die Schokolade selber reibe, Drüsenbank?
Wonach ich ständig auf der Suche wäre, und danach natürlich auch strebte, es doch endlich zu erreichen.

Habe ich mich nun selbst aufgegeben, Sterbeschön? - Oder die Kunst mich?
Das Entsetzliche daran wäre, dass ich dann draufkäme, dass das für mich auch nur ein Spiel wäre.

Habe ich nichts Besseres zu tun, als über einen abgesagten Singlevergnügungspark  zu lamentieren, ich Ausgerauchter?
Mich eh auch immer wieder befreien müsste, weil ich mir womöglich zu nah käme.

Gibt es von meiner abgesagten Premiere eine Ansichtspostkarte, Schönsalber?  - Wie sieht die aus?
Aber ich frage mich, was gäbe es dann noch?

Welche Andenken oder Souvenirs hätte ich mir aus Krems wohl mitgenommen, ich Dankebitter?
Ich hätte einfach das Gefühl, dass es da nichts mehr für mich gäbe, um nichts mehr für mich ginge.

Was habe ich überhaupt mit anderen zu tun, ich Finkenwürger? - Was mit mir selbst?
Diese kommen mir vor, als wenn ich am Meer eine Burg in den Sand baute, und es käme eine Welle und überschwemmte sie alle... und es wären alle weg.

Welchen Grund könnte ich mir für meine eigene Abschaffung anbieten, Begleichler?

Dann könnte ich sehr wohl versuchen zu erklären, wie schön die Burg nicht war, wie schön die Burg als ich, wie schön ich als Burg nicht war.

Wodurch empfähle ich mich denn, Null-Leiter?
Ich bin ja einfach nicht mehr da.

Bin ich mir inzwischen nicht lästig, Kränkelveilchen?
Nicht, außer in meinem Kopf.

Welche Fähigkeiten besäße ein Ab-in-die-Donau-Intendant als Feind, Hirntorkler? - Als Freund?
Ich finge dann sofort an zu zweifeln, ob er überhaupt schön war, geschweige denn die Burg, ob ich sie gebaut hätte.

Wie bereitete ich einen Imbiss für ihn zu, ich Krautwilliger?
Ich finge einfach wieder von vorn an und baute sie wieder.

Welche Nippes oder Kleinodien sollte ich ihm schenken, Keksdackel?
Ach ich weiß auch nicht, ob ich ihm das alles rüberbringen könnte.

Welche Schimpfworte fallen mir zu ihm ein, ich Standart? -  Zu mir?
Ach, was weiß ich, wie ich da fühlte, aber irgendwie zerrisse es mich einfach.

Was hab ich mir denn von einer Aufführung im Kremser Stadtpark erwartet, ich Abschreck ich?
Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich wirklich verknallt oder verliebt hätte, oder ob das überhaupt mit Verknallt- oder Verliebtsein zu tun hätte.

Wäre ein Single, der diesen Singlevergnügungspark besuchte, besser gestimmt als einer, der ihn nicht besuchte, Dübelspucker?
Mehr hat es für mich das Gefühl, als ob ein Mensch verloren ginge, den ich echt total gern mochte.

Wovon hinge es ab, dass nicht ein heftiger Streit mit mir selbst ausbräche, Katzenpresser?
Ich aber scheinbar mir nicht dessen bewusst wäre, dass das auch was bedeutete.

Und ob ich nicht heimlich von Kummer verzehrt würde, wäre ich jetzt tatsächlich beim Donaufestival, Pausentrommler?
Ich lasse nicht so viele Menschen an mich heran, wenn es auch manchmal nicht so scheinen mag.

Ist meine Einladung womöglich nur eine Erfindung von mir, Behauptungswurm? - Oder womöglich ich eine Erfindung meiner vermeintlichen Einladung?
Ich trüge mich auf jedem Fall nahe bei meinem Herzen.

Welchen Grund könnte ich anbieten, dass sich jemand überhaupt noch für mich Interessiert, ich Hintergrund?
Wahrscheinlich tut es drum so weh.

Was soll aus Dir nur werden, wenn es niemals jemanden für Dich mehr gäbe, Du unnötiger Rest?
Irgendwie könnte ich die Burg nun auch nicht mehr aufbauen, nur aus dem Wunsch raus, dass diesmal das Wasser nicht so hoch sein würde.

Ist nicht jeder Intendant ein möglicher Feind, Knieschreiber?
Im Grunde wüsste ich genau, dass es dann halt die nächste Welle sein würde.

Was hätte ich dort überhaupt zu suchen, Tierfischgel? - Was verloren?
Manchmal wünschte ich, nur bei dir, ich wäre männlicher.

Was hätte ich mit mir zu schaffen, Fliegengewitter? - Wollte  irgendwer mit mir etwas zu schaffen haben?
Ich bildete mir zumindest ein, dass bei mir diese blöde Eifersucht dann wegfallen würde.

Wie sähe die geeignete Kleidung für einen Aussortierten aus, Narbenwandler?
Ich glaube nicht, dass ich anders aussehen würde, als wie ich versucht habe, mich zu beschreiben.

Warum spreche ich nicht mit Fahne, Flachmannkuratorin?
Ich will mich nicht ändern.

Aus welchen Motiven hat sich je jemand zu mir bekannt, ich Single Depp?
Hätte ich es gern anders?

Wie und unter welchen Umständen könnte ich mich an einem ungetreuen Intendanten rächen, Maximentröpfler?
Ich wollte ihm vielleicht erklären, wie das für andere Personen wäre, wenn ich über sie einfach drüber führe.

Könnte das, was ich über den „Einsamen Schlucker“ erzähle, den Verlust seiner Aufführung aufwiegen, Trockenspeichler?
Wie ich es liebend gerne machte.

Was wäre die B-Seite von einem Festival, Abträglicher ich?
Die A-Seite von einem B-Festival wohl.


(3.5.2008)