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MIT IHREN STUDENTiNNEN: DIE "SQUATTING TEACHERS" BEI DEN UNI-PROTESTEN
Von Astrid Mager
„Universitäten sind keine Unternehmen“, proklamieren die StudentInnen und wehren sich damit gegen das Ausbilden von fleißigen Bienchen, die auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt flexibel einsetzbar wären. Und zu recht! Das Verfertigen von braven ArbeiterInnen am Fließband kann und soll tatsächlich nicht Aufgabe der Universitäten sein. „Bildung statt Ausbildung“, muss daher das Mantra heißen.
Doch die Ökonomisierung der Universitäten geht über Bologna, das Standardisieren von Lehrplänen und das Kaputtsparen der höheren Schulen als Bildungsinstitutionen weit hinaus. In einem wissenschaftlichen System, das mehr und mehr Geld von externen Fördergebern, dem Staat oder der Industrie braucht und in dem Arbeitsverträge bis in die obersten Etagen auf Zeit vergeben werden, droht Wissen zur Ware zu verkommen. Publikationen werden zur Währung in diesem wettbewerbsorientierten Modell. Forschungsleistung wird anhand der Zahl von absolvierten Forschungsprojekten, gehaltenen Vorträgen und insbesondere Publikationen, am besten in internationalen Zeitschriften, gemessen. Die so genannte „Wissensbilanz“ beschränkt sich damit auf das bloße Abzählen von Einträgen in eine webbasierte Datenbank.
Die Groteske: Quantität statt Qualität
So wird „Exzellenz“ ermittelt in Wissensgesellschaften des angehenden 21. Jahrhunderts. Aber so werden auch finanzielle Mittel, Stellen und Arbeitsverträge vergeben. Was unter dem Mäntelchen der „Qualitätssicherung“ eingeleitet wurde, hat sich mittlerweile zu einer Groteske ausgewachsen. Quantität statt Qualität. Bald schon wird der Kaffeeklatsch mit KollegInnen als „Meeting“ in die Datenbank gefüttert, um am Ende des Tages positiv zu bilanzieren. Schließlich will man ja bei der nächsten Bewerbung um Gelder, Stellen oder „Exzellenzpreise“ sein „Wissen“ zur Schau stellen können. Welches Wissen unter diesen Rahmenbedingungen entstehen kann, welche Arbeitsbedingungen Universitätsangehörige vorfinden und welcher Typus Wissenschaftler(in) sich in diesem Wettbewerb an die Spitze kämpft, muss kritisch hinterfragt werden.
Die Initiative „Squatting Teachers“, von solidarischen Lehrenden und WissenschaftlerInnen ins Leben gerufen, hat bereits begonnen, sich über breitere Auswirkungen der fortschreitenden Ökonomisierung der Universitäten Gedanken zu machen. Sie tritt für offene und kritische Lehre ein, aber auch für einen „emanzipatorischen Bildungsbegriff“, der selbst bestimmtes Lernen und freies Forschen jenseits wettbewerbsorientierter Wissensökonomien einschließt. Diese Forderung macht deutlich, dass die Ökonomisierung nicht nur die Ausbildungssituation von Studierenden, sondern den Kern des wissenschaftlichen Arbeitens, die Wissensproduktion selbst betrifft.
Es betrifft #unserwissen. Solange die Universitäten von innen ausgehöhlt und marktwirtschaftlichen Strukturen unterworfen werden, bleibt umfassende Bildung eine Illusion. Und das ist kein universitätsinternes oder forschungspolitisches Problem. Das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Und ein internationales. Deshalb müssen sich die Proteste aus den Universitäten hinaus bewegen. Was im Audimax begonnen hat, muss hinaus in die Welt. Es muss Theaterbühnen erobern, digitale und reale Plattformen besetzen und sich über nationalstaatliche Grenzen hinweg bewegen. Ein Monat Protest ist noch lange nicht genug! Als Wissenschaftsforscherin und kleines Rädchen im Getriebe aktueller Wissensproduktion & -vermittlung stimme ich daher mit ein in die lauten Rufe der Studierenden: „Solidarisieren! Mitmarschieren!“
Astrid Mager ist Lektorin am Institut für Wissenschaftsforschung der Universität Wien, schreibt ihre Dissertation zum Thema Mediatisierung medizinischen Wissens durch das Internet und publiziert in internationalen Fachzeitschriften.
„Squatting Teachers“:
http://unsereuni.at/wiki/index.php/Squatting_Teachers_AG
http://unsereuni.at/?p=6188
Internationalisierung der Proteste:
http://zurpolitik.com/2009/11/10/unsere-unis-eine-karte/
(8.12.2009)
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