Uzès

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NEUFORMUNG EINES GOLDENEN DREIECKS DER CHOREOGRAFIE

Von Franz Anton Cramer

Der amtliche Festivalführer Südfrankreich für die Sommersaison 2007 ist gute 200 Seiten stark und vereint vom Festival der Imker über Stierkampf und dörfliche Grillabende bis zu Straßentheater und Hochkultur so ziemlich alles, was man sich an menschlicher Tätigkeit vorstellen kann. Überregional bekannt ist aber nur die Trias Montpellier, Avignon, Uzès. Aix-en-Provence ist ein wenig von der Landkarte verschwunden, Marseille unter Frédéric Flamand ein wenig monadisch geraten. Ohnehin ist das Verhältnis traditionell gespannt. Welcher Künstler steht wo unter Vertrag? Welche Premiere schmückt welches Programm?

In diesem Jahr haben sich allerdings ein paar Änderungen vollzogen. Seit Didier Michel, der vor gut zehn Jahren das kleinste - und jüngste - dem Tanz gewidmete Festival im historisch bedeutenden ehemaligen Herzogtum Uzès gründete (der Herzog von Uzès war bis 1789 den Königen von Frankreich nahezu ebenbürtig), seit also Didier Michel als Manager des aufstrebenden israelischen Choreographen Emanuel Gat in die Welt hinauszog, hat Liliane Schaus die künstlerische Leitung übernommen.

Schaus war bis 2004 in Berlin, als Beauftragte für Theater und Tanz der Kulturabteilung der französischen Botschaft. In dieser Funktion erlebte, begleitete und förderte sie die Blütezeit des Berliner Tanzschaffens; und weil sie bis heute eine starke Affinität zu Berlin hat, stand ihr erstes Festival-Programm im Zeichen der deutschen Hauptstadt. Thomas Lehmen, Two Fish, Eszter Salamon und Xavier Le Roy, Laurie Young, sie alle waren nach Uzès eingeladen. Ihnen zur Seite standen viele (junge) Choreographen aus Frankreich, etwa Claude Wampach, dessen serielle Studie für drei Tänzer „Bascule" gleichsam das Vorspiel war für die in Montpellier anstehende Premiere. Fabrice Lambert, eher skulptural und visuell orientiert, zeigte gleich zwei Soloarbeiten: „Gravité", eine panoptische Installation in einem flachen Wasserbecken, das jede Bewegung onduliert und in die Vertikale spiegelt, und „H comme Hamaat", bei dem zehn Minuten lang die verstärkten Herzschläge des Tänzers die Freilichtbühne erzittern lassen.

Förderung neuer Arbeitsstrukturen 

Vor seiner Premiere in Montpellier zeigte auch Mark Tompkins in Uzès „Animal: mâle", um den Vergleich zur weiblichen Version zu ermöglichen. So scheint sich unter der neuen Leiterin eine etwas weniger konkurrenzorientierte Programmpolitik abzuzeichnen. Montpellier als der  unangefochtene Marktführer strahlt in die Region hinaus, und es entstehen neue Bezüge und Kooperationen. Umgekehrt wird etwa Raimund Hoghe in Montpellier sein allererstes Solo „Meinwärts" zeigen, ehe er anschließend in Avignon sein jüngstes Stück „36, avenue Georges Mandel" als Europapremiere aufführt.

Liliane Schaus hat ohnehin nicht vor, zukünftig im Premierenwettbewerb mitzumachen. Ihre langfristige Planung ist die Förderung neuer Arbeitsstrukturen für Choreographieentwicklung. Schon jetzt hat sie ein Residenzprogramm initiiert, das Berlin, Uzès einschließlich der Chartreuse in Avignon und Rui Hortas choreographisches Zentrum Montemoro in Portugal verbindet. Je ein Künstler bzw. Formation aus diesen Zusammenhängen wird zu ausgedehnten Residenzen eingeladen, die Arbeiten sollen dann an den drei beteiligten Orten präsentiert werden. Ziel ist die Einrichtung eines Centre de développement chorégraphique, mit festem Haus und eigenem Etat. Grundsätzliche Unterstützung der Behörden besteht, und derzeit laufen die Vorbereitungen. Doch sind noch etliche administrative, politische und finanzielle Hürden zu nehmen. Aber wie es aussieht, konfiguriert sich das Goldene Dreieck Südfrankreichs neu. Für die Künstler bedeutet das nur Gutes.

 

(30.6.2007)