Wien ehrt eine Choreografin

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ZACKIGE STERNE, EIN GOLDENER ADLER UND UNSERE GUTE IDEE



Die corpusRedaktion erreicht gerade eine bewegende Nachricht. Am 14. Dezember 2011 wird der belgischen Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny das

Goldene Verdienstzeichen
des Landes Wien


ein Bruststern: Höhe 85 mm, Breite 85 mm. Achtzackiger vergoldeter Strahlenstern mit Broschierung,
überhöht durch einen sechzehnzackigen rot geränderten Stern, der im weißen Mittelfeld einen goldenen Adler
mit dem Wappen von Wien als Brustschild zeigt,


verliehen. Der entsprechenden Presseaussendung ist zu entnehmen: „Sie ist eine der großen Pionierinnen des zeitgenössischen Tanzes und Wien vor allem durch das ImPulsTanz – Vienna International Dance Festival seit vielen Jahren künstlerisch verbunden (...). Wie kaum eine andere hat Anne Teresa De Keersmaeker den zeitgenössischen Tanz seit den 80er Jahren geprägt (...) Ein großer Teil der Karriere von Anne Teresa De Keersmaeker ist mit Wien verknüpft. (...) Insgesamt brachte Anne Teresa De Keersmaeker 26 ihrer Produktionen bei ImPulsTanz zur Aufführung.“

Da gibt es bei uns kein Halten mehr: Herzliche Gratulation, liebe Anne Teresa De Keersmaeker, für diese verdiente Auszeichnung!

Das Land Wien verleiht seine Auszeichnungen laut Wiener Ehrenzeichengesetz (LGBl. Nr.35/1967 vom 14.07.1967 idgF) an (§ 1) „Personen, die sich hervorragende Verdienste um das Land Wien durch öffentliches oder privates Wirken erworben haben“. Es gibt sieben Stufen der Auszeichnung, die erste davon ist das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien mit dem Stern. Keersmaeker bekommt Stufe 4.

Natürlich sind wir gleich ganz inspiriert von dieser schönen Geste gegenüber der belgischen Künstlerin, und schlagen der Wiener Landesregierung daher dringlich vor, im kommenden Jahr – 2012 die

Wiener Tanzszene
insgesamt mit dem
Großen Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien

(Stufe 2) auszuzeichnen. Denn wie kaum eine andere hat diese Szene den Wiener Tanz seit den 80er Jahren landesweit geprägt. Ein Großteil der Karrieren ihrer Mitglieder ist mit Wien verknüpft. Insgesamt brachte diese Szene sogar mehr als 26 ihrer Produktionen bei ImPulsTanz zur Aufführung.

Die Wiener Tanzszene hielt dem Land Wien auch in Zeiten die Treue, als die Stadt Wien alles Menschenmögliche daran setzte, diese Szene in ihrer Entwicklung zu behindern und zu gängeln. Aber das würde erst für Stufe 3 reichen.

Stufe 2 ergibt sich aus der Tatsache, dass diese Szene mit großer Solidarität zum Land Wien duldet, dass ein erklecklicher Teil der 8 Millionen Euro, die die Stadt Wien von ihrem Kulturbudget im Umfang von insgesamt mehr als 200 Millionen Euro einsparen soll, auf ihre Kappe geht. Weiters aus den Umständen, dass ihre Mitglieder ohne zu murren unter zum Großteil prekären sozialen Bedingungen wie Bittsteller vor den Mauern der Politik arbeiten, die ihnen huldvoll „Subventionen“ gewährt oder nicht.

Sehr geehrte Wiener Landesregierung! Stadtrat Mailath-Pokorny würde sich, so er im kommenden Jahr sein Amt noch ausübt, sicherlich ganz besonders geehrt fühlen, der Wiener Tanzszene eine solche – doch auch kostengünstige – Auszeichnung umzuhängen:

a) Halsdekoration: Höhe 60 mm, Breite 60 mm, vierteiliges Kreuz mit acht Spitzen, Felder rot-weiß emailliert, zwischen
den Kreuzschenkeln je vierzehn vergoldete Strahlen, in der Kreuzmitte der Adler in Gold mit dem Landeswappen.
Die Verbindung dieses Kreuzes mit dem Bande wird durch eine 30 mm lange und 4 mm breite vergoldete
gerillte Öse hergestellt.
b) Band: Rot-Weiß, 40 mm breit.

Mit dieser aufopfernden Auszeichnungsarbeit allein, sehr geehrte Damen und Herren der Wiener Landesregierung, hätte sich der derzeitige Wiener Kulturstadtrat doch auch eine „Pletschen“, wie man in Wien so sinnig sagt, verdient. Bedenken sie, mit wie wenig Anerkennung Herr Dr. Mailath-Pokorny während der vergangenen Jahre begründet bedacht wurde. Und so ersuchen wir sie, ihm bei dieser Gelegenheit, wenn schon nicht gleich das ganze Silberne Verdienstzeichen des Landes Wiena) Medaille: Höhe 43 mm, Breite 43 mm, vierteiliges Kreuz mit acht Spitzen, Felder rot-weiß emailliert, zwischen den Kreuzschenkeln je elf versilberte Strahlen, in der Kreuzmitte das Landeswappen – zu verleihen, so doch wenigstens den B-Teil:

b) Band: Rot-Weiß moiriert, 45 mm breit, dreieckig zusammengefaltet.

Er würde sich dasselbe, um dem Lande Wien zusätzliche Kosten zu sparen, sicherlich ohne laut das Wort „moiriert“ zu murren, hingebungsvoll selbst um den Hals hängen. (der)


(29.11.2011)