Wir bauen eine Laterne II |
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initiiert und installiert von Thomas Ballhausen & Jack Hauser
Thomas Ballhausen
Gespensterplan. Zehn Messungen
(Anstelle einer Vorbemerkung) „And they’re turning us into monsters/ Turning us into fire/ Turning us into monsters/ It's all desire/ It's all desire/ It's all desire“ Aus: Gorillaz: Kids With Guns |
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(1)
Ich habe nun auch das Fieber bekommen. Ich sage ganz bewusst das Fieber, denn es ist ein besonderes, einzigartiges. Ich habe nun also auch das Fieber bekommen und es fühlt sich – was nicht ganz falsch ist – so an, als hätte ich mich mehr dafür entschieden, als dass es mich einfach zufällig auch erfasst hätte. Auf zumindest eine Weise, das wird mir nun bewusst, wollte ich das Fieber immer schon haben. |
(2)
Da ist schon wieder ein Fest angekündigt, das ohne mich stattfinden muss. Die Einladung kommt mit der Post. Ich muss den Empfang bestätigen und bin für einen Moment überfordert. Mit welchem Namen soll ich unterschreiben? |
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(3)
Unschuld ist eben doch nur ein provisorischer Zustand. Das ist ein Satz, der besonders am frühen Morgen eine besondere Wirksamkeit entfalten kann. Du sagst ihn mit einer eigentlich beeindruckenden Leichtigkeit, die mich, wäre ich nicht vollkommen konzentriert, zittern lassen würde. Die Menschlichkeit der Spione ist eine nicht zu unterschätzende Fehlerquelle. |
(4)
Wir wollen versuchen, Würde, Haltung und Begriffe zu bewahren. Den Zeugnissen muss man ihr Recht lassen. Jeden Tag muss die Bedrohung gebannt werden, die möglichen und wahrscheinlichen Verluste sind schon berechnet. Dies ist ein hochgradig unsicheres Territorium. |
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(5)
Es liegt keine Verwechslung vor. Auf dem Kuvert hat sich der Absender nur verschrieben und damit einen neuen, eigentlich geheimen Namen freigelegt. Er hat eine neue Person gestiftet, die nicht mehr zurückgenommen werden kann. Ich werde mich auch mit ihr und ihren Wünschen arrangieren müssen. |
(6)
Wir stiften, wir errichten etwas, das wir noch nicht vollständig verstehen. Im Blick zurück wird manches, das zuerst freundlich verschleiert war, unerfreulich klar. Du drehst den Kopf zur Seite, um dieser Aussage mehr Gewicht zu verleihen. Die Wahrheit oder was wir dafür halten, so fährst Du fort, ist eine schrecklich kalte Angelegenheit. |
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(7)
Kommt eine Reise noch in Frage? Können wir die geordnete Vorstufe zu einer weit chaotischeren Flucht noch in Betracht ziehen? Unsere Gepäckstücke sind so schwer von der Vergangenheit, dass wir uns im Jetzt kaum noch von der Stelle bewegen können. Wir stehen uns im Weg, nichts weiter. |
(8)
Später wirst Du behaupten, ich sei in Deine Schusslinie gelaufen. Das hätte ja niemand ahnen können. Den zu dieser Lüge passenden Gesichtsausdruck übst Du jeden Abend vor dem Badezimmerspiegel. Manchmal beobachte ich Dich heimlich dabei. |
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(9)
Wer macht es sich hier leicht? Das ist eine der Fragen, die man in allen Zeitungen finden wird. Ich sollte mich nicht teilen, ich sollte mich vervielfältigen können. Die auf mich geworfenen Steine – erste, zweite, dritte und immer so weiter – liegen wie Fallobst ringsum verstreut. Zuletzt, in einem Anflug von Schwäche, hätte ich mich beinahe bei Dir entschuldigt. |
(10)
Ich habe nun auch das Fieber bekommen. Dieser Satz ist richtig, meine jetzige Lage beschreibt er aber bei näherer Betrachtung nur unvollkommen. Vielmehr hat mich das Fieber ganz durchdrungen, mich unheilbar verändert. Ich bin nach und nach das Fieber geworden. Es hat sich dabei verschoben und verändert. Es hat mich auf kleinster Ebene Teilchen für Teilchen ausgetauscht. Ich bin das neue Fieber. |
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