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Wir bauen eine Laterne V |
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initiiert und installiert von Jack Hauser & Thomas Ballhausen.
Thomas Ballhausen
Im Abenteuer ist alles Mögliche Waffe und Schmuck zugleich. Zehn Handgriffe.
(Anstelle einer Vorbemerkung) I’m grateful for people existing and for the world being there. At the same time, I really have no feeling that it’s the world which exists and not me, that I try very hard to exist in this world. But I have concerns about the existence of this world... Aus: Serge Daney: Postcards from the Cinema |
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(1)
Ich erkenne die Waffe wieder, versuche, mir aber nichts anmerken zu lassen. Ich erinnere mich daran, wie sie dem abgeschossenen Piloten abgenommen worden war. Unter seinem dicken Anzug hatte er, wie sich herausstellen sollte, noch immer seinen Schlafanzug getragen. Auch seinen starren Gesichtsausdruck habe ich, mich daran erinnernd, wieder deutlich vor Augen. Erstaunen und Schrecken hatten sich darin zu einer grotesken Grimasse verfestigt. Sein letzter Einsatz und auch sein Ableben waren also gleichermaßen überraschend für ihn gewesen, so ließen es die Indizien vermuten. Seinen Namen habe ich nicht gleich parat, doch er wird mir wohl wieder einfallen. Ich sehe von dem Tisch, auf dem sie die in ursprünglich in Zeitungspapier eingeschlagene Pistole zwischen die Gläser und Flaschen vor mir hingelegt hat, auf und behaupte, ich wisse nicht, was sie von mir wolle. Zumindest das ist nicht gelogen. |
(2)
Ein öffentlicher Ort ist uns beiden als Treffpunkt nicht unrecht gewesen. Alle Unverbindlichkeit ist von uns abgefallen wie viel zu lange getragene Kleidung, unsere Unterhaltung liegt in Fetzen. Hier sitzend, sind wir nun beide zugleich sicher und ausgeliefert. |
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(3)
Es liegt in der Unruhe des Verbrechers begründet, sich nahezu immer und überall ertappt zu fühlen. Jede mögliche zufällige Begegnung ist eine potentielle Gefahr, jedes auch nur halbwegs vertraute Gesicht kann zur Enthüllung aller so sorgfältig verschleierten Tatsachen führen. Aber, so frage ich mich, sind sie denn tatsächlich so gewissenhaft verborgen, wie es mir nur möglich war? Es ist gut möglich, dass sie bereits alles weiß und nun ein grausames Spiel mit mir betreibt. Können wir uns ein Gewissen leisten, so, wie wir sind, jetzt, wenn wir weiterhin tun, was wir offensichtlich schon immer getan haben? Die Frage ist wohl ebenso berechtigt wie töricht und auch gefährlich. Die Tänzerinnen erscheinen auf der Bühne und wir sind für einen entspannenden Moment abgelenkt. |
(4)
Ich wollte auf der Hut sein. Vorbereitete bittere Aussagen und Satzteile hatte ich im Geiste aufgesagt, damit ich ja keine von ihnen vergessen würde. Sie müssten so ihre Schärfe bis zu ihrem Eintreffen behalten und sollten – was mir besonders wichtig erschienen war – mir auch dann noch geläufig sein, wenn wir uns schließlich gegenübersitzen würden. Jetzt aber scheint mir diese Begegnung schon verloren zu sein. Die Gründe dafür vermag mir auch die chinesische Philosophie nicht zu entschlüsseln. |
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(5)
Dies ist ganz offensichtlich das Wrack eines Traumes, hier hilft kein Wünschen mehr. Aber man macht sich keine Sorgen und beschwichtigt sich für gewöhnlich gestenreich. Dinge wie diese widerfahren doch immer nur anderen Menschen, man liest und hört von ihnen, doch nie sind sie Teil der eigenen Realität. Nie. Bis sie es sind. Sie zieht den Hut, den sie immer noch trägt, tiefer ins Gesicht, eine weitere schauspielerische Handlung, gleichermaßen übertrieben wie bedrohlich. |
(6)
Ihr Repertoire, ihr Depot, das ist ein Magazin trefflich gespielter und vorgesprochener Rollen. Glaubwürdig verschafft sie sich alle notwendigen Vorteile. Sie nutzt ihre Talente, eben weil ihr klar ist, was auf dem Spiel steht. |
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(7)
Sie geht um den Tisch herum, streicht ganz selbstverständlich über meinen Rücken und sagt, sie findet mich anziehend, was ich nicht wirklich verstehe und nicht zuletzt deshalb unkommentiert annehme. Sie kann nicht sagen, dass sie mich mag. Das verstehe ich schon besser, denn es wäre wohl einfach zu viel verlangt. |
(8)
Sie setzt sich wieder und kann doch nicht stillhalten, es sei denn, es muss unbedingt sein. Wenn sie die Waffen nicht einsetzt, zerlegt und reinigt sie alle verfügbaren Geräte mit mechanischen Bewegungen im Rahmen ihrer täglichen Routine. Es ist wahr, ich habe es gesehen. Ich war dabei, ich kann es bezeugen. Metall teilt sich seufzend unter ihren geschickten Händen, fügt sich nach absolvierter Prozedur wieder schnappend zusammen. Der matte Glanz des ausgebreiteten Arsenals bereitet ihr stets einen seltenen Moment der Zufriedenheit. Warten ist ihr eigentlich unerträglich, dies ist vielleicht ihre einzige wirkliche Schwäche. Sie kann eigentlich kaum fünf Minuten lang ruhig auf einem Sessel sitzen, doch sie weiß sich zu beherrschen. Stillstand heißt in ihrer Sprache einfach Verwundbarkeit, wer sich nicht weiterbewegt, verliert. Wer eine falsche Bewegung macht, verliert auch. Sie hat sich hier eingerichtet, in diesem Spalt von Welt. Sie hat sich an diesem elenden Ort zumindest vorläufig niedergelassen, weil sie hier keine natürlichen Feinde hat. |
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(9)
Die Ankündigung einer unvermeidbaren Tat steht bevor. Wir beben vor Zärtlichkeit und Zorn. Wie bei einem Kinderspiel lässt sie mir einen kleinen Vorsprung. Ich zähle bis zehn, sagt sie, dann folge ich Dir nach. Du musst verstehen oder untergehen, fügt sie hinzu und lächelt milde. |
(10)
Wenn man sich bemüht, geben die Mauern nach. Zwischen den Orten zu wechseln fühlt sich an, als würde man gewaltsam unter Wasser getaucht und dann ruckartig wieder herausgezogen werden. Die Luft bleibt Dir kurz weg, danach wirst Du mehr als nur ein wenig frieren. Du wirst Dich, da es lebensnotwendig geworden ist, auch daran gewöhnen. |
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(25.02.2011) gewidmet Gabriele Bösch (26.02.1960 - 25.02.2004)
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