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FANNI FUTTERKNECHT, CLAUDIA WAGNER UND JULIA MACH BEI "TANZWUT" IM WIENER KOSMOS THEATER

Von Marlies Pillhofer


Im Rahmen des Tanzwut-Festivals teilten sich die Nachwuchskünstlerinnen Fanni Futterknecht, Claudia Wagner und Julia Mach einen Abend im Kosmos Theater. Das Festival, von Intendantin Barbara Klein und Tanzpool-Macherin Silvia Both gemeinsam initiiert, ist eine Fortführung des ehemaligen Tanzpool-Festivals und zeigte neben den drei genannten Choreografinnen auch Arbeiten von Both, Editta Braun und Helene Weinzierl sowie ein Work in Progress von Rotraud Kern, in dem sie sich mit dem Begriff „Solo“ beschäftigt und das im Mai 2010 im WUK als Stück uraufgeführt wird.

Selbstironie mit „Please“

Fanni Futterknecht eröffnete den Abend mit „excerpts of confusion“, das im vergangen März bei imagetanz im Wiener brut uraufgeführt wurde. Die vor zwei Jahren aus Angers zurückgekehrte Künstlerin arbeitet an der Schnittstelle von bildender Kunst und Performance. Das Stück eröffnet einen skurrilen Blick in eine Traumwelt. Bildfolgen, scheinbar ohne Zusammenhang, lassen die Zuschauer gemeinsam mit der Performerin in eine Art Trancezustand übergehen. Damit hinterfragt Futterknecht das Sein im Theater. Sie ist wie eine Diva, wenn sie in fragiler Geste mit ihrem Fuß nach dem Knopf für den Ventilator sucht, um in dessen Wind ihre Haare wehen zu lassen, denn sie darf den Kopf nicht senken - es könnte den Anschein von Schwäche erwecken.

Es sind die Momente zwischen den Aktionen, die ins Zentrum des Interesses rücken. Nicht der Tanz zu Philipp Glass' „Mad Rush“, sondern der vorgehende Moment der Frage nach der Musik in das Off verdeutlichen die Arbeitsweise Futterknechts am Rand der Performance. Es ist ein sanftes Vorführen, in dem nicht mit dem Finger, sondern vielmehr Selbstironie gezeigt wird. „Can you switch the music on“ genügt nicht mehr - erst nach „Please“ startet die Technik das Lied. Theatrale Überhöhungen und doppelte Zeichen ziehen sich durch die Arbeit, und wecken im Zuschauer eine angenehme Unsicherheit - nicht zu wissen, was kommen und was als richtig erscheinen wird. Diese Unsicherheit greift Futterknecht auf und spiegelt sie in ihre Performance, wenn sie etwa dem Zuschauer die Möglichkeit gibt „You don't have to stay“ und fast im selben Moment Nina Simones „Ne me quitte pas“ (dt. „Verlass’ mich nicht“) anklingt. Eine Ambivalenz, die in ihrem Pathos Trauer wie Schmunzeln zugleich auslöst.

Überbreite Fragestellung

Im Gegensatz dazu überlässt Claudia Wagner in ihrer Arbeit „Dialog für einen Körper“ dem Zuschauer keine Verantwortung - wenn schon im Programmheft zu lesen ist: „... wirft ,Dialog für einen Körper‘ Fragen auf, die jede/n Künstler/in heute beschäftigen (sollten:-).“ Von welchen Künstlern spricht Wagner, welche Fragen sollten sie beschäftigen und in welchem Verhältnis steht das Publikum dazu? Leider tappt sie hier in ihre eigene Falle: Dem Vorwurf, der zeitgenössische/konzeptuelle Tanz sei für ein selektiertes Publikum gemacht und darüber hinaus schwer erschließbar, entgegnet sie mit diskursiven Klischees, die in einem Publikumskontext ohne Wissen um diese künstlerische Strömung ebenso verloren gehen.

Julia Mach stellt sich in ihrer zweiten Choreografie „The Fishinyou“ der Relation von Fisch und Mensch im Kontext der Frage universeller Weisheit, was sich für die umtriebige Tänzerin (nach einer Ausbildung an der Ballettschule der Wiener Staatsoper war sie unter anderem in Stücken von Chris Haring oder Rose Breuss zu sehen) als große Herausforderung darstellt. Mach begibt sich in ihrem Solo auf eine Reise aus starken tänzerischen Motiven, die an Arbeiten von Chris Haring und pilottanzt denken lassen, aber unter anderem auch an klassisches Ballett erinnern. Der starke Lichteinsatz unterstreicht die große Ambitioniertheit der Choreografin. Die Arbeit wirkt überfrachtet mit choreografischen wie technischen Mitteln und tänzerischen Ausdruckformen. Zwischen einer Videoprojektion, einem Hörspiel und dem ausgeklügelten Lichtkonzept fällt dem Zuschauer manchmal die Navigation schwer. Zu viele Räume werden eröffnet, ohne weiter diskutiert zu werden. Eine Gefahr, die die überbreite Fragestellung, die dem Stück zu Grunde liegt, bereits miteinschließt: Woher kommen wir und wohin gehen wir?

Der Abend deutete exemplarisch das sehr breite Spektrum in der Wiener Nachwuchschoreografie an. Warum aber die konzeptuell arbeitende Fanni Futterknecht von der unmittelbar darauf gezeigten Claudia Wagner inhaltlich einen Knüppel über den Kopf bekam, bleibt unerklärlich. Da wäre es doch vielleicht kuratorisch schlüssiger gewesen, stattdessen Rotraud Kerns Ansatz der Positionierung einer Figur in sprachlich konnotierte Erlebnisräume in Zusammenhang mit Futterknecht zu bringen und dadurch eine erweiterte Reflexion der Bühnenpräsenz zu eröffnen.


(25.11.2009)