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DEUTSCHLAND SUCHT SEINE SUPERTÄNZER
Nach „Deutschland sucht den Superstar" (RTL), „Popstars" (Pro7) und „Starmania" (ORF) gibt es jetzt ein Pendant für Tänzer: „You Can Dance!" auf Sat1. Dort ist zu erfahren, daß das Fernsehen einen Tanzplan hat. Auch corpus war an der Mattscheibe, als am 10. November 2006 zur Prime-Time die erste von 11 geplanten Folgen antanzte. Eine Sprüchesammlung für Feinschmecker.
Werbung: Ein Mann, unter seinem Parka unbekleidet, tanzt vor
einer Frau, die auf frischer Alpenhöhe in einem Holzbottich badet. Die Frau
lacht, er öffnet den Parka - und steigt zu ihr ins Wasser. (Spot für
Carlos Vögele/Switzerland)
Juror über Tänzer: „Du zeigst Eier, und das mag ich!“
Reporterin (mitreißend; immer aus dem
Off): „Breakdance und Modern Dance, Paartanz und Jazzdance,
Überraschendes und Undefinierbares, exotische Tänze..." Juror Paul Kribbe
(in einem Zwischenschnitt, offensichtlich zu einem der Kandidaten): „Du
zeigst Eier, und das mag ich!" Reporterin (hitzig): „...rotierende
Hüften. Stampfende Schritte, wirbelnde Schlipsträger und Kandidaten,
die sich zerreißen. Tanzen zwischen Freude und Tränen - und gnadenlose
Urteile. Das ist: You Can Dance!" (Pause: Musik, Visuals) Reporterin
(schwül): „Deutschland im Tanzfieber! Im kalten November tanzen wir uns
richtig heiß! Landesweite Castings, tausende Bewerber, voller
körperlicher Einsatz - und die alles entscheidende Frage..."
Moderatorin (zeigt Gesicht): „...wer wird der beste Tänzer Deutschlands?"
(Pause: Musik, Visuals) Reporterin (fordernd): „Wer glaubt, tanzen zu
können, muß es hier beweisen. Von den ersten Castings über knallharte
Workshops bis hin zu den nervenzehrenden Live-Shows. Nur eine oder
einer wird am Ende hören..." Teilnehmer (im Chor, begeistert): „...you
can dance!"
Reporterin (ironisch): „Unsere Kandidaten haben sich
richtig Gedanken gemacht." Im Berliner Schillertheater wartet die „You
Can Dance!"-Jury auf die Tänzerinnen und Tänzer. Moderatorin
(überzeugt): „Wer das erste Casting übersteht und im anschließenden
Workshop die Konkurrenten hinter sich läßt, der gehört zu den 14 besten
Tänzern Deutschlands. Diese Gruppe wird von Live-Show zu Live-Show
immer kleiner. Am Ende wird es nur einen Sieger geben." (Pause: Musik,
Visuals) Moderatorin (verlockend): „Der oder die muß
alles bringen, alles können. (...) You Can Dance sucht den
Allroundtänzer! Der Gewinner darf sich über 50.000 Euro freuen!
Außerdem wartet auf ihn die einmalige Gelegenheit, in Los Angeles die
Master Class eines Top-Choreografen zu besuchen." Die Reporterin
(nüchtern) zur Jury: „Unseren vier Profis kann man zwar vortanzen,
aber nichts vormachen! Sie sind objektiv und kennen das Tanzgeschäft
wie kaum jemand sonst."
...über Juror Kribbe
(enthusiastisch): „Er ist Musicalstar, Dramaturg mit europaweiten
Einsätzen, Choreograf, der perfekte Mann für unsere Jury. Er brachte
Stefan Raab und Bully für Traumschiff Surprise zum Tanzen."
...über
Jurorin Julie Pecquet (bewundernd): „Beherrscht alle Facetten der
Bühnenkunst: Tanz, Gesang und Schauspiel. Sie choreografiert für
TV-Shows, tanzt mit Superstars. / Lebt und arbeitet in Hamburg, der
Hauptstadt der deutschen Tanzszene." Zitate Pecquet: „Ein Tänzer steht
auf fürs Tanzen, der geht ins Bett fürs Tanzen, das ist sein erster und
sein letzter Gedanke. Sobald er Musik hört, denkt er ans Tanzen. / Pure
Energie, das ist wichtig. / Ich bin sehr hart zu mir selbst, dann
erwartest du das auch von den anderen."
...über Juror Kelechi
Onyele (lobend): „Hat den Breakdance auf der Straße gelernt, beherrscht
alle Power-Moves und Styles. / Er war Tänzer für Kylie Minogue. / Eine
Bilderbuchkarriere im Tanzgeschäft." Zitat Onyele: „Ich bin einfach
glücklich wenn ich gute Musik höre und mich dazu bewegen kann."
...über
Juror Dirk Elwert (beeindruckt): „Ist Dramaturg und choreografiert
für Theater- und Opernbühnen. Als Manager weiß er darüber hinaus,
Tänzertalente erfolgreich zu fördern und zu vermitteln." Zitat Elwert:
„Schweiß und Tränen im Ballettsaal - aber auf der Bühne Magie und
Verzauberung."
Testosteron für zwei und wo der Hammer hängt
Die Jury sitzt im Auditorium, die Kandidaten
werden aufgerufen. Die Reporterin (rauchig): „Raphael hat Testosteron für
zwei, tanzt aber alleine." Elwert (zu Kandidat Raphael, staunend):
„Also, du machst Sachen auf einer Hand, die kann ich nicht einmal auf
zweien. Das find' ich schon sensationell." Reporterin (humorig): „Und
jetzt zeigt uns Marita, wie man den Zupfkuchen wieder von der Hüfte
bekommt." Onyele (zu Kandidatin Marita): „Du bist einfach ein
Sonnenschein, und die Welt muß dich sehen."
Reporterin
(investigativ): „Berlin Ku'damm. Hier ist das Revier der Breakdancer.
Harte Jungs mit coolen Moves und großer Klappe (...). Nochmal kurz
lockern und dann der Welt und der Jury zeigen, wo der Hammer hängt."
Kribbe (widerstrebend zu Kandidat Breaker Mo): „Ich hätt' dich nicht
durchgelassen. Ich finde sensationell, was du tust, ich find' nur, es
hat nicht mit Tanz und Choreografie zu tun..." Die Moderatorin kündigt
ein Gewinnspiel an: „Beim klassischen Ballett tanzt man A) Auf der
Nasenspitze, B) Auf den Zehenspitzen." Werbung.
Nach der
Werbung. Mo (schnoddrig zu Kribbe): „Du hast geredet, du hast nicht geguckt."
(später:) „Ich weiß nicht, der Typ mit dem Glatzkopf [Kribbe, Anm.],
der hat gar keine Ahnung, find ich." Kollege: „Hast du's geschafft?"
Mo: „Ja, ich hab's geschafft, aber (zerreißt sein Papier) ich hab
keinen Bock." Kribbe (ernst zur Kamera): „Ich kann auch verdammt hart
sein. (...) Wenn er uneinsichtig ist, oder total arrogant, oder ein total
falsches Selbstbild hat oder mich auch noch angreift, obwohl ich es gut
mit dir meine, dann kann es auch einmal unangenehm werden."
„Aber Kind!“ (Herr Elwert kriegt die Krätze)
Kandidatin
Martina (hat einen Kaffeebecher mitgebracht, stellt ihn an den
Bühnenrand). Elwert (fassungslos): „Was?" Kribbe: „Sie muß kurz das
Trinken abstellen." (Martina tanzt ihre Nummer) Elwert (erregt):
„Böser, böser Fehler, du kommst mit Essen auf die Bühne!" Martina
(verstört): „Ich hab' vorher gefragt, ob ich etwas zu trinken mitnehmen
darf..." Elwert (strafend): „Aber Kind! Also da krieg ich Krätze, ganz
ehrlich." Martina (zurückhaltend): „Ja." Elwert (eisig): „Da bin ich
richtig wütend." Martina (standhaft): „Das mit nicht essen und trinken
auf der Bühne, das kenn' ich." Elwert (von oben herab): „Das hat mich
in einem Teil deiner Nummer richtig gegen dich eingenommen. Gott sei
Dank, zu deinem Glück, hast du eine gute Technik und ein schönes, hohes
Bein, wie ich gesehen hab'."
Kandidatin Senada (nach ihrer
Nummer): „(...) Ich habe mich eigentlich nicht vorbereitet." Kribbe
(empört): „Gut, dann brauchen wir gar nicht mehr zu sprechen. Es ist
sowieso nein, aber nach diesem Satz brauchen wir gar nicht mehr zu
sprechen. Wenn du dich nicht vorbereitest (...) dann vertun wir unsere
Zeit." Senada (bockig): „Aber... eine richtige Tänzerin muß nicht in
die Schule gehen, um zu tanzen... man muß einfach das Talent haben..."
Kribbe (insistierend): „Aber die bereitet sich vor." Senada (trotzig):
„...ich kann jede Art tanzen!" Pecquet (schneidend): „Nein, das kannst
du nicht." (nach Senadas Abgang:) „Und erst recht nicht mit Kaugummi im
Mund." Elwert (in eine Kurzdarstellung von Kandidat Robin
geschnitten, genießerisch): „Robin, du bist eine Sau, eine Bühnensau.
Du gehörst da drauf und das macht Sinn, daß du da bist."
„King Porno“ wollte 50.000 Euro und Robin braucht Arbeit
Kandidat
Christopher „King Porno" aus Neuruppin rappt in seiner Freizeit, würde
gerne beruflich tanzen, „damit ich meine Ausbildung schmeißen kann".
Nach seinem Tanz ist die Jury entsetzt: „Was war das?" Christopher
(verlegen): „Das war eigentlich mehr Shit, keine Ahnung..." Kribbe
(ätzend): „Und warum bist du hier?" Christopher (niedergeschlagen):
„Weil ich Dance Star werden wollte. Ich wollte die 50.000 Euro
gewinnen."
Elwert (feierlich bei der Bekanntgabe der Auswahl
nach dem 2. Casting): „Robin, kommst du mal einen Schritt vor?!" Robin folgt aufgeregt. Elwert (gönnerhaft): „Robin, Robin, Robin! Also, wir vier in
der Jury konnten ohne Brille sehen, daß du wahnsinnig viel Arbeit
brauchst. Arbeit, Arbeit, Arbeit! Und dazu hast du Gelegenheit beim
Workshop in Berlin. Herzlich willkommen!"; (schnurrend:) „André, Juliana,
Ahmed. Ich muß euch leider sagen, daß das für euch hier zu Ende ist.
Danke, daß ihr da wart."; (onkelhaft:) „Yasemin, was meinst denn du so,
wie war's denn in der Choreografie ?" Kandidatin Yasemin: „Es war gut,
aber ausbaufähig." Elwert (entspannt): „Dann beweis' es dir und uns beim
Workshop in Berlin."
(help/12.11.2006)
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