You Can Dance, Finger!

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DAVID ONE TANZT GOLIATH SAT1 AN DIE WAND

Von Fred Arctor

Es geschah während einer Werbepause, als die Zuschauer des deutschen Senders Sat1 gerade versuchten, sich oder einander jene Schweißperlen zu trockenen, die ihnen das Treiben der Kandidaten und Kandidatinnen bei der Castingshow „You Can Dance!“ auf die Stirnen getrieben haben mochte. Und es ereignete sich wahrscheinlich nur im österreichischen Werbefenster.

Eine Hand in Großaufnahme auf einer Tischplatte. Mitreißende Musik. Die Finger begannen zu wirbeln, zu tanzen und legten einen gepfefferten Breakdance hin, eine halbe Minute kurz, dann das Insert „onelovesmusic.at“ - und Schluß. Der Kontrast könnte nicht größer sein. Das Fernsehen übertraf sich selbst. Während die Quoten bei Sat1 im Keller lagen - und „You Can Dance!“ gab es nur, weil der Sender mit regem Interesse rechnete - drängelte die Werbebranche clever ein Element in die Pause, das wesentlich origineller war als das schwerfällige Casting-Format im eigentlichen Programm.

Und das vor allem ohne die Rituale von Zuckerbrot und Peitsche, von Demütigung und Selbstinszenierung auskommt, in dem „You Can Dance!“ ebenso badete wie in Phantasielosigkeit und Plattheit. Die Gesichter der One-Fingertänzer bleiben verborgen, es geht nur um den Tanz. Das Feedback war offenbar gut genug, daß die Firma überlegte, selbst einen Wettbewerb zu starten. Das Medienunternehmen und das Telefonunternehmen haben dasselbe Ziel, und dieses heißt „Kundenanbindung“. Bei Sat1 durften die Zuschauer voten und konnten ein Auto gewinnen, bei One können (mehr oder weniger) versierte und originelle Fingertanz-Akrobaten ihre Videos einspeisen.

Fingerdance over the world 

Bis heute (siehe unten) wurden 115 Tanznummern upgeloaded [zwei Wochen später sind es schon 277, Anm.]. Darunter findet sich ein Tanz auf einem Globus („fingerdance over the world“ von cybill), ein „Irish Fingerdance“ (dani) oder eine technisch versierte Choreografie zu Lambada-Musik von Brain-Teaser, der wiederum einen Handschuhtanz „Hip Hop Is Dead“ (Song: Nas) von Nike Mike empfiehlt. Derselbe Tänzer beeindruckt auch mit einem verschwommenen „Negativ“-Clip. Nett sind auch der Hip Hop einer Kinderhand (von dem vierjährigen Samy, Kompliment!), ein „Bomba“-Tanz mit eigener Lichtinstallation aus der Nachschicht St. Pölten und Bines „Unten ohne“, einem Lufttanz, und „Bounce“ mit Aussicht auf eine Verkehrsader.

Die Top Ten auf der Website führt zur Zeit Onelly zu „I’m Not Here for Your Entertainment“ von Pink an. Auf Platz acht findet sich ein witziger „Saturday Night Finger“, der allerdings einiger technischer Perfektionierung bedürfte. Wer da noch mitvoten möchte, sollte sich nicht zurückhalten.

Zu gewinnen gibt es für die Tanzclipper allerlei Kleinigkeiten, und der Hauptpreis ist noch geheim. Der Wettbewerb zeigt auf jeden Fall, daß im Fingertanz ein nicht zu unterschätzendes kreatives Potential liegt, daß er sich per Video oder Webcam gut verbreiten läßt, daß er in Heimarbeit, aber auch in der Gruppe im Café Spaß macht und dort mit der Handycam aufgenommen werden kann. Diese Tänzchen repräsentieren jedenfalls die Popvariante von Kunstwerken wie etwa Thierry De Meys „Musique de tables“, einem siebenminütigen Film, in dem drei Paar Hände auf drei Tischen tanzen.

Link: www.onelovesmusic.at [Anmerkung: corpus wird nicht von One gesponsert]

(7.2.2007)