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Zeige und Scheide

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ANNE JUREN BRINGT MIT ANNIE DORSEN "MAGICAL" BEI IMPULSTANZ ZUR WELT

Captain Carey berichtet von der Geburt


anne juren mit annie dorsen und dem team zeigen magical.

jemand wirft mich auf den boden des schauspielhauses. es wird licht und ich finde mich hinter einer leinwand wieder. diese wird auf zauberhafte weise halbiert und ihre hälften nach links beziehungsweise rechts geöffnet. und damit rücke ich ins licht der aufmerksamkeit.
ich bin ein goldener würfel und bewege mich, wenn eine stimme erklingt. diese stimme? ist es carolee schneemanns stimme? sie spricht schwer verständlich. wegen der manipulation der frequenzen klingt die stimme wie aus einem 70er jahre sci-fi-hörspiel. sie spricht über die unmöglichkeit oder möglichkeit einer wiederholung einer nun sehr bekannten performance: das herausziehen einer papierschlange mit text aus der vagina der künstlerin.

plötzlich schließt sich der vorhang. er wird nicht wieder zur leinwand, das braucht noch seine zeit.
ich werde nach oben – oder ist es vorne? –  in das dunkle gebracht, und an meiner stelle erscheint anne juren als küchenzauberin à la martha rosler. was herkömmliche küchenshows mit zauberei schon gemeinsam haben, wird nun auf die spitze getrieben. unter anderem spritzt die küchenchefin anne aus ihrem rechten busen durch einen nirosta-stahl-trichter milch in das messglas, fügt es zum vorher elegant herbeigezauberten ei in einen kochtopf und erhält durch einfaches deckel aufsetzen einen fix und fertig – gebratenen oder gekochten? – busenhalter. fertig. so.

rasantes schliessen und öffnen des vorhangs, der ebenfalls eine andere art von deckel ist.
anne vollzieht yoko onos cut piece ganz alleine in samuraihafter gelassen- und konzentriertheit, dass ich in meiner dunkelheit um ihre haut zittere. stoischer vollzug der zerkleidung ihrer kleidung, mit nicht nur aus splatterfilmen bekannter abschliessender ritzung der haut bis aufs blut mit der rituellen schere. das rote kleid?
kurz darauf finden sich die zerfetzten stoffreste ums haupt der tänzerin gewunden und die grossartige soundcollage von christophe demarthe treibt nun meine mutter (ohne zauberei, und roland rauschmeier ist der vater) nackt von der entspannung zur spannung. vom bild zur einbildung. von der abwesenheit zur anwesenheit. vom anders geschriebenen zum so gelesenen. von einer vorgestellten illusion zu einer gestellten vision. chapeau!

deckel zu, und der vorhang wird wieder leinwand und lässt auf sich ausschnitte einer performance projizieren. kaum erkenne ich diese, zerfällt die projektionsfläche abermals in zwei hälften, und dahinter präsentiert die nackte feministische tanzküchenmeisterin auf einem tisch stehend magische kunststücke. aus allen ihren löchern werden objekte gezogen. jemand wirft mich auf den boden. von oben oder von hinten? ich bin viel kleiner. und die anfangs erwähnte papierschlange kommt als stoffschlange in regenbogenfarben aus der vagina der neuen herrin und meisterin. dann das licht aus der scheide, das die abgebrochene projektion der performance fortsetzt; der vorhang ist leinwand ist blende. offen. geschlossen. ein schneller kleiderwechsel (applaus setzt ein) – dieser lässt auch valie exports aktionshose genitalpanik nicht unbedacht. das rote kleid?
zaubergaben.

anne juren mit annie dorsen und dem team zeigten magical.

(21. 7. 2010)