Editorial

Es ist soweit! Endlich kann das corpusKollektiv Ihnen, liebe Leserınnen, seine neue Website vorstellen: Voilà, hier ist sie, und wir wünschen viel Freude bei Ihren Entdeckungsreisen darin.

 

Aus CORPUS, dem Internetmagazin für Tanz•Choreografie•Performance, ist ein Projekt geworden, in dem wir mit der provozierenden und auffordernden Komplexität unserer Zeit experimentieren: CORPUSweb.net .:. Performance .:. Philosophie .:. Politik.

 

Neu ist, dass wir uns ab sofort noch akzentuierter als bisher mit den Zusammenhängen von Kunst und Gesellschaft auseinandersetzen. Wir wollen versuchen darzustellen, was die performativen Künste zu unserem Leben in einer radikal performativen Welt beitragen.

 

Ausgangs-, Dreh- und Angelpunkt bleibt dabei der sich ständig verändernde Formenreichtum von Tanz und Choreografie. Dazu haben wir uns entschlossen, weil diese Kunstform ihr Diskursspektrum in den vergangenen Jahren zwar erweitert hat, die Auseinandersetzung mit dessen Potenzial aber zurückgegangen ist.

 

Die Zeitläufte haben sich seit dem ersten Onlinegang von corpus im Oktober 2006 gravierend verändert. Das hat uns veranlasst, ein neues Konzept für unser Medium zu entwickeln. Wir haben uns vier Jahre lang Zeit genommen, unsere Ideen dafür reifen zu lassen, und bringen corpus gerade in der Phase eines globalen Bruchs neu ins Spiel.

 

Zu Beginn der Neuplanung setzten wir die Überlegung, dass ein Kunstmedium künftig mehr brauchen würde als die Verhandlung hochspezifischer ästhetischer Dynamiken. Nun, künftig ist jetzt. Und wir denken, dass jetzt kein „Objekt“ mehr darstellbar ist ohne Beobachtung und Analyse seiner Relationen mit anderen.

 

Von jetzt an wird corpus die Verbindungen zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft mit weiterentwickelten Instrumentarien untersuchen und darstellen.

 

Die Künste, auf die wir uns primär – aber nicht ausschließlich – konzentrieren, lassen sich unter „Performing Arts“ zusammenfassen. Unser Interesse gilt einerseits künstlerischen „Produkt(ion)en“, aber vor allem auch dem gesamten Prozess der künstlerischen Kommunikation und Forschung, auch in Form von arts based research.

 

Im übergreifenden Diskurs sind die tradierten Aufspaltungen der Wissenschaften überholt. Mit dieser Voraussetzung reflektiert corpus über Wissenschaft und ihre Vergesellschaftlichung – überwiegend im Bereich der „Philosophie“, um deren Bedeutung für das Verstehen des Denkens hervorzustreichen.

 

Und wir erschließen die Auffassung neu, dass keine soziale, kulturelle, wissenschaftliche oder kommunikative Dynamik unpolitisch sein kann. Schon gar nicht die künstlerische Praxis, der auch im neuen corpus-Format wieder viel Raum gegeben wird.

 

Das sind die Werkzeuge, mit denen das in sich heterogene und plurale corpusKollektiv in die Herausforderungen der Gegenwart eindringt. Zu dieser Expedition in eine Komplexität, von der gerade unser gesamter Lebensraum umgestaltet wird, wollen wir Sie gerne mitnehmen.

 

Diese Gestaltung beobachten wir – und ebenso, wie darüber kommuniziert wird. Wenn wir dabei andere Perspektiven vorstellen als die meisten Akteurınnen aus den Betrieben der Kultur, dann vor allem, weil uns das Beobachten selbst und sein Einfluss auf die Performative des Umbruchs besonders beschäftigt.

 

Um Ihnen dies nahebringen zu können, brauchen wir dieses spezielle Medium. Es ist in seiner Gestaltung auf das Wesentlichste konzentriert. In ihrer Struktur ist diese Website, wie die Startseite zeigt, klar wie ein Navigationsplan, in ihrer Organisation amöbenhaft flexibel und in ihrer Produktivität so komplex wie ein Neuronennetz.

 

Inhaltlich werden wir so radikal unabhängig bleiben wie bisher. Dafür wird es weiterhin temporäre Koalitionen und Kooperationen geben. Mit corpus haben Sie ein Forschungsmedium vor sich, das über asymmetrische Logiken gebaut wird und sich von neoliberalen Konventionen distanziert. Sagen wir demnach, corpus ist dort stationiert, wo sich die soziale Kommunikation in freiest denkbarem Experiment befindet.

 

Damit halten wir uns in Opposition zu autoritären und diskriminierenden Ideologien, zu Kontrollekstasen, Kolonialismen und Paternalismen, aber auch zu senil juveniler technologischer und ökonomischer Hybris („4.0“) – kurz, gegen den Missbrauch des sozialen Körpers durch sich selbst.

 

Opposition ist eine Position, die nicht nur Konversationsthema oder abstrakte „Haltung“ sein kann, sondern überlegt, argumentiert und auch bezogen werden muss. Diese Position entwickeln wir als eine dynamische, und dafür ist das Tanzen die beste Methode. (corpusRedaktion)


Hinweis zum corpusArchiv

 

Wir werden die mehr als 1200 Beiträge umfassenden Inhalte von CORPUS – Internet Magazin für Tanz•Choreografie•Performance (Oktober 2006 bis Jänner 2017) in unserem Archiv zur Verfügung stellen. Da wir auf ein neues Websitesystem umgestiegen sind, muss jeder einzelne Beitrag überprüft werden – dafür brauchen wir etwas Zeit und finanzielle Unterstützung. Wir hoffen, diese Arbeit bis Ende 2017 bewältigt zu haben.


Dank

 

gebührt unseren bisherigen Unterstützerınnen für ihr Vertrauen während der Entwicklungsphase dieser neuen Website: dem WUK – Abteilung performing arts, dem Festival ImPulsTanz, dem donaufestival in Krems und der Szene Salzburg.

 

Besonders verbunden sind wir Ingrid Kero, die unsere neue Website in selbstlosem Einsatz technisch umgesetzt hat. Ohne ihre Arbeit wäre es unmöglich gewesen, dieses Projekt zu verwirklichen.

 

Nicole Haitzinger ist der Anstoß zur Neukonzeption von corpus zu verdanken, Claribel Koss hat 2016 mutig unsere administrativen Agenden übernommen, Heidi Wilm ist bereit, zusammen mit Helmut Ploebst die Redaktionsarbeit umzusetzen.

 

Der Esprit von Astrid Peterle befeuert das Kollektiv seit mehr als drei Jahren, David Ender ist von Beginn an und nach wie vor unerschütterlich unser diskretes Rückgrat, und Sabina Holzer hat corpus so klug wie empathisch die Treue gehalten.

 

Wir bedanken uns von ganzem Herzen bei allen ehemaligen Komplizınnen, Förderınnen und Kollaborateurınnen seit 2006 und freuen uns auf die Zusammenarbeit mit einigen neuen Mitgliedern im corpusKollektiv.

 

(7.2.2017)

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